mittlerweile möglich, solche gedanken zu äußern.
vor wenigen jahren war "das konzil" noch ein mythos, dem niemand zu nahe treten durfte, der in der kirche nicht den sozialen tod sterben wollte.
dem artikel stimme ich zu, dennoch hinterlässt diese analyse eine gewisse ratlosigkeit. was soll nun geschehen? der papst wird auch wissen, dass die bischöfe ihm nicht folgen werden, wenn er es wagt, bestimmte konzilsaussagen autoritativ auszulegen. das hat schon der versuch von "dominus jesus" (2000) gezeigt, als man das kirchenverständnis des Vat II für eine hermeneutik der kontinuität retten wollte.
selbst bischöfe sagten damals, dieses dokument sei ein "betriebsunfall" gewesen.
gehört es zu den Huldigungen auf dem Altar des Zeitgeistes durch einen großen Teil der Priester, römische Äußerungen reflexhaft zu ignorieren oder zu verunglimpfen. In den frühen Neunzigern habe ich mich unbeliebt gemacht, da ich doch tatsächlich die Frechheit besaß die Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium zu lesen, und im Gespräch mit Kaplänen auf Quellenangaben zu bestehen, wenn die üblichen urban legends des Zweiten Vatikanischen Konzils vor mir ausgebreitet wurden:
- DAS KONZIL hat das Latein abgeschafft
- DAS KONZIL hat die Zelebration AZV abgeschafft (AZV = bestimmtes Körperteil zum Volk, nein nicht der Rücken ist gemeint)
- DAS KONZIL hat beschlossen, der Priester ist verantwortlicher Redaktor der Messe, er kann nach "pastoralem Nutzen" die Texte ändern, weglassen oder hinzufügen
Ich hatte damit ein innerkirchliches Verbrechen begannen, denn ich stellte die Interpretation DES KONZILS durch einen studierten Theologen in Frage. Zuvor hatte ich zwei weitere Verbrechen begannen, nämlich durch das Lesen eines alten Schotts und P. Jungmanns Missarum Sollemnia (soweit ich es damals verstehen konnte) mir angeeignet, was vor DEM KONZIL war.
In meiner damals boshaften jugendlichen Natur (ich war 1990 18 geworden) habe ich die Kapläne und anderen Priester natürlich in die Falle gelockt, indem ich nicht gleich damit herausgeplatzt bin, daß ich in den Dokumenten DES KONZILS gelesen habe ohne pflichtschuldig die rahnersche Rezeption als einzig zu glaubende zu übernehmen. Ich konnte die erstaunliche Feststellung treffen, daß ich bis dato noch nie so systematisch von Priestern belogen worden war. Nachdem diese Priester vor dem aufgeschlagenen Dokument zugeben mußten, daß ihre urban legends nicht Bestandteil der Konzilsdokumente sind, gelang es den wendigeren unter ihnen (die anderen beendeten einfach Türe-schlagend die Diskussion) zu behaupten, daß Meßbuch Pauls VIten als direkte Folge und Umsetzung der Konzilsbeschlüsse hätte das so angeordnet. Zu einem Nachlesen, wo im Meßbuch das steht, war komischerweise keiner bereit, erst recht nicht, nachdem ich herausgefunden hatte, daß es ein Meßbuch 1965 gegeben hatte.
Meine Erfahrung ist, daß so mancher Priester und Laie die systematische Zertrümmerung des Glaubenswissens und der Kirchengeschichte als großen Verdienst sehen, der von einer unverschämten jüngeren Generation (Benedikt) einfach nicht honoriert wird. "Wir haben doch nur für Euch das depositum fidei gefälscht, damit Ihr es besser habt als wir" gibt allerdings so direkt keiner von ihnen zu.
Es wird noch mehrere Generationen brauchen, diese Schäden zu beheben. Wäre die KONZILSgeneration nicht so erfolgreich im Zerstören gewesen, daß selbst sie nicht mehr die Folgen ihres Handelns leugnen könnten, so würden wir wahrscheinlich immer noch wie in den frühen Neunzigern vor dichten Mauern der einseitigen Rezeption und der Seilschaften stehen, die anderes Gedankengut spätestens aus dem Seminar mobbten.
immerhin ist es
vor wenigen jahren war "das konzil" noch ein mythos, dem niemand zu nahe treten durfte, der in der kirche nicht den sozialen tod sterben wollte.
dem artikel stimme ich zu, dennoch hinterlässt diese analyse eine gewisse ratlosigkeit. was soll nun geschehen? der papst wird auch wissen, dass die bischöfe ihm nicht folgen werden, wenn er es wagt, bestimmte konzilsaussagen autoritativ auszulegen. das hat schon der versuch von "dominus jesus" (2000) gezeigt, als man das kirchenverständnis des Vat II für eine hermeneutik der kontinuität retten wollte.
selbst bischöfe sagten damals, dieses dokument sei ein "betriebsunfall" gewesen.
Seit Humanae vitae
- DAS KONZIL hat das Latein abgeschafft
- DAS KONZIL hat die Zelebration AZV abgeschafft (AZV = bestimmtes Körperteil zum Volk, nein nicht der Rücken ist gemeint)
- DAS KONZIL hat beschlossen, der Priester ist verantwortlicher Redaktor der Messe, er kann nach "pastoralem Nutzen" die Texte ändern, weglassen oder hinzufügen
Ich hatte damit ein innerkirchliches Verbrechen begannen, denn ich stellte die Interpretation DES KONZILS durch einen studierten Theologen in Frage. Zuvor hatte ich zwei weitere Verbrechen begannen, nämlich durch das Lesen eines alten Schotts und P. Jungmanns Missarum Sollemnia (soweit ich es damals verstehen konnte) mir angeeignet, was vor DEM KONZIL war.
In meiner damals boshaften jugendlichen Natur (ich war 1990 18 geworden) habe ich die Kapläne und anderen Priester natürlich in die Falle gelockt, indem ich nicht gleich damit herausgeplatzt bin, daß ich in den Dokumenten DES KONZILS gelesen habe ohne pflichtschuldig die rahnersche Rezeption als einzig zu glaubende zu übernehmen. Ich konnte die erstaunliche Feststellung treffen, daß ich bis dato noch nie so systematisch von Priestern belogen worden war. Nachdem diese Priester vor dem aufgeschlagenen Dokument zugeben mußten, daß ihre urban legends nicht Bestandteil der Konzilsdokumente sind, gelang es den wendigeren unter ihnen (die anderen beendeten einfach Türe-schlagend die Diskussion) zu behaupten, daß Meßbuch Pauls VIten als direkte Folge und Umsetzung der Konzilsbeschlüsse hätte das so angeordnet. Zu einem Nachlesen, wo im Meßbuch das steht, war komischerweise keiner bereit, erst recht nicht, nachdem ich herausgefunden hatte, daß es ein Meßbuch 1965 gegeben hatte.
Meine Erfahrung ist, daß so mancher Priester und Laie die systematische Zertrümmerung des Glaubenswissens und der Kirchengeschichte als großen Verdienst sehen, der von einer unverschämten jüngeren Generation (Benedikt) einfach nicht honoriert wird. "Wir haben doch nur für Euch das depositum fidei gefälscht, damit Ihr es besser habt als wir" gibt allerdings so direkt keiner von ihnen zu.
Es wird noch mehrere Generationen brauchen, diese Schäden zu beheben. Wäre die KONZILSgeneration nicht so erfolgreich im Zerstören gewesen, daß selbst sie nicht mehr die Folgen ihres Handelns leugnen könnten, so würden wir wahrscheinlich immer noch wie in den frühen Neunzigern vor dichten Mauern der einseitigen Rezeption und der Seilschaften stehen, die anderes Gedankengut spätestens aus dem Seminar mobbten.