Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Drei Dinge, die nicht politisch korrekt sind.

Mir fällt auf, dass man verschiedene Dinge einfach nicht im Internet (oder in den Medien) postulieren darf, weil sonst sofort die Empörungsfraktion politische Correctness einfordert oder einem die falschen Leute beipflichten. Es sind Dinge, über die im echten Leben eigentlich Konsens herrscht. Und zwar kein Stammtischkonsens der Vorurteile, sondern durchaus der Konsens von Menschen, die seit langen Jahren damit/davon betroffen sind oder konfrontiert werden und durchaus wissen, wovon sie reden.

1. Kindererziehung. Von Menschen, die in der Hausaufgabenhilfe oder ähnlichem tätig sind, höre ich dezidiert, dass sie nichts mehr ausrichten können, auch nicht mit dem besten Willen. Die Kinder sind aggressiv, sie sind gewalttätig und man hätte durchaus den Eindruck, es ginge eigentlich bei den Kabbeleien, die keine mehr sind, darum, sich bis aufs Blut zu schlagen, und zwar am besten totzuschlagen. Das bei Grundschülern und Fünftklässlern. Es fehle am grundlegenden, an den Grundsätzlichkeiten in der Erziehung von Haus aus. Nicht grundlos aggressiv zu sein, einfach mal konzentriert für zehn Minuten stillsitzen können, Grenzen zu akzeptieren, die andere ziehen. Und die das berichten, das sind Leute, die nicht an sozialen Brennpunkten in Berlin tätig sind, sondern in ländlichen Gegenden. Vor allem sind es Menschen, die selbst Kinder haben und denen man durchaus abnehmen kann, dass sie die Dinge einschätzen können.

2. Kinder brauchen Mutter und Vater, die Zeit für sie haben.
Völlig unpopuläre und chancenlose Wahrheit. Es geht mir auch nicht darum, Frauen einen Vorwurf zu machen, die einfach mit Kind sitzengelassen wurden und denen ja gar nichts weiter übrig bleibt, als allein zu erziehen und zu versuchen, über die Runden zu kommen. Es geht mir auch nicht um Frauen, die in der privilegierten Lage sind, über ein soziales Netzwerk und genügend Geld zu verfügen und so ihren Alltag als alleinerziehende Mutter, die berufstätig ist, mit Bravour zu organisieren. Das ist doch alles wunderbar. Das will ich niemandem wegnehmen. Aber im Endeffekt liegt es doch auf der Hand, dass man für Kinder ZEIT braucht, und dass Kinder tatsächlich idealerweise einen Vater plus die Mutter brauchen um ihre jeweiligen sozialen Fähigkeiten ausagieren zu können. Dass sie stabile Verhältnisse brauchen, Sicherheit und zuverlässige Bezugspersonen.
Ich denke mir das nicht aus, es wird mir auch von Müttern so bestätigt.
Auch kein politisch korrektes Thema. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Thema einfach mal jemand NORMALES bearbeiten sollte, und nicht gerade Eva Herman.
Es geht mir darum, dass die bewusste Entscheidung für ein Kind überhaupt nicht mehr in der öffentlichen Debatte steht. In der Debatte steht lediglich, wie man sein Leben mit Kind als unter ferner liefen gestalten und sich trotzdem berufliche Bestätigung holen kann, möglichst ohne auf Prestige und Geld zu verzichten.
Warum, weiß ich nicht.

3. Multi-Kulti Integrationsbemühungen. Ich habe dank meines Hauses in Marokko und dank eines Studienaufenthaltes in Syrien interkulturelle Kompetenzen für Nahost erworben. Ich weiß, und ich habe den Einblick, wie diese Gesellschaften funktionieren. Sie funktionieren in einem guten Sinne auf der Basis sozialer Netzwerke. Sie haben gewisse Vorteile. Ich weiß aber auch, und ich habe die Erfahrung, dass es, wenn es um Ziele geht, die man erreichen möchte, und sei es nur, dass man verhindern möchte, dass ein Nicht-Muslim und Europäer etwas mit einer Muslima anfängt, dass dann ganz schnell sechs sieben Zeugen aufgetrieben werden, die einen völlig unbescholtenen Europäer mittels Falschaussagen in den marokkanischen Knast bringen können.
Das funktioniert übrigens im Immigrantenmilieu in Deutschland auch. Es werden mithilfe gewisser Netzwerke Bürgen aufgetrieben, die, um welches Ziel auch immer zu erreichen, sei es Geld, sei es die Verteidigung der Ehre, die Wahrung eines gewissen Status etc. sich um die Wahrheit und die GRUNDRECHTE ANDERER nicht kümmern. Ich will gar nicht sagen, dass in Europa nicht gelogen wird, aber ich sag mal in dieser Gewohnheitsrecht-mäßigen Form doch eher weniger. Und vielleicht, unter Vorbehalt, auch mehr gegen anonyme Institutionen, und nicht gegen konkrete Menschen.

Ich bin sehr für political correctness. Ich sage Schwarze und nicht Neger, ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal postulieren muss, dass Israel gerade übertreibt mit seiner repressiven Palästina-Politik. Ich halte Gedenktage für wichtig und ehre meine Ahnen, die im Widerstand waren.
Ich hoffe immer, dass meine Vorurteile, die ich habe, vielleicht nur Vorurteile sind und nicht mehr. Aber ich sehe es auch nicht mehr ein, dass man Fakten unter den Tisch fallen lassen soll, die der Realität entsprechen und mit denen sogar mittlerweile Experten und Wissenschaftler d'accord gehen.
sumuze - 28. Mrz, 23:50

Ich stimme dir zu,

Wort für Wort. Und, obwohl der Inhalt deiner Aussagen eher zum Weinen ist, habe ich über deinen letzten Satz Tränen gelacht. Ein toller Beitrag, meine uneingeschränkte Hochachtung!

ElsaLaska - 29. Mrz, 00:15

hmpf ?
Nojo. Danke :-)
Harki (anonym) - 28. Mrz, 23:54

Na, der Eintrag wird sicher noch genug Aufregung hervorrufen, da kann ich mir zu Anfang eine destruktive Bemerkung erlauben: Ist Dir mal aufgefallen, daß "politisch korrekt" eigentlich ein Un-Begriff ist? Insofern nämlich kein Mensch von sich selbst behauptet "politisch korrekt" zu sein? (Es sein denn vielleicht, er rege sich gerade -- wie Du hier -- über PC auf.)

Das Phänomen "PC" ist natürlich da, aber eben nicht der Begriff. Lorenz Jäger hat vor einiger Zeit sehr schön im Frankfurter-Feuilleton über dieses Paradoxon geschrieben.

ElsaLaska - 29. Mrz, 00:14

ICH behaupte von mir, politisch korrekt zu sein.
Das steht im letzten Absatz. Zumindest, dass ich mich bemühe. Dass ich meine Vorurteile versuche, als solche zu identifizieren. Dass ich nicht versuche, alle über einen Kamm zu scheren und nur zu wettern. Aber es gibt nun mal gewisse Symptome in Hinsicht Kindererziehung, in Hinsicht generell in dieser Gesellschaft, wo man schon denkt, also liebe Leute, es herrscht Erziehungsnotstand, es gibt Gegengesellschaften in Deutschland und es gibt eine Debatte wo einerseits Frauen verunglimpft werden, die zuhause bleiben, und andererseits genauso Frauen verunglimpft werden, die mit Kind arbeiten gehen.
Und wenn man genau hinschaut, dann werden all die Frauen beschimpft, die das eine wie das andere aus FREIER Entscheidung tun. Sobald ja aber das Argument kommt: Ja wir müssen aber beide arbeiten gehen, mein Mann und ich, sonst können wir die Miete, das Auto, den Fernseher, die Handys nicht zahlen, dann herrscht ein gewisses Verständnis, Geseufze, hach das Leben ist so schwer. Alles ist so teuer geworden! Jetzt haben sie schon Kinder und müssen schauen, wie sie über die Runden kommen, die Armen.
Das ist der völlig falsche Ansatz. Es müsste vielmehr unterstützt werden, dass Männer wie Frauen sich BEWUSST für Kinder entscheiden, und nicht als defensive REAKTION, weils eben passiert ist und sie nun irgendwie ihr Budget damit in Einklang bringen sollen oder halt Hartz IV beantragen müssen.
Der Feuilleton-Begriff political correctness interessiert mich eigentlich zweitrangig innerhalb der genannten Problematik, nur als Phänomen, als Reaktion auf die Nennung gewisser Realitäten.
Aber das ist grundfalsch.
Kinder-sind-unschlagbar (anonym) - 29. Mrz, 12:19

Es wird nicht mehr lange dauern, bis unsere Gesellschaft erkennt, dass man solche Wahrheiten nicht auf Dauer ignorieren kann.

Punkt 1 und 2 hängen ja zusammen, d.h. 2 ist die Ursache und 1 die daraus folgende Wirkung. Insofern hatte Eva Hermann nicht ganz unrecht. Aber sie konnte nicht ernst genommen werden, weil sie zu extrem war. (Genauso wie Frau Pauli nicht unrecht hatte, den Sturz Stoibers ausgelöst hat und trotzdem nicht CSU Vorsitzende werden konnte... .-))

virtualmono - 31. Mrz, 02:02

Das "Problem" Eva Hermann basiert doch gerade auf dieser vermaledeiten "political correctness" (wieder so ein - sorry , aber ist so - absoluter Blödsinn aus Amiland), nämlich der traurigen Wahrheit, daß man in diesem unserem Lande im TV nicht mal mehr "Autobahn" sagen darf ohne aus der Sendung geworfen zu werden. Komisch, daß so wenige *das* als den eigentlichen Skandal erkennen - dazu sind wohl alle schon viel zu politisch korrekt... nicht, daß ich Frau Hermanns Ansichten unbedingt teile, aber ihr unfreiwilliger Abgang bei Kerner ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie weit sich das alles schon in die falsche Richtiung entwickelt hat.
ElsaLaska - 31. Mrz, 02:08

Hm, also zu dem Rauswurf bei Kerner habe ich mich ausführlich echauffiert, wenn ich jetzt noch fitter wäre, könnte ich sogar den Beitrag auf dem Blog hier in den Kommentar verlinken. Das Problem war, wenn ich mich recht erinnere, dass man nicht "Autobahn" sagen darf, wenn Senta Berger und Schreinemakers dabei sitzen. Vielleicht suche ich den Post von damals noch raus.
virtualmono - 31. Mrz, 02:15

Danke - ich kann bei Gelegenheit aber auch selbst suchen - sollte jetzt sowieso langsam mal ins Bett verschwinden ;-)
ElsaLaska - 31. Mrz, 02:18

Außerdem hatte ich ein Stück weiter oben schon gesagt, um was es mir geht: Herman postuliert einfach zu absolut. Sie hat sich bekehrt und für sie gilt einfach nur noch Zuhause Bleiben und Mutter sein, alles andere ist in ihren Augen nicht das moralisch Richtige. Sie muss das so sagen, weil sie ja psychologisch eine Kehrtwende gemacht hat und jetzt ihre "Verfehlungen" damals als Karrierefrau irgendwie überwinden muss, in dem sie andere missioniert.
Aber Fakt ist doch in meinen Augen folgendes:

"Und wenn man genau hinschaut, dann werden all die Frauen beschimpft, die das eine wie das andere aus FREIER Entscheidung tun. Sobald ja aber das Argument kommt: Ja wir müssen aber beide arbeiten gehen, mein Mann und ich, sonst können wir die Miete, das Auto, den Fernseher, die Handys nicht zahlen, dann herrscht ein gewisses Verständnis, Geseufze, hach das Leben ist so schwer. Alles ist so teuer geworden! Jetzt haben sie schon Kinder und müssen schauen, wie sie über die Runden kommen, die Armen.
Das ist der völlig falsche Ansatz. Es müsste vielmehr unterstützt werden, dass Männer wie Frauen sich BEWUSST für Kinder entscheiden, und nicht als defensive REAKTION, weils eben passiert ist und sie nun irgendwie ihr Budget damit in Einklang bringen sollen oder halt Hartz IV beantragen müssen."
virtualmono - 31. Mrz, 02:59

Ich habe den Eintrag gefunden (die Suchfunktion funktioniert bestens) und sehe, daß wir da ja konform gehen.

Zum Thema: Natürlich wäre es wünschenswert, wenn man sich vor der Elternschaft überlegt was man da tut und vor allem was man tun wird wenn das Kind dann da ist, keine Frage. Und mir erscheint es sogar logisch, daß ein Kind seine Mutter braucht - zumindest in den ersten Jahren - und daß man vielleicht darüber nachdenken sollte ob es sich wirklich lohnt, für das Geld das man dann wieder für den Kindergarten bezahlt arbeiten geht oder vielleicht auf ein klein wenig überflüssigen Luxuis verzichtet, um mehr Zeit für die Kinder zu haben. Als selbst "passiertes" Kind einer alleinerziehenden Mutter kenne ich das allerdings bisher auch nur aus der Perspektive des Kindes (und das ist lange her und Muttern inzwischen verstorben), um das sich dann eben die Oma tagsüber gekümmert hat weil ja irgendwo das Geld herkommen - also Mutter arbeiten gehen mußte.
ElsaLaska - 31. Mrz, 03:10

Ja, ist blöd mit der Zeitumstellung, man will nicht ins Bett, wenn man nicht wirklich muss :-)
Zunächst, du hattest die Oma, das haben viele nicht mehr.
Dass mein Ideal zur Elternschaft Illusion ist, hatte ich ja angemerkt. Die Realität sieht anders aus. Und die Zahl derjenigen Frauen, die unglaublich gerne eine intakte Familie hätten mit allem was dazu gehört, aber eben einfach von ihrem - Typen - sitzengelassen werden, ist Legion. Die können sich weiß Gott nichts mehr raussuchen, und das kreide ich auch Frau Herman an, die ja in einer privilegierten Situation sondersgleichen ist.
In der heutigen Gesellschaft ist es nicht mehr üblich, den Frauen Freiraum zu lassen. Wer zuhause bleibt und nicht arbeiten geht, wird verschrien als faule Schlampe, die sich schwängern lässt und wer arbeiten geht, ist die erbarmungslose Rabenmutter. Bzw. wird genötigt, arbeiten zu gehen um einem sozialen Ideal der berufstätigen frei- und selbstbestimmten Mutter zu genügen. Von den Männern wird bei all diesen Kampagnen merkwürdigerweise wieder einmal gar nichts eingefordert. Es scheint sie nicht zu geben.
virtualmono - 31. Mrz, 03:27

Ich muß um 7 wieder raus (weil ich blöderweise um 8:30 einen Arzttermin ausgemacht habe) - macht aber nix, dafür habe ich heute den halben Tag geschlafen.

Hmm - normalerweise zahlen die Väter ja schon wenigstens - und es gibt auch genug, die sich um ihre Kinder kümmern, auch nach einer Trennung bzw. Scheidung. Das kann man alles nicht so pauschal betrachten. Und was den Freiraum angeht - ich sagte ja bereits, daß sich da so einiges in die falsche Richtung entwickelt hat (und leider geht es so weiter)... an sich müßte hier schon eine Revolution toben - die letzten Wahlen sprechen ja auch so schon eine deutliche Sprache, das Volk ist unzufrieden, anscheiunend noch nicht unzufrieden genug, aber es wird nicht besser... So, jetzt haue ich mich aber noch ein wenig hin.
ElsaLaska - 31. Mrz, 03:37

Schlaf schön. Das meine ich ganz lieb.
Natürlich kann man nicht pauschal alles irgendwie abdecken, aber wenn du den Ursprungseintrag liest, wirst du auch sehen, dass ich mich auch gerade gegen Pauschalitäten der "öffentlichen Meinung" richte, die ich weitaus gravierender finde. Ich habe immer betont, dass gerade Frauen in spezifischen Situationen unter Pauschalurteilen leiden, die es eben noch schlimmer machen. Und vor allem, das was ich sehe durch meinen Beruf, das ist NICHT pauschal. Das sind die Punkte 1 und 2 meines Ursprungseintrags. Es gibt soziale Verlierer in dieser Gesellschaft, die vor 30 Jahren keine gewesen wären. Es gibt die kaum volljährigen Mütter, allein gelassen, mit nichtmal Hauptschulabschluss (!) , also chancenlos, alleinegelassen sowohl vom Typen als auch von der Familie.
Das ist leider meine berufliche Realität und keine pauschale Betrachtung.
Und hm, nee. "Normalerweise" zahlt das Jugendamt. Und bitte, was sind schon (eventuell ) zahlende Väter für ein Fortschritt in der Erziehungsmisere?

Kinder können SO toll sein!
Aber ich kriege immer nur genervte Mütter und hysterische Kinder im Supermarkt, im Restaurant mit. Von verwahrlosten und aggressiven Jugendlichen mal ganz zu schweigen.

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