Ich habe noch mal über deine Aussage wegen Vietnam nachgedacht. Das ist bestimmt richtig so, wie du es schreibst ,und auch der Zusammenhang passt.
Dennoch ist das Phänomen doch mindestens schon aus den beiden Weltkriegen bekannt? Wer kennt nicht einen traumatisierten WK II-Veteranen - so er noch einen kennt - der über seine Erlebnisse nie sprach und sich total verschlossen hat davor? Deshalb wundert es mich eigentlich auch, dass die BW so lange gebraucht hat, um überhaupt sich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen: Es war doch aus mindestens zwei Weltkriegen bereits bekannt.
Die deutschen Streitkräfte im WK II umfassten während der größten Ausdehnung inklusive dem sogenannten 'Gefolge' bis zu zehn Millionen Leute bei einer Bevölkerung von etwa 70 Millionen. Zahllose Zivilisten haben die Bombardierung und Zerstörung ihrer Städte miterlebt. In Beachtung dieser Relationen war die Anzahl traumatisierter Menschen weit wesentlich geringer als bei den Heimkehrern der Bundeswehr (zwischen fünf und zehn Prozent, wobei auch nur diese Prozentzahl überhaupt außerhalb von Feldlagern agiert). Ich habe mit meinem Vater oft über seine Erlebnisse im Krieg gesprochen und hatte nie den Eindruck, er wäre traumatisiert, meine Onkel ebenso wenig.
Ich denke, das Problem PTBS war eben nicht bekannt, weil es sehr selten zutage trat. Jeder hat nach den Weltkriegen seine Erlebnisse selbst verarbeitet. Eingetreten ist bei den meisten Menschen, die die Weltkriege erlebt haben, weniger ein Trauma oder ein Posttrauma, sondern eine gewisse Härte oder Abstumpfung. Das ist in der Folge langer Kriege nicht selten und weitaus häufiger anzutreffen als PTBS. Hinzu kommt, dass Krieg und Bombenhagel eben gemeinsames Erleben einer ganzen Nation war und nicht eine Belastung weniger Menschen. In dieser 'Schicksalsgemeinschaft' musste niemand um Verständnis und Respekt buhlen, weil es für die meisten Leute selbstverständlich war, Schreckliches erlebt zu haben und zu wissen, dass es anderen ebenso erging.
Okay, danke für deine Einschätzung. (Allerdings gab es zu der Zeit auch weniger Psychologen, oder drücken wir es positiv aus: Die Sensibilisierung für das Problem war wohl nicht allzu hoch.)
Mal ganz platt gesagt: Spielt es vielleicht auch eine Rolle, dass wir uns "auf keinen Fall" in einem offiziellen "Krieg" befinden dürfen, weil sonst das Wahlvolk murrt? Man also irgendwie das ganze politisch schön reden muss? Wenn ich mich recht entsinne, gab es sogar eine Zeit lang mal die Weigerung, von einem Gefallenen in Afghanistan überhaupt als Gefallenen zu reden? Entsinne ich mich da richtig?
Das kann man aber auch umdrehen: Je mehr Psychologen, desto mehr angebliche oder tatsächliche Störungen, weil mittlerweile eben jede noch so kleine 'Normabweichung' einer Therapie bedarf und nebenbei eine Übersensibilisierung an der falschen Stelle künstlich erzeugt wird ... ;-)
Den Begriff 'Gefallene' vermeidet man noch immer weitestgehend. Das ist dahingehend verständlich, weil ein großer Teil der in den Einsätzen umgekommenen Soldaten nicht durch Feindberührung starb. Natürlich ist man als Soldat nicht besonders froh damit, in einen Krieg geschickt zu werden, den Politik und Gesellschaft als solchen nicht anerkennen. Ob das aber noch mit dem Thema PTBS zu tun hat, wage ich zu bezweifeln. Denn die Auslöser sind eben bestimmte Ereignisse, nicht allgemeine Einstufungen in der Terminologie. Niemand erleidet ein Trauma, nur weil bspw. der AFG-Einsatz als Polizeimission gewertet wird, oder als Aufbauhilfe, die ja in der Tat eine der Aufgaben der ISAF war und ist.
Eher ist es umgekehrt, nämlich die schlagartig eintretende Einsicht, dass man nicht Wiederaufbau leistet, sondern im Krieg ist. Das ist eben eine Sache der Einsatzvorbereitung. Was du da ansprichst fällt eher unter den Begriff 'Demoralisierung' und 'Irrtumserkennung'. Das kann allerdings begünstigend statt auslösend wirksam werden.
Ja und nochmals danke! Das darf bestimmt nicht aus dem Fokus rücken, dass das ja konkrete, sehr grässliche Vorfälle sind, die als Auslöser fungieren. Ein Faktor ist auch die Zeit, die man hat, um diese Dinge zu verarbeiten, wie den Tod eines Kameraden. Ob man Kommunikation und Gespräch dazu sucht, oder ob man versucht, das mit sich alleine auszumachen (wobei ich das nicht negativ bewerte, das kann für einige hilfreicher sein als so manches endlose Gespräch.)
Mich hat gerade die Nachricht meines WK II-Veterans erreicht, ich hatte ihm die Frage gestellt "Wie kommt man aus so einer Hölle nicht nur lebend, sondern auch mit halbwegs heiler Seele wieder heraus?"
Nun sitze ich da und blicke auf die in zittriger Schrift hingeschriebenen Worte (man hat sie mir eingescannt und zugemailt), und weiß, dass ich diesen Artikel schreiben muss. Wie, weiß ich noch nicht, das Thema ist so furchtbar komplex und traurig ....
Die Worte meines Großonkels sind - ganz schlicht und wahr.
@Taras
Dennoch ist das Phänomen doch mindestens schon aus den beiden Weltkriegen bekannt? Wer kennt nicht einen traumatisierten WK II-Veteranen - so er noch einen kennt - der über seine Erlebnisse nie sprach und sich total verschlossen hat davor? Deshalb wundert es mich eigentlich auch, dass die BW so lange gebraucht hat, um überhaupt sich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen: Es war doch aus mindestens zwei Weltkriegen bereits bekannt.
@Elsa
Ich denke, das Problem PTBS war eben nicht bekannt, weil es sehr selten zutage trat. Jeder hat nach den Weltkriegen seine Erlebnisse selbst verarbeitet. Eingetreten ist bei den meisten Menschen, die die Weltkriege erlebt haben, weniger ein Trauma oder ein Posttrauma, sondern eine gewisse Härte oder Abstumpfung. Das ist in der Folge langer Kriege nicht selten und weitaus häufiger anzutreffen als PTBS. Hinzu kommt, dass Krieg und Bombenhagel eben gemeinsames Erleben einer ganzen Nation war und nicht eine Belastung weniger Menschen. In dieser 'Schicksalsgemeinschaft' musste niemand um Verständnis und Respekt buhlen, weil es für die meisten Leute selbstverständlich war, Schreckliches erlebt zu haben und zu wissen, dass es anderen ebenso erging.
@Taras
Mal ganz platt gesagt: Spielt es vielleicht auch eine Rolle, dass wir uns "auf keinen Fall" in einem offiziellen "Krieg" befinden dürfen, weil sonst das Wahlvolk murrt? Man also irgendwie das ganze politisch schön reden muss? Wenn ich mich recht entsinne, gab es sogar eine Zeit lang mal die Weigerung, von einem Gefallenen in Afghanistan überhaupt als Gefallenen zu reden? Entsinne ich mich da richtig?
@Elsa
Den Begriff 'Gefallene' vermeidet man noch immer weitestgehend. Das ist dahingehend verständlich, weil ein großer Teil der in den Einsätzen umgekommenen Soldaten nicht durch Feindberührung starb. Natürlich ist man als Soldat nicht besonders froh damit, in einen Krieg geschickt zu werden, den Politik und Gesellschaft als solchen nicht anerkennen. Ob das aber noch mit dem Thema PTBS zu tun hat, wage ich zu bezweifeln. Denn die Auslöser sind eben bestimmte Ereignisse, nicht allgemeine Einstufungen in der Terminologie. Niemand erleidet ein Trauma, nur weil bspw. der AFG-Einsatz als Polizeimission gewertet wird, oder als Aufbauhilfe, die ja in der Tat eine der Aufgaben der ISAF war und ist.
Eher ist es umgekehrt, nämlich die schlagartig eintretende Einsicht, dass man nicht Wiederaufbau leistet, sondern im Krieg ist. Das ist eben eine Sache der Einsatzvorbereitung. Was du da ansprichst fällt eher unter den Begriff 'Demoralisierung' und 'Irrtumserkennung'. Das kann allerdings begünstigend statt auslösend wirksam werden.
@Taras
Mich hat gerade die Nachricht meines WK II-Veterans erreicht, ich hatte ihm die Frage gestellt "Wie kommt man aus so einer Hölle nicht nur lebend, sondern auch mit halbwegs heiler Seele wieder heraus?"
Nun sitze ich da und blicke auf die in zittriger Schrift hingeschriebenen Worte (man hat sie mir eingescannt und zugemailt), und weiß, dass ich diesen Artikel schreiben muss. Wie, weiß ich noch nicht, das Thema ist so furchtbar komplex und traurig ....
Die Worte meines Großonkels sind - ganz schlicht und wahr.
@Elsa
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