Interview mit Ulrich Nersinger
Im aktuellen Rundbrief von Paix Liturgique findet sich ein Interview mit Ulrich Nersinger.
Zwei Auszüge daraus:
>>4. Heute sieht man die Messe von einem Preister als „Kernstück“ der römischen Liturgie, alle weiteren Zeremonien – beispielsweise eines Bischofsamtes – werden als „zusätzlich“ empfunden. In der römischen Liturgie steht allerdings die Papstliturgie an höchster Stelle der liturgischen Hierarchie, alle anderen Liturgien sind abbildlich Abstufungen. Könnten Sie sich dazu äußern?
Man muss sich von dem Irrtum entfernen, die Messe des Priesters als das Ursprüngliche und die feierliche Messe des Bischofs als eine Erweiterung und Ausschmückung zu betrachten. Es verhält sich genau umgekehrt. Jede Messe eines Priesters ist nichts anderes als eine Verkürzung und Vereinfachung des Pontifikalamtes. Und die ursprüngliche Form des Pontifikalamtes kommt der feierlichen Papstmesse am nächsten und ist im Grunde aus ihr entstanden.In der Frühzeit des Christentums versammlten sich die Gläubigen der Ewigen Stadt mit ihrem Bischof in einem bestimmten Gotteshaus zum Gebet und zogen dann in Prozession zu einem weiteren Gotteshaus – dort feierten sie die Eucharistie. Diese Art Zusammenkünfte hieß „statio“ und die Kirchen, in denen sie stattfanden, „Stationskirchen“. Die Stationsfeiern galten als sichtbarer Ausdruck der Einheit der ganzen römischen Gemeinde mit ihrem Bischof. Sie waren nötig geworden, da durch die wachsende Zahl der kirchlichen Gebäude und der gottesdienstlichen Versammlungen eine gewisse Teilung der Gemeinde in lokale Gruppen, den Pfarreien, eingetreten war. Die Bedeutung des alten römischen Stationsgottesdienstes ist in der jüngsten Vergangenheit wiederentdeckt worden und fand daher auch im „Caeremoniale Episcoporum“ von 1985 seine Würdigung und Adaptierung. Das bischöfliche Zeremonienbuch spricht in seinem ersten Kapitel „von der Stationsmesse des Diözesanbischofs“ und verwendet für die Feier eines Pontifikalamtes ausschließlich den Ausdruck „missa stationalis“.
[...]
6. Leben wir in einer Zeit liturgischen Friedens?
Altar kann und darf nicht gegen Altar stehen. Liturgie ist immer Feier der Einheit des Gottesvolkes – und immer auf Gott gerichtet. Ausschlaggebend müssen die Worte sein, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Österreich im September 2007 (Stift Heiligenkreuz) als prägnante und richtungsweisende Katechese zum gottesdienstlichen Handeln der Kirche gegeben hat: „Bei allem Bemühen um die Liturgie, muss der Blick auf Gott maßgebend sein. Wir stehen vor Gott; er spricht mit uns, wir mit ihm. Entweder ist sie ‚opus Dei’ mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht … Gestaltet die Liturgie aus dem Hinschauen auf Gott in der Gemeinschaft der Heiligen, der lebendigen Kirche aller Orte und Zeiten so, dass sie zu einem Ausdruck der Schönheit und Erhabenheit des menschenfreundlichen Gottes wird.“<<
Zwei Auszüge daraus:
>>4. Heute sieht man die Messe von einem Preister als „Kernstück“ der römischen Liturgie, alle weiteren Zeremonien – beispielsweise eines Bischofsamtes – werden als „zusätzlich“ empfunden. In der römischen Liturgie steht allerdings die Papstliturgie an höchster Stelle der liturgischen Hierarchie, alle anderen Liturgien sind abbildlich Abstufungen. Könnten Sie sich dazu äußern?
Man muss sich von dem Irrtum entfernen, die Messe des Priesters als das Ursprüngliche und die feierliche Messe des Bischofs als eine Erweiterung und Ausschmückung zu betrachten. Es verhält sich genau umgekehrt. Jede Messe eines Priesters ist nichts anderes als eine Verkürzung und Vereinfachung des Pontifikalamtes. Und die ursprüngliche Form des Pontifikalamtes kommt der feierlichen Papstmesse am nächsten und ist im Grunde aus ihr entstanden.In der Frühzeit des Christentums versammlten sich die Gläubigen der Ewigen Stadt mit ihrem Bischof in einem bestimmten Gotteshaus zum Gebet und zogen dann in Prozession zu einem weiteren Gotteshaus – dort feierten sie die Eucharistie. Diese Art Zusammenkünfte hieß „statio“ und die Kirchen, in denen sie stattfanden, „Stationskirchen“. Die Stationsfeiern galten als sichtbarer Ausdruck der Einheit der ganzen römischen Gemeinde mit ihrem Bischof. Sie waren nötig geworden, da durch die wachsende Zahl der kirchlichen Gebäude und der gottesdienstlichen Versammlungen eine gewisse Teilung der Gemeinde in lokale Gruppen, den Pfarreien, eingetreten war. Die Bedeutung des alten römischen Stationsgottesdienstes ist in der jüngsten Vergangenheit wiederentdeckt worden und fand daher auch im „Caeremoniale Episcoporum“ von 1985 seine Würdigung und Adaptierung. Das bischöfliche Zeremonienbuch spricht in seinem ersten Kapitel „von der Stationsmesse des Diözesanbischofs“ und verwendet für die Feier eines Pontifikalamtes ausschließlich den Ausdruck „missa stationalis“.
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6. Leben wir in einer Zeit liturgischen Friedens?
Altar kann und darf nicht gegen Altar stehen. Liturgie ist immer Feier der Einheit des Gottesvolkes – und immer auf Gott gerichtet. Ausschlaggebend müssen die Worte sein, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Österreich im September 2007 (Stift Heiligenkreuz) als prägnante und richtungsweisende Katechese zum gottesdienstlichen Handeln der Kirche gegeben hat: „Bei allem Bemühen um die Liturgie, muss der Blick auf Gott maßgebend sein. Wir stehen vor Gott; er spricht mit uns, wir mit ihm. Entweder ist sie ‚opus Dei’ mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht … Gestaltet die Liturgie aus dem Hinschauen auf Gott in der Gemeinschaft der Heiligen, der lebendigen Kirche aller Orte und Zeiten so, dass sie zu einem Ausdruck der Schönheit und Erhabenheit des menschenfreundlichen Gottes wird.“<<
ElsaLaska - 23. Mai, 11:05
Meiner Meinung nach gibt es in einem klassischen Pontifikalamt, oder eher noch in einer Papstmesse, beides: Dinge, die zu einer (imaginären) Grundform der Messe gehören und bei der nichtbischöflichen Messe, der Stillmesse usw. wegfallen, aber schon auch Zusätze, die zur Grundform der Messe sicherlich nicht gehören. Die Levitendienste usw. sind sicherlich keine Zusätze, der feierliche Einzug des zelebrierenden Bischofs und dessen hervorgehobener Stuhl auch nicht. Hingegen sind das Beten einer Terz vor der Messe, die Verwendung von Thronassistenten (zwei zusätzlichen Diakonen beim Pontifikalamt, wenn ich mich richtig erinnere) und beim Papstamt das Vorkosten der eucharistischen Opfergaben durch den Mundschenk und ähnliches meines Erachtens eben schon Zusätze.
Andererseits ist ein allseits beliebter "Zusatz" der gewöhnlichen Priestermesse, daß sie vor dem Allerheiligsten zelebriert werden kann (was ja beim Pontifikalamt nicht möglich ist oder lange nicht möglich war).