Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Der Ablauf der Anschläge von heute Nacht

paris131115

via Twitter.
bonanzaMARGOT - 14. Nov, 12:44

diese neuerliche anschlagserie stimmt traurig und wütend...
und immer die frage: "wieso nur?"

ElsaLaska - 14. Nov, 15:56

@bonanzaMargot

Nun, wieso - die Täter riefen "Für Syrien", es sind wohl Terroristen vom "Islamischen Staat - IS", die Rache üben wollen für die Luftschläge der Allianz mit den USA.
Wieso diese Söhne des Deibels so drauf sind, weiß ich auch nicht - sie haben keine Probleme, kleine Kinder zu massakrieren und auch keine Probleme mit allen möglichen Gräueltaten unmenschlichster Art, und Freiwillige für Selbstmordattentate haben sie auch genügend zu Verfügung.
Es ist wohl ihr spezielles Verständnis von einem "gerechten Krieg". :-(
Marco Gallina (Gast) - 14. Nov, 16:15

Die Eskalation ist gewollt

Das Schlimme ist: egal was "wir" tun, es ist falsch. Die Terroristen haben gesehen, wie wir abhängig von unserer klickbunten Bildschirmwelt sind - und kommunizieren wieder mit Zetteln und Gesprächen von "Gesicht zu Gesicht". Alle Freiheitseinschränkungen (Vorratsdatenspeicherung, Internet etc.) sind damit reines Placebo oder sogar von Staatsseite gewollt.

Will man nun in Syrien eingreifen, bekommen die Terroristen wiederum den Kreuzzug, den sie wollen - und bei dem sie vielleicht noch mehr blutige Hilfe bekämen.

Reagiert man nicht darauf, ist es ein Zeichen der Schwäche aus der Sicht der nahöstlichen Mentalität und riskiert neue Anschläge.

Die einzigen vernünftige Optionen:

- Boykott der Türkei wegen offener und verdeckter Unterstützung des IS
- Einfrierung von Hilfe an unsere "nahöstlichen Verbündeten", die diese Gruppen mit Geld und Waffen unterstützen (Saudi-Arabien, Golfstaaten)
- Sanktionen gegen beide oben genannten Staatengruppen
- Massive Unterstützung säkular-nationaler Kräfte in der Region

... wird vermutlich nicht geschehen. Dafür haben einige Staaten - insbesondere die USA, die Assad um jeden Preis weghaben wollen, und die Kurden gegen die Türkei nicht erstarken lassen wollen - viel zu weitgehende Machtinteressen in der Region. Ja, auch Frankreich, dass federführend bei der Beseitigung Gaddafis war, gehört dazu! Wir leben in einer Zeit, in der Volk und Regierung in Parallelwelten leben. Nur, dass wir keine panzerfesten Limousinen und Bodyguardabteilungen haben.

Was übrig bleibt, ist unsere kleine, verletzliche europäische Halbinsel, die dem nur zuschauen will/wird.
ElsaLaska - 14. Nov, 16:26

@Marco Gallina

Ein weiterer Gedanke: Die IS betrachten offenbar Syrien schon als erobert und als ihr "Staatsgebiet". Hollande hat erklärt, es handle sich bei den Attacken in Paris um Krieg. (Was übrigens auch mein Eindruck ist, was allerdings dann in die nächste Zwickmühle führt): Damit wäre eventuell mal wieder der Bündnisfall eingetreten, so wie nach 9/11.

Und natürlich sollte man auch immer im Auge behalten, dass es diese Anschläge auch schon lange vor der Existenz von IS gegeben hat. Und leider wohl auch geben wird, selbst wenn man IS endlich zur Strecke gebracht hat.
Wie Sie richtig sagen, kann man gar nicht das "Richtige" tun - das geht auch gar nicht, da uns islamistische Terroristen in ein Muster der RE-AKTION gezwungen haben. Wir werden mit Ereignissen konfrontiert, auf die wir nur re-agieren können. Agieren, also selbstbestimmt handeln, können wir dabei gar nicht mehr.
Auch eine Schließung der Grenzen, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen usw. sind nur Ausdruck einer Re-aktion, nicht eines freien Handelns.
Wir sind Unfreie geworden auf unserem eigenen Kontinent.
Marco Gallina (Gast) - 14. Nov, 16:32

Genau diese Gedanken...

... habe ich heute bereits auf meinem Blog geäußert, von wegen Nato-Bündnisfall. Und ehrlich gesagt: da es hier tatsächlich ein staatliches Gebilde gibt, dass auch offiziell von Kriegsakt spricht, wäre der Fall meiner Ansicht nach sogar handfester als das Geschehen im Jahr 2001.

Und mir wird recht mulmig dabei, weil so schon weitaus unschönere Konflikte in Gang kamen.

Obwohl Machiavelli bestimmt alles andere als ein Christenmensch ist, so hat er bezüglich der Staatsgewalt schon recht behalten, das in dem Moment ein Staat zugrunde gehen muss, wenn er seinen Willen nicht mehr anderen aufzwingen kann - sondern dieser von außen aufgezwungen wird.
ElsaLaska - 14. Nov, 16:38

@Marco Gallina

Sehe ich auch so. Der Fall wäre tatsächlich eindeutiger gegeben als bei 9/11.
Das Dumme ist nur, dass Putin gerade auch in Syrien kämpft. Und es ist meiner Meinung nach ein ziemlich großer Fehler, diesen Mann, egal was man von ihm hält, von seiten der NATO und auch politisch gesehen dermaßen zu isolieren.
Er muss auf jeden Fall an Bord genommen werden - Ressentiments hin oder her, denn tatsächlich agiert er in Syrien auch ziemlich effektiv, weitaus effektiver, als die USA.

Machiavelli war ein sehr kluger Mann. Und man kommt wohl mit christlichen Gedanken nicht allzuweit, wenn es um Dinge der Staatsräson, des Gemeinwohls, des eigenen Territoriums und der Grenzen desselben geht.
Marco Gallina (Gast) - 14. Nov, 16:50

Zustimmung!

Auch, was Putin anbetrifft. Gerade, weil der Mann seinen Machiavelli augenscheinlich verstanden hat. Überdies haben die Russen eine nicht zu unterschätzende Erfahrung auf dem Feld; die Kriege im Kaukasus waren brutal, aber Technologie kann nie die Erfahrung eines Soldaten ausmachen. Und die damals in Tschetschenien kämpften, sind heute Offiziere.

Was die Medien ja gerne verschweigen: Putin will ja nicht nur aus geopolitischen Gründen Assad stützen. Solche Sachen wie das Schulmassaker oder der Moskauer Opernüberfall - an letzteren musste ich gestern bei der Theatergeiselnahme sofort denken! - haben den Anfang seiner Amtszeit überschattet. Danach hat der Bär zugeschlagen. Nie wieder! Bemerkenswert, dass der letzte Terroranschlag gegen Russland in der Luft vollzogen werden musste.

Der Krieg in Syrien ist daher auch Selbstschutz, damit im Irak/Syrien nicht neuerlich eine Terroristentrutzburg hochgezogen wird. Einige vergessen, dass es vom "Sham" bis zur russischen Grenze über den Kaukasus kürzer ist, als zur französischen.

Unglücklicherweise habe ich den Eidnruck, dass man zu Zeiten des Kalten Krieges wesentlich kompromissbereiter war, während heute eine bestimmte Seite ihre Maximalforderung gänzlich durchsetzen muss...

PS: Marco reicht, wenn Sie wollen. :)
Märilu (Gast) - 14. Nov, 17:11

@ Marco Gallina

Aus eigener Bescheidener Erfahrung, geistlich gesprochen, kann man in dem Moment, wo alles was man tut falsch ist, es in den Augen Gottes nur noch richtig machen, denn er rechtfertigt jeden Schritt. Eben weil man sich nicht mehr für das Richtige und Gute zu entscheiden vermag.


Hoffentlich haben sie die Priester vor Ort gelassen.
ElsaLaska - 14. Nov, 17:16

@Maerilu

Ich hoffe auch, dass Seelsorger im Einsatz waren - allerdings ist es nun mal so, und aus gutem Grunde, dass sie manchmal nicht vorgelassen werden, wenn die Sicherheitslage es nicht erlaubt. Einen mutigen Priester hält es bei sowas ja nicht mehr auf dem Sitz, genausowenig wie einen Feuerwehrmann oder einen Polizisten, der seinen Beruf ernst nimmt.
ElsaLaska - 14. Nov, 17:22

@Marco

Die Russen werden in weniger als zehn Jahren die schlagkräftigste Armee der Welt haben - nicht nur wegen der Technologie, die sie benutzen.
Europa wäre gut beraten, sich die Erfahrungen von Israel und Russland in Sachen Anti-Terror zunutze zu machen.
Aber man kennzeichnet ja lieber Waren aus Israel und verhängt Sanktionen gegen Russland. Wir haben ja sonst keine Sorgen mehr, als die, wo und wie man korrekt einkauft.
Ein weiteres Symptom: Wie wäre es denn mal mit einem General a.D. als Verteidigungsminister und einem Sicherheitsexperten als Innenminister, einem Ex-Verfassungsrichter als Justizminister. In Deutschland genügt scheinbar schon ein Bachelor in Batik, um ein solches Amt zu erhalten. Entschuldigen Sie bitte meine Hyperbeln. Sie sind - leider - mein bevorzugtes Stilmittel:-)
bonanzaMARGOT - 14. Nov, 19:26

dieser terror ist ein symptom einer viel weitgehenderen problematik.
selbstverständlich muss der terror konsequent und möglichst einig bekämpft werden. doch wenn man die ursachen nicht politisch angeht, wird man gegen windmühlen kämpfen.
cassian (Gast) - 14. Nov, 19:32

beim Namen genannt

"Es gibt keine Rechtfertigung für solche Taten. Das ist nicht menschlich", sagte der Argentinier dem Sender TV2000 der italienischen Bischofskonferenz am Samstag. Auf die Frage, ob damit der Dritte Weltkrieg in Stücken fortgesetzt werde – vor dem Franziskus bereits oft gewarnt hatte –, sagte er: "Das ist ein Teil davon."
bonanzaMARGOT - 14. Nov, 19:37

huntington sah es voraus.
wenn es zum regelrechten kriegerischen clash of culture kommt, dann gnade uns gott!
ElsaLaska - 14. Nov, 19:52

@bonanzaMargot

Huntington war mir immer zu pessimistisch, da ging es mir wie mit Oswald Spengler.
Es muss doch möglich sein, noch einen Aufstand der Aufrechten zu generieren, und ja, zu diesem könnten auch klar denkende Muslime gehören.
Allein, die Chance ist klein.
Imrahil (Gast) - 14. Nov, 21:10

>>Will man nun in Syrien eingreifen, bekommen die Terroristen wiederum den Kreuzzug, den sie wollen...

Ich denke, wir sollten demütig genug sein, daß wir unseren Mitmenschen den Gefallen tun, sie ernstzunehmen. Es mag ja das befriedigendere sein, "sowas nehme ich nicht einmal zur Kenntnis" zu sagen, aber ... auch die Terroristen sind Menschen. Gewähren wir ihnen die Ehre, sie zur Kenntnis zu nehmen - und ihnen sogar, wenn es ist, einen Gefallen zu tun.

Mit einem Kreuzzug, der sich gewaschen hat.
Marco Gallina (Gast) - 14. Nov, 22:39

@Elsa

Hyperbeln? Ich bitte Sie. Sie waren genug in Italien, als dass Sie mit Sicherheit wissen, dass wir dort fließend Hyperbelsch' sprechen. Tatsächlich kommt man ohne dieses kaum voran, wenn man etwas wirklich will. Demnach verstehe ich Sie vollkommen. ;)

(Sind Smilies noch ok, oder bald auch "Autobahn"?)
Marco Gallina (Gast) - 14. Nov, 22:42

@Imrahil

Nun denn, wenn es dazu kommt: meine Vorfahren hatten die nötige Logistik. Transportgebühren gehen dann hoffentlich wieder an uns. Vielleicht stehen auch noch irgendwo ein paar eingemottete Galeassen herum. Wir hätten da immer noch ein Hühnchen seit Candia zu rupfen.

Aber lassen Sie sich um Gottes Willen nicht von uns anführen - außer, Sie beabsichtigen, Istanbul auf dem Hinweg gleich mit einzunehmen. Soll schonmal vorgekommen sein.
Imrahil (Gast) - 14. Nov, 23:36

;-)

naja, ich dachte eher an einen Kreuzzug, bei dem man auf keinen Fall den Kurden verzählt, daß es einer ist. Wahrscheinlich nicht einmal den Christen, sonst machen sie die meisten nicht mit.

Istanbul? Nun ja, das war damals eine ökumenische Misere. Da mittlerweile da der Türke ist und die Griechen großteils vertrieben hat - ein Vorwurf, der bei allen sehr berechtigten schlimmen Vorwürfen den Kreuzzüglern noch niemand gemacht hat - bräuchte man in der Hinsicht ein paar Hemmungen weniger haben. Sinnvollere Vorschriften gegen Plünderungen und Kriegsverbrechen gibt es heute auch. Man könnte die Stadt dann später großzügig den Griechen geben, das würde die bestimmt freuen, und dabei etwas Religionsfreiheit für die Katholiken herausschinden.

Aber, Gedankenspiele und makabre Scherze beiseite: für einen Krieg gegen die Türkei gibt es keinen Grund, ergo bleibt auch deren Staatsgebiet unangetastet. (Was nicht heißt, daß man sie auch noch darin unterstützen sollte, den Kurden, die gegenwärtig die Hauptlast des Kampfes gegen den IS tragen, in den Rücken zu fallen.)

Für den Transport bietet sich freilich heutzutage eher Lufttransport, oder einer mit Schiffen ohne Segel und Ruderer an - wobei man auf die Unterstützung freundlich gesinnter islamischer Herrscher angewiesen sein wird. (Was übrigens auch bei den Kreuzzügen mW teilweise so war.)
Imrahil (Gast) - 15. Nov, 00:08

Die Sache mit Candia könnte man sich aber mal überlegen, was das Liedgut betrifft...

Klein unser Häuflein, wild unser Blut,
wir fürchten den Feind nicht und auch nicht den Tod,
wir wissen nur eins: wenn die Christenheit in Not,
zu kämpfen, zu siegen, zu sterben den Tod.
An die Gewehre, an die Gewehre:
Kamerad, da gibt es kein Zurück.
Fern im Osten stehen dunkle Wolken,
komm mit und zage nicht, komm mit.
Marco Gallina (Gast) - 15. Nov, 11:27

@Imrahil

Das mit Konstantinopel war auch ein ungeheurliches Missverständnis, dessen tatsächliche Ausbreitung die Begrenzungen eines Blogkommentars wohl sprengen würde. Niemand war mit dem damaligen Ausgang wirklich glücklich; soviel dazu. Es waren auch tatsächlich weniger die Venezianer, als Bonifaz von Montferrat dahinter, und auch der nur, weil er den Alexios installieren wollte. Man dachte, man käme als Befreier (nicht, dass solche Missverständnisse auch schon vorher oder nachher geschehen wären).

Eingedenk dessen ist zu sagen, dass man dafür auch 250 Jahre später gemeinsam auf den Mauern fiel, nach einem gemeinsamen Gottesdienst und einer Besinnung auf ein gemeinsames Erbe. Im Gegensatz zu dem, was die genuesische Propaganda behauptet, waren auch Venezianer zugegen. Leider nur nicht genug, weil man gerade im Krieg mit Mailand seine Kräfte woanders gebunden sah.

Obwohl ich es weniger mit den Sozialisten habe - aus denen rekrutieren sich ja nicht wenige kurdische Kontinente - habe ich aufgrund meiner regionalistischen Tendenzen ein sehr spezielles Verhältnis zu den Kurden. Aber auch aus geopolitischer Sicht, wird mir niemals reingehen, warum man sich lieber eine große, wacklige Türkei mit unkalkulierbaren Plänen als Bündnishilfe hält, statt die Kurden, die ja schon seit dem 19. Jahrhundert den Ruf der Treue und Verlässlichkeit, sowie außergewöhnlicher Tapferkeit tragen.

Auf den Punkt gebracht: ein freies Kurdistan würde dem Westen die Füße küssen, wenn man ihm zur Unabhängigkeit helfen würde - im Gegensatz zu vielen der stolzen arabischen Emirate. Geostrategisch perfekt gelegen (Kontrolle des zentralen Nahen Ostens und mit einer Grenze zu allen wichtigen Territorien), von Bergen umwunden, dazu auch noch mit Öl gesegnet. Danach wäre auch die Türkei so geschwächt, dass sie einem nicht weiter auf der Nase herumtanzen könnte.

Sowohl den Europäern, als auch den Arabern.
ElsaLaska - 14. Nov, 23:13

@Marco

Sie sind ein Gesprächspartner nach meinem Gusto. Klasse, einfach. Ich genieße Ihre Kommentare.
Wobei sich keiner zurückgesetzt fühlen sollte,bitte!

Marco Gallina (Gast) - 15. Nov, 11:28

@Elsa

Jetzt machen Sie mich noch ganz verlegen. Wie soll ich denn weiter schüchtern im Hintergrund verbleiben und meinem damaligen Vorsatz folgen? Sie machen es mir wirklich schwer!

Vielen Dank für das Kompliment.

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NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
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