Ich hatte gestern spät den Artikel gelesen und kurzfristig auch so ein Jucken in den Fingern gehabt. Ich dachte dann "Nee, laß mal, bist eh schon auf der Palme wegen der Art, wie die Atheisten ihre Spendenaktion für Haiti vermarkten",
Und - siehe da - Elsa hat übernommen! Danke!
SERAPHICUS (Gast) - 20. Jan, 17:16
Danke
Da kann man nur sagen: danke für diesen Beitrag! Und danke vor allem, dass mir dadurch ein weiteres Achten auf das Jucken in meinen Fingern erspart blieb!
Ich finde die Kritik von Frau Käßmann am Afghanistan-Einsatz immer noch richtig, denn dort ist nichts gut. Alle Hinweise auf kleine Erfolge und Projekte sind IMHO Schönfärberei, denn sie zeigen nicht mal Ansatzweise die ganze Wahrheit. Seit 2001 führt man in diesem Land Krieg und kann bisher nur in kleinen Gebieten Erfolge vermelden. Aus militärischer Sicht ist die Aktion ein kompletter Reinfall, da eine waffentechnische Übermacht anscheinend nicht in der Lage ist, einen Haufen Guerillas im Zaum zu halten. Alle anderen Ziele sind auch gänzlich gescheitert, da das Land von Demokratie immer noch weit entfernt ist. Wie weit, zeigt nicht zuletzt der sehr wahrscheinliche Wahlbetrug von Karzai. Dieser Einsatz - offiziell ist es ja kein Krieg - ist aus verschiedensten Gründen mehr als fragwürdig. Es kann nicht länger angehen, dass deutsche Soldaten und die anderer Nationen diese Fehlpolitik ausbaden müssen. Bischöfin Käßmann ist ja auch nicht die einzige, die diese Frage aufwirft. Der katholische Militärbischof Mixa hat den Einsatz ja ähnlich in Frage gestellt, nur wurde daraus in der Presse nicht so ein Drama gemacht.
Selbst beim Thema Ökumene liegt sie aus Sichtweise der ev. Kirche richtig, denn beim derzeitigen Stand können die Protestanten wirklich nicht mehr von der RKK erwarten. Ich denke der Papst hat sich zu den Kernthemen recht klar geäußert und solange die EKD auf ihrem Standpunkt beharrt, wird es wohl keine größere Annäherung geben. Ihre Aussagen zum Tod von Johannes Paul II. teile ich so nicht, aber das ist ihre persönliche Meinung. Trotzdem ist das für mich kein Grund, jede ihrer Aussagen automatisch in Grund und Boden zu verdammen.
Imrahil (Gast) - 21. Jan, 11:31
Nunja, wenn die Frau Landesbischöfin gesagt hat: "Nichts ist gut in Afghanistan", so sind drei Interpretationen möglich:
1. die wörtliche: "Nichts ist gut in Afghanistan." Das ist falsch, denn Afghanistan ist ein Land auf Gottes gutem Erdboden, und in ihm leben Pflanzen und Tiere, die von Gott erschaffen sind, und in ihm leben Menschen, die Gottes Ebenbilder sind, und das sind nur Beispiele.
2. die sinngemäße: "Nichts ist gut im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der dt. Bundeswehr." Auch das ist falsch, wenn wir die Fakten als gegeben annehmen, die auch Du als gegeben annimmst, denn die "kleinen Erfolge und Projekte" und die "Erfolge in Kleinen gebieten" sind ja immerhin Etwas und gut.
3. die polemische: "Die Gründe, die ich für meine Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes der dt. Bundeswehr habe, sind von solchem Gewicht, daß ich auch das - meiner Ansicht nach wenige - Gute, das dort sein mag, ignorieren kann." Das halte ich aber nicht unbedingt für eine sinnvolle Redeweise, besonders nicht in der öffentlichen Situation der Neujahrspredigt einer Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden.
Darüber hinaus hat sie aber auch gesagt: "Der Einsatz widerspricht sämtlichen friedensethischen Grundsätzen der evangelischen Kirche." Das ist eine Meinung, die man haben kann (meine Meinung ist es übrigens nicht [wobei ich natürlich keine genauen fre. Grds. der ev. Kirche kenne]), aber man sollte sich bewußt sein, was sie bedeutet: daß die Bundesrepublik Deutschland und die Verantwortlichen in Regierung und Militärführung einen Angriffskrieg führen.
Den Vogel abgeschossen (man verzeihe mir diese Redeweise in bezug auf eine Autoritätsperson einer kirchlichen Gemeinschaft) hat die Frau Landesbischöfin aber mit der einige Tage später gefallenen Aussage:
"Ich habe nicht den Abzug aus Afghanistan gefordert, sondern, mehr Phantasie für die Frieden zu wagen."
Das bedeutet, daß die Autoritätsperson einer kirchlichen Gemeinschaft, die stolz auf ihre politische Einmischung ist (was ihr immer erlaubt sein muß!) mit demselben Stolz die Flucht ins Unkonkrete antritt.
(Beachte: Mit "Stolz" meine ich nicht die erste Wurzelsünde, sonst hätte ich "Hochmut" geschrieben.)
Imrahil (Gast) - 21. Jan, 11:33
Sorry, für "den" Frieden natürlich. Einen Grammatikfehler hat sie nicht gemacht-:)
aber wenn ich solche Sprüche höre wie "Mehr Phantasie beim Frieden wagen" von jemandem, der noch nie in Afghanistan war und die Kultur dort nicht mal im Ansatz kennt, dann sträuben sich mir sämtliche Barthaare. Keiner hat im Ernst erwartet (naja, vielleicht höchstens GWB), dass innerhalb kürzester Zeit eine Demokratie nach westlichem Vorbild in Afghanistan entstehen würde (und, mit Verlaub, wenn ich mir die westlichen Staaten so ansehe, bin ich mir auch nicht sicher, ob das immer so wünschenswert ist...).
"Nichts ist gut in Afghanistan". Soso. Also auch nicht die Bildungsmöglichkeiten für Frauen, die ärztliche Grundversorgung, auch wenn sie, klar, nur in Grundzügen vorhanden ist, nicht die Freizügigkeit, die viele Menschen wieder genießen. Klar, es gibt viele tiefgreifende Probleme, aber so eine "absolute-crap"-Aussage macht auf mich den Eindruck, dass man hier nicht sachlich über ein Problem redet, sondern versucht, auf einen demografischen Zug aufzuspringen. Versuche dieser Art gab es in der ev. Kirche in den letzten Jahrzehnten mehr als genug - und sie hat sie mit 6stelligen Austrittszahlen bezahlt. Wer orientiert sich schon an einem Kompass, der die Himmelsrichtung beliebig angibt?
str - 21. Jan, 20:05
Nein, Frank, aus militärischer Sicht ist die ganze Aktion ein voller Erfolg.
Zwar hat man keinen endgültigen Sieg über die Taliban erreichen können, aber zumindest hält man sie von der Macht fern und verhindert dadurch, daß Afghanistan wieder zum Terrorumschlagplatz werden könnte (daß dieses Problem nun andernorts besteht ist eine andere Frage).
Und genau das ist das Ziel des Kriegseinsatzes (ja, ich scheue mich nicht das Wort zu gebrauchen - die NATO ist dort in einem - gerechten - Kriegseinsatz mit Billigung der afghanisschen Regierung), dem Terrorismus Einhalt zu gebieten.
Und zum Thema Ökumene: die katholische Kirche hat bereits alles getan, was sie konnte. Wann gedenken die Herren (und Damen) Protestanten sich einmal zu bewegen?
Gute Arbeitsteilung!
Und - siehe da - Elsa hat übernommen! Danke!
Danke
Selbst beim Thema Ökumene liegt sie aus Sichtweise der ev. Kirche richtig, denn beim derzeitigen Stand können die Protestanten wirklich nicht mehr von der RKK erwarten. Ich denke der Papst hat sich zu den Kernthemen recht klar geäußert und solange die EKD auf ihrem Standpunkt beharrt, wird es wohl keine größere Annäherung geben. Ihre Aussagen zum Tod von Johannes Paul II. teile ich so nicht, aber das ist ihre persönliche Meinung. Trotzdem ist das für mich kein Grund, jede ihrer Aussagen automatisch in Grund und Boden zu verdammen.
1. die wörtliche: "Nichts ist gut in Afghanistan." Das ist falsch, denn Afghanistan ist ein Land auf Gottes gutem Erdboden, und in ihm leben Pflanzen und Tiere, die von Gott erschaffen sind, und in ihm leben Menschen, die Gottes Ebenbilder sind, und das sind nur Beispiele.
2. die sinngemäße: "Nichts ist gut im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der dt. Bundeswehr." Auch das ist falsch, wenn wir die Fakten als gegeben annehmen, die auch Du als gegeben annimmst, denn die "kleinen Erfolge und Projekte" und die "Erfolge in Kleinen gebieten" sind ja immerhin Etwas und gut.
3. die polemische: "Die Gründe, die ich für meine Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes der dt. Bundeswehr habe, sind von solchem Gewicht, daß ich auch das - meiner Ansicht nach wenige - Gute, das dort sein mag, ignorieren kann." Das halte ich aber nicht unbedingt für eine sinnvolle Redeweise, besonders nicht in der öffentlichen Situation der Neujahrspredigt einer Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden.
Darüber hinaus hat sie aber auch gesagt: "Der Einsatz widerspricht sämtlichen friedensethischen Grundsätzen der evangelischen Kirche." Das ist eine Meinung, die man haben kann (meine Meinung ist es übrigens nicht [wobei ich natürlich keine genauen fre. Grds. der ev. Kirche kenne]), aber man sollte sich bewußt sein, was sie bedeutet: daß die Bundesrepublik Deutschland und die Verantwortlichen in Regierung und Militärführung einen Angriffskrieg führen.
Den Vogel abgeschossen (man verzeihe mir diese Redeweise in bezug auf eine Autoritätsperson einer kirchlichen Gemeinschaft) hat die Frau Landesbischöfin aber mit der einige Tage später gefallenen Aussage:
"Ich habe nicht den Abzug aus Afghanistan gefordert, sondern, mehr Phantasie für die Frieden zu wagen."
Das bedeutet, daß die Autoritätsperson einer kirchlichen Gemeinschaft, die stolz auf ihre politische Einmischung ist (was ihr immer erlaubt sein muß!) mit demselben Stolz die Flucht ins Unkonkrete antritt.
(Beachte: Mit "Stolz" meine ich nicht die erste Wurzelsünde, sonst hätte ich "Hochmut" geschrieben.)
Sorry,
"Nichts ist gut in Afghanistan". Soso. Also auch nicht die Bildungsmöglichkeiten für Frauen, die ärztliche Grundversorgung, auch wenn sie, klar, nur in Grundzügen vorhanden ist, nicht die Freizügigkeit, die viele Menschen wieder genießen. Klar, es gibt viele tiefgreifende Probleme, aber so eine "absolute-crap"-Aussage macht auf mich den Eindruck, dass man hier nicht sachlich über ein Problem redet, sondern versucht, auf einen demografischen Zug aufzuspringen. Versuche dieser Art gab es in der ev. Kirche in den letzten Jahrzehnten mehr als genug - und sie hat sie mit 6stelligen Austrittszahlen bezahlt. Wer orientiert sich schon an einem Kompass, der die Himmelsrichtung beliebig angibt?
Zwar hat man keinen endgültigen Sieg über die Taliban erreichen können, aber zumindest hält man sie von der Macht fern und verhindert dadurch, daß Afghanistan wieder zum Terrorumschlagplatz werden könnte (daß dieses Problem nun andernorts besteht ist eine andere Frage).
Und genau das ist das Ziel des Kriegseinsatzes (ja, ich scheue mich nicht das Wort zu gebrauchen - die NATO ist dort in einem - gerechten - Kriegseinsatz mit Billigung der afghanisschen Regierung), dem Terrorismus Einhalt zu gebieten.
Und zum Thema Ökumene: die katholische Kirche hat bereits alles getan, was sie konnte. Wann gedenken die Herren (und Damen) Protestanten sich einmal zu bewegen?