Ich halte die Preisverleihung für vollkommen richtig, gerade weil ich Christ bin. In der Nachfolge Jesu darf Gewalt keinen Platz haben.
Dordino (Gast) - 18. Mai, 23:37
1. Dieser Preis wurde nicht von Nachfolgern Jesu vergeben.
2. Menschen zu schützen ist keine Sünde.
Il capitano - 18. Mai, 23:41
Jeder Christ kann für sich selbst entscheiden, ober er sich persönlich ermorden, verprügeln, vergewaltigen oder ausrauben lässt. Die Verantwortlichen für ein Gemeinwesen können allerdings nicht so denken und handeln. Da gibt es nun mal einen Unterschied.
clamormeus (Gast) - 18. Mai, 23:47
Und eine Informationsveranstaltung ist in Ihren Augen schon Gewalt?
Auweh! Was müssen Sie nur tagtäglich erleiden...
Il capitano - 18. Mai, 23:58
@clamormeus
Jetzt, da du es erwähnt hast, fühle ich mich von den jüngsten Info-Briefen diverser Firmen und Organisation ziemlich gewalttätig behandelt. Man muss es halt nur erst mal begreifen ... ;-)
Fidelis (Gast) - 19. Mai, 18:30
Ich finde es immer interessant, wenn von Schutz vor Raub, Massenergewaltigung, Massakern etc. die Rede ist.
Die letzte Armee, die dafür kämpfte unsere Bevölkerung davor zu schützen, war die Wehrmacht. Mein Opa ist damals als sehr junger Mann in den Krieg gezogen, um seine Mutter, Oma, Schwestern etc. vor den anstürmenden Russen zu verteidigen.
Komischerweise gibt es keine Armee, die so kollektiv mit Dreck überhäuft und geschmäht wird, wie die Soldaten der Wehrmacht.
Die gleichen Leute, die meinen Opa in den Dreck ziehen, feiern heute die Bundeswehr ab. Obwohl die Bundeswehr noch nie irgendeinen Kampfeinsatz für die Verteidigung unserer Bevölkerung durchgeführt hat.
Und das soll sie wohl auch in Zukunft nicht. Die Bundeswehr wird ja jetzt nochmal drastisch verkleinert.
Oh halt, da verwechselt du wirklich was. Mein Großonkel war ja bekanntlich bei der Wehrmacht und hat an sämtlichen relevanten Fronten gekämpft/kämpfen müssen.
Die Wehrmacht wurde nach meinem Wahrnehmen nicht in den Schmutz gezogen, sondern ist relativ "sauber" aus der Geschichte rausgekommen (relativ meint nicht, dass in der Wehrmacht manchmal nicht auch rumges... wurde) , anders als die richtig üblen Divisionen (SS? SA?), die äußerst ideologisch motiviert waren, und nicht einfach "nur" ihren Pflicht-Dienst ableisteten.
Natürlich greift uns momentan grad keiner an. Allerdings kann sich das schnell ändern. Und bei Flutkatastrophen etc. ist die binnenlandhilfe der BW ja auch immer gerne gesehen.
Es ist aber eine ziemlich normale realistische Binsenweisheit, dass man, wenn man ein TERRITORIUM innehalten will als Staat, dieses auch verteidigen können muss, selbst wenn man damit nicht glücklich ist oder sogar gerade das Glück hat, dass man sich damit mitten im derzeit friedlichen Europa befindet.
(Anderweitige Einsätze sind wieder anderes Gelände - andere Baustelle)
Insofern kann sich kein einziger Staat der Welt, der ein Territorium besitzt, KEINE Verteidigungsarmee leisten - nicht mal der Vatikan mit seinen paar Hektar.
Ist halt so.
Il capitano - 19. Mai, 18:56
@Fidelis
Ich denke, bei der Bewertung der Wehrmacht würden wir uns eher halbwegs einig als bei der Einstufung der Taliban ;-)
Immerhin bin ich der Sohn und Neffe von Wehrmachtssoldaten, der es auch nicht gut findet, seine Verwandten regelmäßig pauschal in den Dreck getreten zu sehen.
Nur hilft das - fürchte ich - bei unserer Debatte nicht weiter. Trotzdem können wir darüber reden. Warum auch nicht?
Barbara hat sich in dem Brief als Katholikin geoutet, somit als Nachfolgerin Jesu. Wieso es für eine Nachfolgerin des gewaltlosen Königs der Könige nicht zu verstehen ist, dass manche einer auf Gewalt basierenden Organisation keine Plattform bieten wollen, ist mir schleierhaft.
Die Bundeswehr ist weder das THW noch das DRK, sie besteht vielmehr aus Soldaten, deren Grundausbildung eben effektives Töten nahebringt - das ist der Sinn einer Armee.
Natürlich darf man andere beschützen, das Tötungsverbot gilt aber immer.
clamormeus (Gast) - 19. Mai, 23:10
@R. Ops
Von mir aus, achten Sie das GG so gering wie Sie wollen. Aber erzählen Sie bitte hier keinen Katholiken Stuß über katholische Positionen zum Dienst als Soldat (KKK lesen ist immer ganz hilfreich dafür, die einschlägigen Abschnitte waren hier auch schon umfassend Thema)
a) Das Gebot lautet im Originalwortlaut: Du sollst nicht MORDEN.
b) Schauen Sie doch ruhig mal in der Bibel nach und fangen Sie direkt beim Hl. Johannes dem Täufer an, aber dann ruhig weiterblättern zu Jesus, wie Johannes und Jesus dort mit den römischen Soldaten umgegangen sind.
Die römische Armee war jetzt nicht gerade das, was man eine ausgesprochene Verteidigungsarmee nennen konnte ...im Gegensatz zur Bundeswehr etwa.
Ich suche Ihnen auch gerne die Stellen heraus, wenn es Ihnen zu mühsam ist.
/hint: Er hat sie nicht zum Deibel gejagt und auch nicht verurteilt und schon gar nicht als Mörder bezeichnet/
Fidelis (Gast) - 20. Mai, 12:55
@Elsa
Natürlich braucht ein Staat eine Armee, um seine Integrität zu sichern und im Notfall verteidigen zu können.
Aber ist das heute überhaupt noch Aufgabe der Bundeswehr?
Die Bundeswehr ist doch schon sehr klein und wird mit der Bundeswehrreform noch weiter verkleinert.
Wenn wir wirklich von einem anderen Staat militärisch angegriffen würden, weiss ich nicht, ob so eine Mini-Armee wie die Bundeswehr uns ernsthaft verteidigen könnte.
Die Bundeswehr wird gerade komplett umgebaut, von einer ehemaligen Verteidigungsarmee in eine kleine, spezialisierte Interventionsarmee, die überall in der Welt im Auftrag der Nato oder der UN, sich in die Angelegenheiten fremder Nationen einmischt.
>>die überall in der Welt im Auftrag der Nato oder der UN, sich in die Angelegenheiten fremder Nationen einmischt.<<
Ja, das ist natürlich sehr schlimm. Aber es ist eben nicht die NATO oder die UN, sondern das DEUTSCHE PARLAMENT, das letztlich das Mandat erteilt.
Zum einen.
Zum anderen: Witzig. Warst du es nicht, der sich die letzten Monate jedesmal, wenn es zum Thema kam, über Saudi-Arabien echauffiert hattest und wieso da niemand eingreift? :-))))
Il capitano - 20. Mai, 13:16
Laut dem sogenannten Weißbuch der Bundeswehr hat diese den Auftrag, die außenpolitische Handlungsfähigkeit zu sichern, einen Beitrag zur Stabilität im europäischen und globalen Rahmen zu leisten, die nationale Sicherheit und Verteidigung zu gewährleisten, zur Verteidigung der Verbündeten beizutragen und die multinationale Zusammenarbeit und Integration zu fördern. Daraus resultieren die Aufgaben, nämlich die internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus, die Unterstützung von Bündnispartnern, der Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger, die Rettung und Evakuierung, Partnerschaft und Kooperation sowie die Hilfe im Rahmen von Amtshilfe bei Naturkatastrophen und schweren Unglücksfällen.
Mit den ständigen Reformen wird die Struktur den Aufgaben angepasst, was letztlich zum Abbau der Massenarmee geführt hat. Dennoch erfüllt die Struktur weder die Anforderungen der Landesverteidigung noch die einer Expeditionsarmee. Betrachtet man das für die Schlagkraft einer Streitmacht ausschlaggebende Verhältnis zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten, so stellt sich die Bundeswehr mit 1 zu 35 als vierfach weniger schlagkräftig dar als die französische Armee mit einem Verhältnis von 1 zu 9 (europäischer Bestwert).
Geeignet zur herkömmlichen Verteidigung ist lediglich eine der drei Bundeswehrdivisionen, die im Kriegsfall einen Frontabschnitt von etwa 12 bis 15 km verteidigen könnte. Dafür könnte sich der Rückwärtige Raum bis Portugal in die Tiefe staffeln. Reden wir nicht darüber, sonst könnte man Angst bekommen ;-)
Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass auch andere Staaten ihre aktiven Truppen auf ein Mindestmaß reduziert haben. Deutschland folgt damit lediglich der allgemeinen Entwicklung. Allerdings nur zahlenmäßig, nicht strukturell. Das Kommando Spezialkräfte bspw. ist seit seiner Gründung mit halber Planstärke unterwegs. Warum eigentlich?
Da sind wir wieder bei unseren Debatten. Weil u.a. kaum noch ein zum Soldaten geeigneter Mensch sich der ständigen Anklage als ›Mörder‹ oder ›Besatzer‹ oder ›Wirtschaftskrieger‹ aussetzen möchte. Das ist natürlich nicht der einzige Grund, aber das Ansehen einer Armee im eigenen Land und bei der eigenen Bevölkerung spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entscheidung Soldat zu werden - oder es besser zu lassen.
Es gibt doch staatskundlichen Unterricht in der BW, schon in der Grundausbildung, oder hab ich da was falsch verstanden? Also so eine Mischung aus Sozialkunde/Gemeinschaftskunde und eben dem Grundwissen über politische Institutionen, Geschichte BRD, demokratische Verfassung, Grundrechte - auch der eigenen als Soldat?
Ich müsste das genau wissen, ich hätte nämlich eventuell noch Lust, wegen der Frechheit der Aussage, dass der Soldatenberuf kein normaler Beruf sei (das ist er auch nicht, aber die Folgesätze waren einfach nur unwahr: Soldatinnen und Soldaten verzichten mit ihrem Eintritt in die Armee auf wesentliche Grundrechte, wie auf das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit und Leben. Die freie Meinungs- und Willensbildung wird beschränkt, Gehorsamsverweigerung wird bestraft.“) eine Anfrage an die SPD auf Bundesebene zu stellen, ebenso wie an die Grünen und evtl. die Linken noch.
Vielleicht frage ich ja gleich noch beim Bundesverfassungsgericht an, wie es eigentlich sein kann, dass eine grundgesetzlich verankerte Institution gegen wesentliche Grundrechte verstößt? *lol
>>Zudem koordiniert und initiiert die Bundeszentrale für politische Bildung das sogenannte Netzwerk Politische Bildung in der Bundeswehr, um die Kompetenzen verschiedener Bildungsträger für die Bundeswehr und deren Angehörige zu vereinen<<
Zitat aus dem obigen Link.
Aha. Dann kann man wohl sogar davon ausgehen, dass jeder Soldat über eine bessere politische Bildung verfügt als die Aachener SPD, die Aachener Grünen etc und die Aachener Katholiken?
Diesen Rückschluss muss ich aufgrund der Äußerungen des Gremiums ja leider ziehen ....
Zur Aussage: "Die freie Meinungs- und Willensbildung wird beschränkt."
Klar, wo nicht? Das ist in JEDEM Dienst- und Arbeitsrechtverhältnis so. Selbst - durch den Fraktionszwang - im Bundestag oder in anderen Parlamenten. Und in seiner Freizeit darf auch jeder Soldat labern war er will, abgesehen vom Ausplaudern dienstlicher Obliegenheiten.
Imrahil (Gast) - 20. Mai, 14:17
>>Soldatinnen und Soldaten verzichten mit ihrem Eintritt in die Armee auf wesentliche Grundrechte, wie auf das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit und Leben. Die freie Meinungs- und Willensbildung wird beschränkt, Gehorsamsverweigerung wird bestraft.
Das ist nicht unwahr, sondern im jurisitschen Sinne durchaus richtig. Vgl. Soldatengesetz § 6. Einiges in der Rechtsstellung der Soldaten wäre in der Tat ohne den Art. 17a GG nicht verfassungsgemäß. Die Militärseelsorge macht ja auch "Werbung" damit, daß die Religionsfreiheit dasjenige Grundrecht ist, das überhaupt nicht eingeschränkt wird.
Dann stelle ich eben doch noch eine Anfrage an das BVerfg. :-)
Vielleicht ist das ja das Charakteristikum ALLER dienenden Berufe?
Wie stehts denn mit Polizisten? Feuerwehrleuten?
Werden die auch ausgesperrt, weil sie keine normalen Berufe haben und Leib und Leben für andere riskieren, die herumsitzen und wichtige Friedenspreise zu vergeben haben?
Imrahil (Gast) - 20. Mai, 14:22
Was die Pflichten und Rechte (jawohl, auch die) des Soldaten angeht, sowohl im allgemeinen als auch im besonderen (ich sage mal nur UZwaGBw) lernt man das in der Grundausbildung durchaus umfassend und gründlich. Im übrigen sollte man die Grundausbildung aber nicht mit dem Sozialkundeunterricht verwechseln. Für so viel, wie Du hier aufführst, ist da schlicht die Zeit nicht.
Ja, das war natürlich ein bisschen viel auf einmal.
Aber da Sozialkunde an den Schulen ja scheinbar eh nicht mehr gelehrt wird und scheinbar selbst Angehörige von Parteien, die im Parlament sitzen, nicht mehr so richtig durchblicken, jedenfalls in Aachen ...
hatte ich halt die Hoffnung;-)
Imrahil (Gast) - 20. Mai, 14:30
Die Anfrage wäre allerdings nicht aussichtsreich, eben weil es ja den Art. 17a gibt.
Und es ist auch ein bißchen zu kurz greifend, wenigstens in der Theorie (in der Praxis... tja), einfach "das ist in allen Berufen so" zu sagen. (Jeder Arbeitnehmerberuf und jeder Beruf des christlichen Selbständigen ist ein dienender Beruf.) Die religiösen Berufe sowie die Soldaten sollten solche von besonderer Verpflichtung sein, die normalen Berufe (zu denen aber der Unternehmensvorstandsvorsitzende gehören sollte) sollten normale Berufe sein, in denen man ganz gemütlich, wenn auch fleißig vor sich hinarbeiten kann, und dann gibt es ein paar je situationsbezogene Mitteldinge (etwa die Pflichten eines Beamten, eines Arztes gegenüber einer lebensbedrohlichen Situation, usw.). Ja mei.
Zurück zum Thema: Wenn Ausgrenzung und Diskursverweigerung noch dazu gegenüber einer grundgesetzlich verankerten Institution in einem demokratischen Staat von CHRISTEN mit einem Preis geehrt wird, kann ich nach wie vor leider keine Jesusnachfolge erkennen. Höchstenfalls ein Problem von bestimmten Christen mit unserem Grundgesetz.
Ausgrenzung, Intoleranz und Diskursverweigerung sind keine jesuanischen Tugenden. Erst recht keine demokratischen.
Il capitano - 20. Mai, 14:40
Nachtrag:
Ein Soldat der Bundeswehr schwört bzw. gelobt, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen."
Nicht mehr und nicht weniger. Die Formel enthält, anders als in anderen Armeen inkl. Schweizergarde, keine einige Silbe betreffend des Aufgebens von Leben und Unversehrtheit.
Imrahil (Gast) - 20. Mai, 15:02
Mir wurde aber gesagt, daß das im Wörtchen "tapfer" enthalten sei, von der Natur der Sache einmal abgesehen.
Il capitano - 20. Mai, 15:09
Wenn das gesagt wurde, ist es falsch. Es gibt keine Pflicht zum befehlsmäßigen Verzicht auf das eigene Leben. Die Natur der Sache ist hingegen eine andere. Eine bewusste Aufgabe des Grundrechts auf Leben verlangt allerdings niemand. Sonst könnte jeder Vorgesetze seine Unterstellten einfach erschießen, denn Letzterer hat ja angeblich sein Recht aufgegeben. Und das ist nun mal Unsinn.
Übrigens gilt auch für verbeamtete Lehrer eine Gehorsamspflicht. Und für militärische Vorgesetzte eine Fürsorgepflicht.
Hömma, hättest du nicht Lust einen maßgeschneiderten NACHFRAGE-Brief an die SPD sowie die Grünen zu schreiben? Kurz und knackig?
Kopie an die Aachener SPD, an den Bundesvorstand, deinen SPDLer vor Ort usw.?
Den Text freigeben zur Übernahme für andere Leser hier oder bei dir.
Sachliche Argumentation ist ja nuneinmal deine Stärke.
Il capitano - 20. Mai, 15:23
In welcher Eigenschaft sollte ich denn nachfragen? Als neugieriger Bürger? ;-)
Als mündiger, politisch interessierter Bürger? Macht man das nicht so bei unseren Parteien? ;-)
Il capitano - 20. Mai, 15:37
@Elsa
Mal sehen, vielleicht morgen oder am Donnerstag. Ist ja noch Zeit bis zur Preisverleihung ;-)
Die Argumentation ist eigentlich einfach. Das Grundgesetz regelt das Verhältnis zwischen Staat und Bürger. Der Staat gewährt Grundrechte, die unveräußerlich sind. Das Aufgeben eines Grundrechts durch den Bürger (bspw. lieber Hinrichtung als lebenslang Knast) ist für den Staat nicht rechtswirksam. Er kann und darf ein 'Opfer' eines Bürgers nicht annehmen.
Natürlich gehe ich als Soldat im Einsatz das Risiko ein, verwundet oder getötet zu werden. Dies wird aber zumindest in der BRD nicht gesetzlich verlangt und auch nicht befohlen. Es wäre auch rechtlich unmöglich. Denn da die Grundrechte eines Bürgers von dessen Staat gewährt werden - und nicht von einem Drittstaat - hätte lediglich der deutsche Staat das Recht auf das Verwunden und Töten deutscher Soldaten - die zuvor ihr Einverständnis erklären müssten, was aber wiederum für den Staat rechtsunwirksam wäre ... ;-)
Die Behauptungen des Friedenspreis-Gremiums klingen allerdings einfacher ;-)
Nein, Scherz beiseite. Sollte eigentlich jedem einleuchten, was du sagst.
Unbedingt einbauen, falls du einen Brief verfassen solltest...
Il capitano - 20. Mai, 15:46
@Elsa
Gut, dann der Argumentation des Gremiums gefolgt:
Als Reserveoffizier, den man nach Mali schickt (mal angenommen), könnte ich einem Soldaten, den ich nicht leiden kann, befehlen, zu Ansar Dine zu gehen und sich erschießen zu lassen. Einfach so. Ich vertrete schließlich den Staat und mein Unterstellter hat auf sein Recht auf Leben verzichtet. Oder ich lasse Verwundete einfach liegen, weil sie ja auf ihre körperliche Unversehrtheit verzichtet haben.
Das dürfte ich aber nicht mal dann tun, wenn meine Soldaten einverstanden wären - schon wegen der Fürsorgepflicht ... ;-)
Fidelis (Gast) - 20. Mai, 17:04
@Elsa
"Ja, das ist natürlich sehr schlimm. Aber es ist eben nicht die NATO oder die UN, sondern das DEUTSCHE PARLAMENT, das letztlich das Mandat erteilt. "
Ja, aber das ändert doch nichts an dem was ich geschrieben habe. Die Bundeswehr ist schon lange keine Verteidigungsarmee mehr, sondern wird inzwischen ausdrücklich von einer Verteidigungs- zu einer Interventionsarmee umgebaut.
Also bitte seien wir doch ehrlich in der Diskussion. Lassen wir das Gerede davon, dass die Bundeswehr uns vor Feinden schützt, die unsere Bevölkerung massakrieren, vergewaltigen und ausrauben wollen.
Das ist doch einfach nur Propaganda.
Il capitano - 20. Mai, 17:14
Als Angehörige einer Weltkirche sehen wir eben nicht nur UNSERE Bevölkerung, die es vor Massakern und Massenvergewaltigung zu schützen gilt. Vielleicht ist das der Unterschied?
Liest du eigentlich meine Beiträge? Ich hatte doch geschrieben, dass anderweitige Einsätze wiederum eine andere Baustelle sind in meinen Erklärungen, warum ein Staat eine Armee braucht, um sein Territorium zu schützen. Ich schrieb sogar, dass es mittlerweile in Europa relativ überflüssig geworden scheint, was sich übrigens ganz schnell wieder ändern kann - il capitano referierte über die relativ schwache Schlagkraft im Vergleich zu Frankreichs Armee.
So.
Was ich immer noch nicht verstehe ist, wie man einfach aus Prinzip gegen eine militärische Intervention sein kann. Ich finde, das ist ein diffiziles Feld und man kann nicht einfach herumblöken "Nie wieder Auschwitz" und dann sagen, nö, aber wir gehen nicht in den Balkan rein, wo es kz-artige Lager gab und Völkermord-ähnliche Zustände. Und selbst da hat man sich die Entscheidung NICHT leicht gemacht, zu lange zugeschaut (für meinen Geschmack) , lange diskutiert, debattiert und sich überlegt, ob das wirklich vertretbar sein könnte - was ich wiederum sehr richtig finde, weil es eben keine einfache Entscheidung IST.
Jetzt bitte nicht wieder Afghanistan, der Einsatz ist umstritten und ich bin auch nicht wirklich glücklich damit. Vermutlich ist überhaupt gar niemand über einen Auslandseinsatz der BW wirklich glücklich. Aber man muss doch auch einmal sehen, was geleistet wird! Da werden nicht einfach rambomäßig Leute niedergemetzelt, sondern da werden Minensuchhunde und ihre Führer eingesetzt, Waffenlager von Milizen und Terroristen aufgespürt und gehoben, es wird eine Polizei ausgebildet oder auch eine Landesarmee um dem Drittstaat, wie in Mali etwa, erstmal sowas wie eine innere Sicherheit wieder aufbauen zu können, ohne die nun mal gar nichts zu bewirken ist, schon gar nicht der Wieder-Aufbau einer soliden Infrastruktur. Verkehr, medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Wasser.
Oder der Einsatz vor Somalia - Piraten abwehren, die die Sicherheit der Seefahrt dort massiv gefährden. Auf die Somalia wohl auch angewiesen ist.
Ich weiß nicht, was daran eigentlich so schwer zu erkennen ist, ich verstehe es nicht. Das ist die Sachlage, das sind die Fakten.
Wer stabilen Frieden möchte, braucht nun mal innere Sicherheit. Auch du wirst das erkennen, wenn das mal irgendwann in Deutschland nicht mehr der Fall sein sollte. (Bzw. könnte man ergänzen: Was glaubst du eigentlich, warum es in Europa so friedlich geworden ist? Weil keine Schwarzhemden mehr die Menschen auf der Straße terrorisieren und auch keine roten Brigaden mehr unterwegs sind - siehe Weimarer Republik. Auch wenn der IST-Zustand derzeit in D noch Potential hätte angesichts der widerwärtigen Übergriffe von Banden usw.)
Diese innere Sicherheit ist - vgl. Mali - manchmal leider eben nur mithilfe von Militär und/oder Polizei durchzusetzen und zu garantieren (ohne dass das natürlich nachher in sein Gegenteil - eine Militärdiktatur - umschlägt. Was bei der BW allerdings nicht der Fall ist.)
Dazu braucht es überhaupt kein Vorstellungsvermögen, das sind einfache Tatsachen.
Siehe die Situation nach dem Erdbeben in Haiti.
PS: Und jetzt bitte nicht wieder Saudi-Arabien, ja?? Es geht hier um Länder, die sich im Bürgerkrieg befinden bzw. in denen dramatische Massaker und widerwärtige Terroranschläge stattfinden.
So furchtbar ich die Menschenrechtslage in S-A auch finde, es herrscht weder Bürgerkrieg noch Terror oder der Ausnahmezustand. Auch das müsste mal differenziert erkannt werden können, oder?
Aber ja, es ist dem Weltfrieden freilichst superdienlich, wenn deutsche Schulen die Bundeswehr nicht mehr einladen .... Tell the good news Al-Nusra ...Sorry.
Imrahil (Gast) - 20. Mai, 18:08
Das Argument "Einsatz A ist schlecht, weil wir in Einsatz B gehen müßten" ist schlicht kein Argument.
Man geht in einen Einsatz, weil er a) zu rechtfertigen ist und gleichzeitig b) man aus verschiedenen Gründen unter möglichst umfassender Abwägung - es geht hier immer über Inkaufnahme von Übeln - das für insgesamt am zweckmäßigsten hält. Auf die Gefahr der Provokation: es ist nicht verwerflich, sondern verantwortungsvolle Politik, wenn unter b (nicht a!) auch der wirtschaftliche Vorteil des eigenen Landes eine Rolle spielt!
In beiden Fällen können natürlich Irrtümer sowie Böswilligkeit (wobei letzteres unter b schwer vorzustellen ist, also daß einer das eigene Land bewußt und mit Absicht ins Übel hineinreitet) vorkommen. Allerdings interessieren mich als Bürger mit begrenztem Sachverstand Irrtümer unter b nicht. Wofür gibt es denn Auswärtige Ämter und Generalstäbe.
Wo freilich jeder Mensch eine gewisse Beurteilungsmöglichkeit hat, ist die allgemeine Moral. (Also, a, ob das zu rechtfertigen ist, objektiv und subjektiv, und ob entgegen Erwartungen einer bewußt das eigener Ansicht nach Unzweckmäßige täte.)
Und wenn zwei humanitäre Interventionen angezeigt sind (ich lasse, weil es hierum nicht geht, die Frage weg, wie man das feststellt), und zwar in Land A und in Land B, und wir sind in Land A, dann heißt das nicht, daß wir in Land B gehen müssen, *selbst wenn* diese völlig gleichermaßen angezeigt ist sind... vor allem angesichts einer begrenzten Truppenstärke.
Fidelis (Gast) - 20. Mai, 18:31
@Il Capitano
Also was schwebtdir dann vor? Die Bundeswehr als Teil einer "Weltpolizei", die sich überall in innere Angelegenheiten fremder Nationen einmischt?
@Elsa
Sorry, aber nur um das nochmal klarzustellen:
In Afghanistan herrschte sehr lange Bürgerkrieg. Seit der Machtübernahme der Taliban über weite Teile des Landes, herrschte erstmals seit Jahrzehnten mal wieder sowas wie eine öffentliche Ordnung und kein Bürgerkrieg mehr.
Als die Nato 2001 in Afghanistan einmarschierte, herrschte dort KEIN Bürgerkrieg. Man ist NICHT dort einmarschiert um einen Bürgerkrieg zu befrieden, sondern um die Regierung, die uns nicht passte, mit militärischer Gewalt abzusetzen und eine neue Regierung zu installieren, die in unserem Sinn war.
Und erst DURCH diesen Einmarsch der Nato ist in Afghanistan wieder Krieg ausgebrochen.
Bitte nicht die Tatsachen verdrehen.
Imrahil (Gast) - 20. Mai, 18:44
Die Nordallianz, die 2001 Nato-Unterstützung bekam, hat immer über einen Bruchteil des afghanischen Bodens geherrscht... Ich weiß nicht genau wie viel, ein Sechstel? ein Zehntel? jedenfalls nicht nichts. Und so ein Zustand ist ein bißchen ein anderer als, was sich unsereiner unter "kein Bürgerkrieg" vorstellt. Bitte nicht die Tatsachen verdrehen.
Auch hat die in Taliban-Gebiet residierende El-Kaida, deren Auslieferung die Taliban verweigert haben, die USA feindlich angegriffen. Es sollte ein bißchen nicht ganz vergessen werden, daß das der Auslöser war.
[*Ein ganz ähnliches Verlangen Österreich-Ungarns war Auslöser des Ersten Weltkrieges.]
Fidelis (Gast) - 20. Mai, 18:49
Die Nordallianz beherrschte ein recht kleines Gebiet im Norden, ja. Aber dennoch war Afghanistan 2001 zum aller grössten Teilen befriedet, nach Jahrzehnten des Krieges.
Also bitte nicht so tun, als herrschte 2001 in Afghanistan ein schrecklicher Bürgerkrieg, in den man aus humanitären Grünen interventieren müsste. Das wäre gelogen.
Übrigens:
Die Taliban waren bereit Bin Laden entweder nach islamischem Recht selbst zu verurteilen oder ihn an ein befreundetes Drittland abzuschieben. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die USA ihnen Beweise dafür liefern, dass er an den Terroranschlägen beteiligt war.
Die Taliban haben sogar am 11. September die Anschläge öffentlich verurteilt.
Il capitano - 20. Mai, 19:09
@Fidelis
Nein, ich wünsche mir eine riesige Verteigungsarmee mit 600.000 Soldaten und 10.000 Panzern, die dazu eingesetzt wird, bei Krisen und Konflikten zuzuschauen. Gäbe es eine "Weltpolizei", könnte man sie einsetzen und wir müssten hier nicht jede Woche dreimal die gleiche Diskussion führen, in der du die Taliban zu einer Art 'Nationalen Befreiungsfront Afghanistans' erklärst. Niemand will die haben, aber man fürchtet sie wegen ihrer Unbarmherzigkeit. Du betrachtest diese Angst sicherlich als Zustimmung der Afghanen, hm?
Wenn du die Taliban als Regierung ansiehst, ist es dein Problem. Wenn du die bürgerkriegsähnliche Situation in Afghanistan und Teilen Pakistans nicht siehst, ist es vor allem das Problem der dortigen Bevölkerungen und zuletzt auch der Weltgemeinschaft, die nicht nur aus dem Grund des gemütlichen Kaffeekränzchens organisiert ist. Außerdem geht es nicht nur um die Person Bin Laden, sondern um die Verbidung zwischen Al-Qaida und den Taliban.
Deiner Argumentation hätten 1944/45 die Alliierten auch an den deutschen Grenzen stehen bleiben können, denn alles andere wäre nach deiner Lesart ein rein deutsches Problem, das der restlichen Welt nichts angeht. Nur gut, dass man es damals anders sah.
Du, beschwer dich halt einfach bei den Politikern, die das AFG-Mandat beschlossen haben. Erklär IHNEN doch mal den "wahren" Sachverhalt?
Ich sehe ehrlich gesagt nicht ein, wieso wir hier jedesmal bei AFG enden müssen, wo es doch eigentlich um den Aachener Friedenspreis ging.
Wobei mir deine Anmerkungen dazu weiter oben lediglich gezeigt haben, dass du bei so einer Info-Veranstaltung mit Diskussionsrunde an einer Schule mit einem BW-Vertreter noch nie dabei warst.
Ich aber schon. Mag ja sein, dass sie jetzt mit Rambo-Filmchen hausieren gehen - allerdings glaube ich das NICHT.
Und wer zur BW geht, weil er zuviel Rambo geschaut hat, ist eh total fehl am Platze.
2. Menschen zu schützen ist keine Sünde.
Auweh! Was müssen Sie nur tagtäglich erleiden...
@clamormeus
Die letzte Armee, die dafür kämpfte unsere Bevölkerung davor zu schützen, war die Wehrmacht. Mein Opa ist damals als sehr junger Mann in den Krieg gezogen, um seine Mutter, Oma, Schwestern etc. vor den anstürmenden Russen zu verteidigen.
Komischerweise gibt es keine Armee, die so kollektiv mit Dreck überhäuft und geschmäht wird, wie die Soldaten der Wehrmacht.
Die gleichen Leute, die meinen Opa in den Dreck ziehen, feiern heute die Bundeswehr ab. Obwohl die Bundeswehr noch nie irgendeinen Kampfeinsatz für die Verteidigung unserer Bevölkerung durchgeführt hat.
Und das soll sie wohl auch in Zukunft nicht. Die Bundeswehr wird ja jetzt nochmal drastisch verkleinert.
@fidelis
Die Wehrmacht wurde nach meinem Wahrnehmen nicht in den Schmutz gezogen, sondern ist relativ "sauber" aus der Geschichte rausgekommen (relativ meint nicht, dass in der Wehrmacht manchmal nicht auch rumges... wurde) , anders als die richtig üblen Divisionen (SS? SA?), die äußerst ideologisch motiviert waren, und nicht einfach "nur" ihren Pflicht-Dienst ableisteten.
Natürlich greift uns momentan grad keiner an. Allerdings kann sich das schnell ändern. Und bei Flutkatastrophen etc. ist die binnenlandhilfe der BW ja auch immer gerne gesehen.
Es ist aber eine ziemlich normale realistische Binsenweisheit, dass man, wenn man ein TERRITORIUM innehalten will als Staat, dieses auch verteidigen können muss, selbst wenn man damit nicht glücklich ist oder sogar gerade das Glück hat, dass man sich damit mitten im derzeit friedlichen Europa befindet.
(Anderweitige Einsätze sind wieder anderes Gelände - andere Baustelle)
Insofern kann sich kein einziger Staat der Welt, der ein Territorium besitzt, KEINE Verteidigungsarmee leisten - nicht mal der Vatikan mit seinen paar Hektar.
Ist halt so.
@Fidelis
Immerhin bin ich der Sohn und Neffe von Wehrmachtssoldaten, der es auch nicht gut findet, seine Verwandten regelmäßig pauschal in den Dreck getreten zu sehen.
Nur hilft das - fürchte ich - bei unserer Debatte nicht weiter. Trotzdem können wir darüber reden. Warum auch nicht?
Die Bundeswehr ist weder das THW noch das DRK, sie besteht vielmehr aus Soldaten, deren Grundausbildung eben effektives Töten nahebringt - das ist der Sinn einer Armee.
Natürlich darf man andere beschützen, das Tötungsverbot gilt aber immer.
@R. Ops
@Ralf
b) Schauen Sie doch ruhig mal in der Bibel nach und fangen Sie direkt beim Hl. Johannes dem Täufer an, aber dann ruhig weiterblättern zu Jesus, wie Johannes und Jesus dort mit den römischen Soldaten umgegangen sind.
Die römische Armee war jetzt nicht gerade das, was man eine ausgesprochene Verteidigungsarmee nennen konnte ...im Gegensatz zur Bundeswehr etwa.
Ich suche Ihnen auch gerne die Stellen heraus, wenn es Ihnen zu mühsam ist.
/hint: Er hat sie nicht zum Deibel gejagt und auch nicht verurteilt und schon gar nicht als Mörder bezeichnet/
@Elsa
Aber ist das heute überhaupt noch Aufgabe der Bundeswehr?
Die Bundeswehr ist doch schon sehr klein und wird mit der Bundeswehrreform noch weiter verkleinert.
Wenn wir wirklich von einem anderen Staat militärisch angegriffen würden, weiss ich nicht, ob so eine Mini-Armee wie die Bundeswehr uns ernsthaft verteidigen könnte.
Die Bundeswehr wird gerade komplett umgebaut, von einer ehemaligen Verteidigungsarmee in eine kleine, spezialisierte Interventionsarmee, die überall in der Welt im Auftrag der Nato oder der UN, sich in die Angelegenheiten fremder Nationen einmischt.
@fidelis
Ja, das ist natürlich sehr schlimm. Aber es ist eben nicht die NATO oder die UN, sondern das DEUTSCHE PARLAMENT, das letztlich das Mandat erteilt.
Zum einen.
Zum anderen: Witzig. Warst du es nicht, der sich die letzten Monate jedesmal, wenn es zum Thema kam, über Saudi-Arabien echauffiert hattest und wieso da niemand eingreift? :-))))
Mit den ständigen Reformen wird die Struktur den Aufgaben angepasst, was letztlich zum Abbau der Massenarmee geführt hat. Dennoch erfüllt die Struktur weder die Anforderungen der Landesverteidigung noch die einer Expeditionsarmee. Betrachtet man das für die Schlagkraft einer Streitmacht ausschlaggebende Verhältnis zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten, so stellt sich die Bundeswehr mit 1 zu 35 als vierfach weniger schlagkräftig dar als die französische Armee mit einem Verhältnis von 1 zu 9 (europäischer Bestwert).
Geeignet zur herkömmlichen Verteidigung ist lediglich eine der drei Bundeswehrdivisionen, die im Kriegsfall einen Frontabschnitt von etwa 12 bis 15 km verteidigen könnte. Dafür könnte sich der Rückwärtige Raum bis Portugal in die Tiefe staffeln. Reden wir nicht darüber, sonst könnte man Angst bekommen ;-)
Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass auch andere Staaten ihre aktiven Truppen auf ein Mindestmaß reduziert haben. Deutschland folgt damit lediglich der allgemeinen Entwicklung. Allerdings nur zahlenmäßig, nicht strukturell. Das Kommando Spezialkräfte bspw. ist seit seiner Gründung mit halber Planstärke unterwegs. Warum eigentlich?
Da sind wir wieder bei unseren Debatten. Weil u.a. kaum noch ein zum Soldaten geeigneter Mensch sich der ständigen Anklage als ›Mörder‹ oder ›Besatzer‹ oder ›Wirtschaftskrieger‹ aussetzen möchte. Das ist natürlich nicht der einzige Grund, aber das Ansehen einer Armee im eigenen Land und bei der eigenen Bevölkerung spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entscheidung Soldat zu werden - oder es besser zu lassen.
@il capitano
Ich müsste das genau wissen, ich hätte nämlich eventuell noch Lust, wegen der Frechheit der Aussage, dass der Soldatenberuf kein normaler Beruf sei (das ist er auch nicht, aber die Folgesätze waren einfach nur unwahr: Soldatinnen und Soldaten verzichten mit ihrem Eintritt in die Armee auf wesentliche Grundrechte, wie auf das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit und Leben. Die freie Meinungs- und Willensbildung wird beschränkt, Gehorsamsverweigerung wird bestraft.“) eine Anfrage an die SPD auf Bundesebene zu stellen, ebenso wie an die Grünen und evtl. die Linken noch.
Vielleicht frage ich ja gleich noch beim Bundesverfassungsgericht an, wie es eigentlich sein kann, dass eine grundgesetzlich verankerte Institution gegen wesentliche Grundrechte verstößt? *lol
@Elsa
http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Bildung#Politische_Bildung_in_der_deutschen_Bundeswehr
@il capitano
Zitat aus dem obigen Link.
Aha. Dann kann man wohl sogar davon ausgehen, dass jeder Soldat über eine bessere politische Bildung verfügt als die Aachener SPD, die Aachener Grünen etc und die Aachener Katholiken?
Diesen Rückschluss muss ich aufgrund der Äußerungen des Gremiums ja leider ziehen ....
@Elsa
Hier kannst du dich detaillierter informieren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundeswehr#Innere_F.C3.BChrung
http://de.wikipedia.org/wiki/Innere_F%C3%BChrung
Zur Aussage: "Die freie Meinungs- und Willensbildung wird beschränkt."
Klar, wo nicht? Das ist in JEDEM Dienst- und Arbeitsrechtverhältnis so. Selbst - durch den Fraktionszwang - im Bundestag oder in anderen Parlamenten. Und in seiner Freizeit darf auch jeder Soldat labern war er will, abgesehen vom Ausplaudern dienstlicher Obliegenheiten.
Das ist nicht unwahr, sondern im jurisitschen Sinne durchaus richtig. Vgl. Soldatengesetz § 6. Einiges in der Rechtsstellung der Soldaten wäre in der Tat ohne den Art. 17a GG nicht verfassungsgemäß. Die Militärseelsorge macht ja auch "Werbung" damit, daß die Religionsfreiheit dasjenige Grundrecht ist, das überhaupt nicht eingeschränkt wird.
Insofern stimmt das, allerdings, sachlich schon.
@Imrahil
Dann stelle ich eben doch noch eine Anfrage an das BVerfg. :-)
Vielleicht ist das ja das Charakteristikum ALLER dienenden Berufe?
Wie stehts denn mit Polizisten? Feuerwehrleuten?
Werden die auch ausgesperrt, weil sie keine normalen Berufe haben und Leib und Leben für andere riskieren, die herumsitzen und wichtige Friedenspreise zu vergeben haben?
@Imrahil
Aber da Sozialkunde an den Schulen ja scheinbar eh nicht mehr gelehrt wird und scheinbar selbst Angehörige von Parteien, die im Parlament sitzen, nicht mehr so richtig durchblicken, jedenfalls in Aachen ...
hatte ich halt die Hoffnung;-)
Und es ist auch ein bißchen zu kurz greifend, wenigstens in der Theorie (in der Praxis... tja), einfach "das ist in allen Berufen so" zu sagen. (Jeder Arbeitnehmerberuf und jeder Beruf des christlichen Selbständigen ist ein dienender Beruf.) Die religiösen Berufe sowie die Soldaten sollten solche von besonderer Verpflichtung sein, die normalen Berufe (zu denen aber der Unternehmensvorstandsvorsitzende gehören sollte) sollten normale Berufe sein, in denen man ganz gemütlich, wenn auch fleißig vor sich hinarbeiten kann, und dann gibt es ein paar je situationsbezogene Mitteldinge (etwa die Pflichten eines Beamten, eines Arztes gegenüber einer lebensbedrohlichen Situation, usw.). Ja mei.
@Imrahil
Zurück zum Thema: Wenn Ausgrenzung und Diskursverweigerung noch dazu gegenüber einer grundgesetzlich verankerten Institution in einem demokratischen Staat von CHRISTEN mit einem Preis geehrt wird, kann ich nach wie vor leider keine Jesusnachfolge erkennen. Höchstenfalls ein Problem von bestimmten Christen mit unserem Grundgesetz.
Ausgrenzung, Intoleranz und Diskursverweigerung sind keine jesuanischen Tugenden. Erst recht keine demokratischen.
Ein Soldat der Bundeswehr schwört bzw. gelobt, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen."
Nicht mehr und nicht weniger. Die Formel enthält, anders als in anderen Armeen inkl. Schweizergarde, keine einige Silbe betreffend des Aufgebens von Leben und Unversehrtheit.
Übrigens gilt auch für verbeamtete Lehrer eine Gehorsamspflicht. Und für militärische Vorgesetzte eine Fürsorgepflicht.
@il capitano
Kopie an die Aachener SPD, an den Bundesvorstand, deinen SPDLer vor Ort usw.?
Den Text freigeben zur Übernahme für andere Leser hier oder bei dir.
Sachliche Argumentation ist ja nuneinmal deine Stärke.
@il capitano
@Elsa
Die Argumentation ist eigentlich einfach. Das Grundgesetz regelt das Verhältnis zwischen Staat und Bürger. Der Staat gewährt Grundrechte, die unveräußerlich sind. Das Aufgeben eines Grundrechts durch den Bürger (bspw. lieber Hinrichtung als lebenslang Knast) ist für den Staat nicht rechtswirksam. Er kann und darf ein 'Opfer' eines Bürgers nicht annehmen.
Natürlich gehe ich als Soldat im Einsatz das Risiko ein, verwundet oder getötet zu werden. Dies wird aber zumindest in der BRD nicht gesetzlich verlangt und auch nicht befohlen. Es wäre auch rechtlich unmöglich. Denn da die Grundrechte eines Bürgers von dessen Staat gewährt werden - und nicht von einem Drittstaat - hätte lediglich der deutsche Staat das Recht auf das Verwunden und Töten deutscher Soldaten - die zuvor ihr Einverständnis erklären müssten, was aber wiederum für den Staat rechtsunwirksam wäre ... ;-)
@il capitano
Nein, Scherz beiseite. Sollte eigentlich jedem einleuchten, was du sagst.
Unbedingt einbauen, falls du einen Brief verfassen solltest...
@Elsa
Als Reserveoffizier, den man nach Mali schickt (mal angenommen), könnte ich einem Soldaten, den ich nicht leiden kann, befehlen, zu Ansar Dine zu gehen und sich erschießen zu lassen. Einfach so. Ich vertrete schließlich den Staat und mein Unterstellter hat auf sein Recht auf Leben verzichtet. Oder ich lasse Verwundete einfach liegen, weil sie ja auf ihre körperliche Unversehrtheit verzichtet haben.
Das dürfte ich aber nicht mal dann tun, wenn meine Soldaten einverstanden wären - schon wegen der Fürsorgepflicht ... ;-)
@Elsa
Ja, aber das ändert doch nichts an dem was ich geschrieben habe. Die Bundeswehr ist schon lange keine Verteidigungsarmee mehr, sondern wird inzwischen ausdrücklich von einer Verteidigungs- zu einer Interventionsarmee umgebaut.
Also bitte seien wir doch ehrlich in der Diskussion. Lassen wir das Gerede davon, dass die Bundeswehr uns vor Feinden schützt, die unsere Bevölkerung massakrieren, vergewaltigen und ausrauben wollen.
Das ist doch einfach nur Propaganda.
@fidelis
So.
Was ich immer noch nicht verstehe ist, wie man einfach aus Prinzip gegen eine militärische Intervention sein kann. Ich finde, das ist ein diffiziles Feld und man kann nicht einfach herumblöken "Nie wieder Auschwitz" und dann sagen, nö, aber wir gehen nicht in den Balkan rein, wo es kz-artige Lager gab und Völkermord-ähnliche Zustände. Und selbst da hat man sich die Entscheidung NICHT leicht gemacht, zu lange zugeschaut (für meinen Geschmack) , lange diskutiert, debattiert und sich überlegt, ob das wirklich vertretbar sein könnte - was ich wiederum sehr richtig finde, weil es eben keine einfache Entscheidung IST.
Jetzt bitte nicht wieder Afghanistan, der Einsatz ist umstritten und ich bin auch nicht wirklich glücklich damit. Vermutlich ist überhaupt gar niemand über einen Auslandseinsatz der BW wirklich glücklich. Aber man muss doch auch einmal sehen, was geleistet wird! Da werden nicht einfach rambomäßig Leute niedergemetzelt, sondern da werden Minensuchhunde und ihre Führer eingesetzt, Waffenlager von Milizen und Terroristen aufgespürt und gehoben, es wird eine Polizei ausgebildet oder auch eine Landesarmee um dem Drittstaat, wie in Mali etwa, erstmal sowas wie eine innere Sicherheit wieder aufbauen zu können, ohne die nun mal gar nichts zu bewirken ist, schon gar nicht der Wieder-Aufbau einer soliden Infrastruktur. Verkehr, medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Wasser.
Oder der Einsatz vor Somalia - Piraten abwehren, die die Sicherheit der Seefahrt dort massiv gefährden. Auf die Somalia wohl auch angewiesen ist.
Ich weiß nicht, was daran eigentlich so schwer zu erkennen ist, ich verstehe es nicht. Das ist die Sachlage, das sind die Fakten.
Wer stabilen Frieden möchte, braucht nun mal innere Sicherheit. Auch du wirst das erkennen, wenn das mal irgendwann in Deutschland nicht mehr der Fall sein sollte. (Bzw. könnte man ergänzen: Was glaubst du eigentlich, warum es in Europa so friedlich geworden ist? Weil keine Schwarzhemden mehr die Menschen auf der Straße terrorisieren und auch keine roten Brigaden mehr unterwegs sind - siehe Weimarer Republik. Auch wenn der IST-Zustand derzeit in D noch Potential hätte angesichts der widerwärtigen Übergriffe von Banden usw.)
Diese innere Sicherheit ist - vgl. Mali - manchmal leider eben nur mithilfe von Militär und/oder Polizei durchzusetzen und zu garantieren (ohne dass das natürlich nachher in sein Gegenteil - eine Militärdiktatur - umschlägt. Was bei der BW allerdings nicht der Fall ist.)
Dazu braucht es überhaupt kein Vorstellungsvermögen, das sind einfache Tatsachen.
Siehe die Situation nach dem Erdbeben in Haiti.
PS: Und jetzt bitte nicht wieder Saudi-Arabien, ja?? Es geht hier um Länder, die sich im Bürgerkrieg befinden bzw. in denen dramatische Massaker und widerwärtige Terroranschläge stattfinden.
So furchtbar ich die Menschenrechtslage in S-A auch finde, es herrscht weder Bürgerkrieg noch Terror oder der Ausnahmezustand. Auch das müsste mal differenziert erkannt werden können, oder?
Aber ja, es ist dem Weltfrieden freilichst superdienlich, wenn deutsche Schulen die Bundeswehr nicht mehr einladen .... Tell the good news Al-Nusra ...Sorry.
Man geht in einen Einsatz, weil er a) zu rechtfertigen ist und gleichzeitig b) man aus verschiedenen Gründen unter möglichst umfassender Abwägung - es geht hier immer über Inkaufnahme von Übeln - das für insgesamt am zweckmäßigsten hält. Auf die Gefahr der Provokation: es ist nicht verwerflich, sondern verantwortungsvolle Politik, wenn unter b (nicht a!) auch der wirtschaftliche Vorteil des eigenen Landes eine Rolle spielt!
In beiden Fällen können natürlich Irrtümer sowie Böswilligkeit (wobei letzteres unter b schwer vorzustellen ist, also daß einer das eigene Land bewußt und mit Absicht ins Übel hineinreitet) vorkommen. Allerdings interessieren mich als Bürger mit begrenztem Sachverstand Irrtümer unter b nicht. Wofür gibt es denn Auswärtige Ämter und Generalstäbe.
Wo freilich jeder Mensch eine gewisse Beurteilungsmöglichkeit hat, ist die allgemeine Moral. (Also, a, ob das zu rechtfertigen ist, objektiv und subjektiv, und ob entgegen Erwartungen einer bewußt das eigener Ansicht nach Unzweckmäßige täte.)
Und wenn zwei humanitäre Interventionen angezeigt sind (ich lasse, weil es hierum nicht geht, die Frage weg, wie man das feststellt), und zwar in Land A und in Land B, und wir sind in Land A, dann heißt das nicht, daß wir in Land B gehen müssen, *selbst wenn* diese völlig gleichermaßen angezeigt ist sind... vor allem angesichts einer begrenzten Truppenstärke.
@Il Capitano
@Elsa
Sorry, aber nur um das nochmal klarzustellen:
In Afghanistan herrschte sehr lange Bürgerkrieg. Seit der Machtübernahme der Taliban über weite Teile des Landes, herrschte erstmals seit Jahrzehnten mal wieder sowas wie eine öffentliche Ordnung und kein Bürgerkrieg mehr.
Als die Nato 2001 in Afghanistan einmarschierte, herrschte dort KEIN Bürgerkrieg. Man ist NICHT dort einmarschiert um einen Bürgerkrieg zu befrieden, sondern um die Regierung, die uns nicht passte, mit militärischer Gewalt abzusetzen und eine neue Regierung zu installieren, die in unserem Sinn war.
Und erst DURCH diesen Einmarsch der Nato ist in Afghanistan wieder Krieg ausgebrochen.
Bitte nicht die Tatsachen verdrehen.
Auch hat die in Taliban-Gebiet residierende El-Kaida, deren Auslieferung die Taliban verweigert haben, die USA feindlich angegriffen. Es sollte ein bißchen nicht ganz vergessen werden, daß das der Auslöser war.
[*Ein ganz ähnliches Verlangen Österreich-Ungarns war Auslöser des Ersten Weltkrieges.]
Also bitte nicht so tun, als herrschte 2001 in Afghanistan ein schrecklicher Bürgerkrieg, in den man aus humanitären Grünen interventieren müsste. Das wäre gelogen.
Übrigens:
Die Taliban waren bereit Bin Laden entweder nach islamischem Recht selbst zu verurteilen oder ihn an ein befreundetes Drittland abzuschieben. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die USA ihnen Beweise dafür liefern, dass er an den Terroranschlägen beteiligt war.
Die Taliban haben sogar am 11. September die Anschläge öffentlich verurteilt.
@Fidelis
Wenn du die Taliban als Regierung ansiehst, ist es dein Problem. Wenn du die bürgerkriegsähnliche Situation in Afghanistan und Teilen Pakistans nicht siehst, ist es vor allem das Problem der dortigen Bevölkerungen und zuletzt auch der Weltgemeinschaft, die nicht nur aus dem Grund des gemütlichen Kaffeekränzchens organisiert ist. Außerdem geht es nicht nur um die Person Bin Laden, sondern um die Verbidung zwischen Al-Qaida und den Taliban.
Deiner Argumentation hätten 1944/45 die Alliierten auch an den deutschen Grenzen stehen bleiben können, denn alles andere wäre nach deiner Lesart ein rein deutsches Problem, das der restlichen Welt nichts angeht. Nur gut, dass man es damals anders sah.
@fidelis
Ich sehe ehrlich gesagt nicht ein, wieso wir hier jedesmal bei AFG enden müssen, wo es doch eigentlich um den Aachener Friedenspreis ging.
Wobei mir deine Anmerkungen dazu weiter oben lediglich gezeigt haben, dass du bei so einer Info-Veranstaltung mit Diskussionsrunde an einer Schule mit einem BW-Vertreter noch nie dabei warst.
Ich aber schon. Mag ja sein, dass sie jetzt mit Rambo-Filmchen hausieren gehen - allerdings glaube ich das NICHT.
Und wer zur BW geht, weil er zuviel Rambo geschaut hat, ist eh total fehl am Platze.