Italien Blog
es hätte mich auch gewundert, wenn ich hier soweit im Osten um den Winter aus Russland herum gekommen wäre. Heute Nacht fiel die Temperatur von 8 Grad auf -1 und es gab einen Mordssturm, dazu stand richtig schön apokalyptisch der Halbmond schräg und tief am Himmel, wie ein kupferner Polentatopf. Die Kälte fühlt sich deshalb schlimm an, weil ein eisiger, stürmischer Wind weht.
Also Holz einkaufen gewesen. Den Nachbarn getroffen, der das Feld direkt am Haus umpflügt. Die machen das hier mit Raupen, weil ein normaler Traktor den lehmigen Boden nicht schafft. Trotz der Kälte ist er ausgestiegen und wir haben einen kleinen Plausch gehalten. Und jetzt kommt etwas Erfreuliches! Das Feld direkt am Haus wird er mit Olivenbäumen bepflanzen, das ist was, was ich mir schon die ganze Zeit insgeheim gewünscht habe. Ich habe zwar Blick auf Oliven und Wein, aber keine direkt am Haus. Und die Vorstellung, mitten in einem Olivenhain zu wohnen, behagt mir einmal aus ästhetischen, zum anderen aus praktischen Gründen: Oliven werden nicht ständig umgepflügt, gedroschen oder was weiß ich wie bearbeitet, das geht ziemlich geräuschlos zu (außer wenn sie einmal im Jahr geschnitten werden). Der Eukalyptusbaum vorm Fenster wird ganz schön durchgeschüttelt, ich seh grad noch seinen Schatten. Drüben auf den Hügeln haben die kleinen Castelli schon ihre Lichterperlenketten angezündet.
ElsaLaska - 23. Jan, 17:45
für Ancona sieht urplötzlich haargenau aus wie ein Tornado mit unten am Rüssel Blitzen drin. Und mein Kamin zieht nicht mehr. Bin ich im Auge des Hurrikans, oder was?
ElsaLaska - 23. Jan, 00:15
denn die bistecca fiorentina ist seit Anfang Januar wieder da! Als die echte Bistecca wegen der BSE-Krise verboten wurde, war das ein kulinarischer Trauertag, man ging gemeinsam mit der Familie und Freunden ein letztes Mal bistecca essen, begehrte gar gegen Europa auf. Aber jetzt ist sie wieder da, es gab ein Megabarbecue auf den Plätzen und die Metzger geben die ganze Woche Skonto auf bistecca. Die echte bistecca fiorentina stammt vom
Chianina-Rind und wird aus der Wirbelsäule, also mit Markknochen geschnitten:
Für einen toskanischen Fleischer, sagt Dario Cecchini, ein Traditionsmetzger aus dem Dorf Panzano im Süden von Florenz, hat das Schneiden des Fiorentina etwa die Bedeutung wie für den Priester der Segen am Ende des Gottesdienstes: Es ist der letzte Akt in der Liturgie des Fleisches.
Sie wird über dem Holzfeuer gegrillt, auf dem Holzbrett serviert, und nur mit Olivenöl, Salz und schwarzem Pfeffer gewürzt. Im Lokal fährt der Ober mit einem Riesenwaggon an, darauf liegt das bestellte Stück, das außen knusprig braun gegrillt, zum Knochen hin, das ist gewollt, medium und schließlich roh ist. Schmeckt absolut fantastisch. Das beste Stück Rindfleisch meines Lebens war eine bistecca fiorentina.
ElsaLaska - 22. Jan, 13:41
Heute kam das Alice-DSL-Modem als Postpaket, nur vier Tage, nach dem ich es online bei Telekom Italia bestellt hatte. Wenn die mir jetzt tatsächlich innerhalb von vier Tagen auch noch DSL geschaltet haben, dann werde ich einen Brief schreiben und ihnen raten, 1und1 aufzukaufen. Zu einem symbolischen Preis von sagen wir, 1000 Lire.
Mit den Auswanderern heute - die mit dem tollen Boden - habe ich mich auch über die italienischen Krankenhäuser unterhalten. Es gibt eine KOSTENLOSE KRANKENVERSICHERUNG hier, die man beantragen kann, wenn man residenza besitzt. Sie deckt allerdings nicht Zahnersatz etc. ab, aber das reißt es ja nun auch nicht raus, wenn man mit dem gesparten Geld für die deutsche Versicherung ein paar Rücklagen macht, um für solche Fälle gewappnet zu sein. Einen deutschen Zahnarzt gibt es hier auch. Ein Bekannter sei neulich in einem Krankenhaus gewesen, und die Versorgung war super. Ich erwähne das nur, weil die Interessengemeinschaft deutsche Krankenkassen gerne Meldungen in den Medien zu lancieren scheint, dass man in italienischen Krankenhäuser sogar sein ESSEN selbst mitbringen müsse. Manchmal gibt es auch kritische Töne bei solchen Gesprächen, zum Beispiel wurde die Tatsache beklagt, nichts mal eben schnell erledigen zu können. Das stimmt allerdings. Wenn ich zwei Kilo Orangen SCHNELL einkaufen möchte, brauche ich 20 Minuten dafür, weil noch ausgiebig über das Wetter und das Mitttagessen gequatscht wird. Generell ist man aber auch deshalb gerade glücklich mit seinem Gastland. Komischerweise haben eigentlich alle Auswanderer erkannt, dass Krankenkassen, Versicherungen und Banken Deutschland in den Ruin treiben, der Tenor ist immer dahin gehend, während innerhalb Deutschlands dieser Umstand beharrlich ignoriert wird :).
Grund zur Klage bot bis heute eigentlich nur das Wetter, aber da bei solchen Gesprächsrunden IMMER zuerst nach dem aktuellen Wetter in Deutschland gefragt wird, breitete sich heute behaglich gute Laune aus, nachdem ich den telefonischen Wetterbericht meiner Mama zitiert hatte. Solange man nicht gerade die guardia finanza am Halse hat, lässt es sich ganz gut sein hier. Wegen eben dieser guardia finanza ist es auch angebracht, jeden winzigen Kassenbon vom letzten aperitivo aufzuheben, die Jungs haben nämlich die Berechtigung, sich diesen vorweisen zu lassen bis zu einem Umkreis von soundsoviel hundert Metern um das besuchte Lokal.
Eine sehr schmackhafte Variante von Tiramisu besteht übrigens darin, die Biskuits in Pflümli einzuweichen und Pflaumenmarmelade als Füllung zu benutzen. Ja, es ist gut schräg, aber das ist das Leben hier auch.
ElsaLaska - 20. Jan, 01:30
zu sehen bekommt, das gibt es sonst nur in Bildbänden namens "Toskana Interieurs" oder "Ein Haus im Süden". Atemberaubend. Die meisten Häuser haben schlichte, weiß gestrichene, feinverputzte Innenwände. Aber die Böden! Cotto-Fliesen in allen Farbtönen von Ocker, Terrakotta, Elfenbein changierend, gerne bewusst unregelmäßig gefliest, oder aus lehmfarbenen Mattone-Steinplatten, offene Decken mit uralten Balken, unter denen die Cotto-Ziegel vom Fussboden obendrüber sichtbar sind, eine Sinfonie aus gedeckten, warmen Erdfarben im Zusammenklang mit vom Alter verbleichten dunklem Holz. Nie vorher hat das Auge so vielfältige Abtönungen zwischen Dunkelbraun, Dunkelrot bis hin zu Eierschale wahrgenommen Wenn man das in verschiedenen Variationen einmal gesehen hat, vergisst man die Existenz eines Produktes wie Laminat oder gar PVC. Nur noch einen Kaminofen hinein stellen in einen solchen Raum, ein paar antike Tische, ein paar Kerzenleuchter, zwei drei geschmackvolle kleine Sofas und voilà, das perfekte Wohnzimmer, völlig ohne Schnickschnack und Gewese (und völlig ohne Teppichboden, Laminat, hässlichen Heizkörpern, blöden Kunststofffenstern und all dem Krimskams, der in deutschen Neubauten als wünschenswertester "Standard" gehandelt wird.)
Und ja, heute war es warm. Die Sonne schien.
ElsaLaska - 19. Jan, 22:03
gehe ich ja aus zwei Gründen zum aperitivo: Einmal haben sie die vielfältigste Auswahl an winzigen, appetitlich belegten Häppchen, Nüssen, Salzgebäck, Oliven und Pistazien, die man sich nur so vorstellen kann (kostenlos an der Theke bereitgestellt), und zum anderen bedient dort ein knackiger junger Held mit schwarzen Augenbrauen und Kinnbärtchen, der jedes Mal Red Hot Chili Peppers auflegt, wenn ich das Etablissement betrete. Theoretisch kann man bis abends 8 Uhr einkaufen, aber praktisch sieht es so aus, dass einer schon um halb Sieben zumacht, der andre um Sieben, der nächste um halb Acht und so weiter, und immer, wenn man denkt, man hätte noch Zeit, um dies oder das zu besorgen, hat der Laden doch schon zu. Eine Zeitung bekomme ich also wieder nicht, obwohl ich der festen Meinung war, dass der Kiosk bis Sieben aufhat. Also wohl doch nur bis halb Sieben oder vielleicht liegt es daran, dass Mittwoch ist. Auf dem Rückweg halte ich noch bei dem Opa mit dem Porchetta-Waggon an. Porchetta ist knusprig gegrilltes Spanferkel, das mit Fenchel und Knoblauch gefüllt ist. Normalerweise ein No-No-Food, aber hin und wieder mache ich eine Ausnahme. Der Opa ist nämlich immer sehr gemütlich und schenkt gerne ein Becherchen Rotwein zum Porchetta-Brötchen aus. Beliebtes Thema ist das Wetter, saukalt sei es, und immer wenn ich diese Bemerkung höre, spare ich natürlich nict an den absoluten Horrorvisionen, wie es in Deutschland gerade aussieht. Eis und Schnee, molto brutto!
Meine freundliche Apfelsinenverkäuferin hat noch offen und ich kaufe noch drei Kilo Orangen zum Auspressen (die kleinen, billigeren) und frage, ob die Mandarinen, die sie jetzt anbietet, auch kernlos sind. Naja, ein oder zwei könnten schon mal drin sein, aber es seien Clementinen, die seien nicht so schlimm wie Mandarinen. Sie gibt mir eine zum Probieren. Ich kaufe noch zwei Kilo Clementinen und erkläre ihr, dass ich normalaerweise vorsichtig bin: Immer diese Monsterkerne und dann innen auch noch total eingetrocknet. Aber diese hier seien wirklich gut. Und sie sind verdammt gut. Saftigere Clementinen habe ich meinen Lebtag nicht gegessen. Das Wetter ist auch bei ihr ein beliebtes Thema. Ich erzähle ihr von meinem Wetterbutton, auf dem schon seit zwei Wochen FOG steht und gebe ihr die Internetadresse von weather.com, natürlich nicht ohne darauf hingewiesen zu haben, wie grauenhaft das Wetter in Deutschland gerade sei.
Und wenn es hier so weitergeht, dann werde ich mich neben Opas Porchettawaggon stellen und Glühwein ausschenken.
ElsaLaska - 18. Jan, 20:14
als ich das Haus kaufte. Man sah praktisch nicht die Hand vor Augen. Es fühlte sich lediglich so an, als fahre man jetzt in große Höhen hinauf, aber tatsächlich konnte man keine zwei Meter weit sehen. Die Konturen des Hauses erschlossen sich mir nicht. Innen war es super. Zwei Monate später kam ich, um den Vorvertrag zu unterschreiben.
Es war dann doch ein ziemliches Panorama. Hügelketten über Hügelketten, immer noch weiter, noch ein Städtchen irgendwo obendrauf getürmt und noch eins und gaaaaanz hinten dann schneebedeckte Gipfel. Und vorne ein Stück Meer.
Ich habe diesen Anblick wohl das letzte Mal so im Juni gesehen ...
Aber das macht ja nichts. Die ganzen Sachen sind ja TROTZDEM da, auch wenn man sie nicht sieht.
ElsaLaska - 18. Jan, 14:47
für castagir, damit das Gemaule endlich aufhört von wegen er bekäme nix zu essen.
Eine mittelgroße Zwiebel klein hacken, eine halbe Handvoll Salbei klein hacken. In wenig Olivenöl anrösten, circa 200 g Gorgonzalastücke dazu geben, schwungvoll mit einem halben Glas Prosecco ablöschen und aufkochen lassen. Sahne dazu geben, bis sich der Gorgonzola richtig aufgelöst hat. Vorsichtig salzen, viel schwarzer Pfeffer, etwas weniger Muskat, ein bisschen Knoblauch reinpressen, einen Hauch Paprika und dann die gekochten Spaghetti drunterziehen.
Dazu passt ein grüner Salat mit Rucola und Radicchio.
Weinempfehlung: Verdicchio dei Castelli di Jesi
ElsaLaska - 17. Jan, 14:33
deshalb heute schnell nur ein paar frisch gekaufte Tortellini, eine Handvoll Salbei-Blätter aus dem Garten, kleingehackt, einen dicken Klacks Butter in einer Pfanne schmelzen, den Salbei darin kurz anrösten, die Tortellini drin schwenken, etwas Pfeffer und Muskat drüber mahlen, eventuell etwas Parmesan drüber, und einen kleinen Salat dazu.
Pronto in fünf Minuten.
(und auf keinen Fall den aperitivo vorher vergessen)
ElsaLaska - 11. Jan, 12:57
klingt, dessen Auspuff irgendwo in der Nähe des ersten Topfes glatt durchgerostet ist, kann ich auch verstehen, wieso man dieses Teil auf Italienisch "il silenziatore" nennt.
Die netten jungen Leuten von zwei Straßen untendrunter, die letztes Jahr das alte Haus an der Ecke renoviert haben, haben jetzt einen winzig kleinen Laden aufgemacht, in dem es nur Orangen von der eigenen Plantage gibt (aus Sizilien. Sie ist Engländerin, er Sizilianer). Zum Essen sind sie nicht ganz so komfortabel, weil die Schale sehr dünn ist, aber die kleinen, billigen, zum Auspressen ergeben eine extrem gute "spremuta". Deshalb gibt es heute, und aus gesundheitlichen Erwägungen, vorm Kamin keinen Rotwein, sondern Orangen.
Außerdem hatte ich heute Mittag schon Rosso Piceno. Zusammen mit einem Kilo Rindfleisch.
Ich habe endlich ein sehr schickes, sehr marchigiani-eingerichtetes Restaurant gefunden, das ausschließlich Produkte aus der Region von glücklichen Tieren bzw. glücklichen Winzern anbietet.
Und dazu auch noch montags geöffnet hat.
ElsaLaska - 9. Jan, 19:19