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Der Vatikan und die Blogger - Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Poetische Pilgerorte-Reisen ins mystische Mittelitalien. Erschienen im MM-Verlag.


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La bella Germania.

Mir ist, ganz nebenbei, etwas aufgefallen. Viele Italiener, manche davon kenne ich gar nicht persönlich, haben mir heute bei Begegnungen auf der Straße oder in der Bar beim aperitivo zum Sieg gegen England gratuliert. Dabei fiel mir ein winziges Detail auf: Wenn die Italiener sagen wollen, etwas sei gut, buono oder bene oder benissimo, so habe ich das praktisch bisher nur gehört, wenn es um das Essen ging und der Ober nachfragte, ob es geschmeckt hat. [Nein, da muss ich ergänzend doch korrigieren. Es heißt im Gebet bei der Messe: E cosa buona e giusta - nicht: E cosa bella e giusta, wo es bei uns heißt: Es ist würdig und recht ... ]
Wenn die Italiener dagegen über allgemeine Dinge sprechen, die sie schön und gut finden , egal ob es nun um die Qualität eines Fußballspiels oder den Hund geht: Bello, bella, bellissimo ist das Wort der Wahl. Bellissimo meint dabei auch nicht unbedingt, dass irgendetwas "am Schönsten" ist, sondern es meint gleichzeitig, dass irgendetwas hervorragend gut ist.
La Germania habe schön -bella - gespielt, meint tatsächlich eben auch, sie haben gut gespielt. Wenn die Rede davon ist, dass La Germania bellissimo gespielt habe, dann haben sie nicht am schönsten gespielt, sondern herausragend gut. Was ist das für eine Sprache, in der das Gute und das Schöne noch so eindeutig nah beieinanderliegend identifiziert werden? Nachgerade im Platonischen Sinne?
Hat das schon mal jemand untersucht? Josef Bordat, ich glaube, das könnte ein Topic für dich sein.
Johannes (Gast) - 29. Jun, 07:04

schön und gut

Oh ja, Josef, mach mal. Ich schreibe auch was drüber. Passt glaub ich in meine Summe und vielleicht noch vor meiner Romreise.
Danke Elsa, für den Gedanken. So ein katholischer Nischenschreiber wartet ja immer auf sowas.

fbtde - 29. Jun, 07:41

Sehr schön, Elsa. Vielleicht meinen sie ja "schön" im Sinne von "herzensschön"? Etwa so, dass der/die Liebste immer der Schönste Mensch der Welt ist?

ElsaLaska - 29. Jun, 10:25

Ja, schön ist immer herzensschön in Italien, das schwingt da mit. Und jetzt fällt mir noch was ein: Buono - also gut, wird gern gedoppelt: Buono-Buono. Das fragen sie immer, wenn sie wissen möchte, ob der Hund brav ist. Gut hat hier auch den Sinn von gutmütig, friedlich und lieb. Gibts bei uns so ähnlich auch, wenn man sagt: Ich bin dir gut - sagt heute aber keiner mehr...
Johannes (Gast) - 29. Jun, 08:40

Schönheit und Gutheit

...hab schon einen kleinen Beitrag geschrieben. Allerdings in der Methode der Summe, an der ich arbeite: Jeder Text bei Fertigstellung exakt zweitausend Anschläge lang und schnell, das heißt, nur mit einer kurzen Korrektur geschrieben.

Bitte also nicht an Deiner soliden Tiefe und Durchdachtheit messen, lieber Josef. Mein Schreiben ist so unstet, wie meine Person.

Josef Bordat (Gast) - 29. Jun, 09:28

Wenn man mich so nett bittet...

Ja, ja – das Schöne und Gute fallen bei Platon tatsächlich in eins. Man sagt ja manchmal: „Schön und gut!“, vor allem, wenn etwas nicht „schön“ und/oder „gut“ ist. Dass die Kombination von Schönheit und Güte nur noch als ironischer Sarkasmus vorkommt, hat etwas damit zu tun, dass sich im Denken der Neuzeit weitgehend die aristotelische Analyse mit dem Ziel der Besonderung gegen die platonische Synthese mit dem Ziel der Zusammenführung durchgesetzt hat – auch dann, wenn es um das Ganze geht. Man kann das als kulturelles Phänomen bei der „Love Parade“ beobachten: Alle machen mit, aber jeder für sich.

Man glaubt (mit der Erkenntnistheorie Kants) nicht mehr, dass man überhaupt erkennen kann, was „schön“ und was „gut“ ist und meidet (mit dem Positivismus der Sprachphilosophie) diese Begriffe als „metaphysisch“ (das ist ein Schimpfwort, Synonym: „mittelalterlich“) wie Beckham den Elfmeterpunkt und die Argentinier den Frisör. Man spricht lieber von Systemen, Funktionen, Nutzen usw.

Bei Platon kommt allerdings noch das Wahre zum Schönen und Guten hinzu. Das Wahre ist das Gute ist das Schöne. Und zurück auch. Hier wird es nun problematisch – Signore Capello und Uwe Seeler wissen, wovon ich spreche. Denn auch ohne die unmittelbare Wahrheitsschau des platonischen Philosophen, der die himmlische Idee sieht, nicht deren irdische Erscheinung, konnte man... ich sag mal: „ahnen“, dass Lampards Schuss... Liebe Engländer, ich würde sagen: Wir sind quitt!

Übrigens bestimmt Platon das Schöne nicht an absoluten Maßstäben, sondern nennt es vielmehr das „Passende“. Würden wir platonisch denken, gäbe es wohl keine Schönheitschirurgen, die Amerikas Mündern die Einheitsoberlippe aufspritzen. Allerdings greift diese subjektivistische Bestimmung im Hinblick auf den Wahrheitsbegriff zu kurz greift bzw. gibt sie allenfalls das Konzept des Wahren in den Medien des 21. Jahrhunderts wieder: Wahrheit ist (höchstens) intersubjektive Bestätigungsfähigkeit, wobei die Subjekte der Autor und seine Zielgruppe sind, Motto: Was ich schreibe, muss stimmen, zur Stimmung passen. Dann krieg ich irgendwann meine Festanstellung.

Ach, und das Lob der Italiener freut mich, sei es nun „schön“, „gut“, „wahr“ oder sonst was. Im Kontext mit „Germania“ ist das nach dem Halbfinale 2006 so etwas wie ein Friedensangebot. Ich hatte zum Zeitpunkt des Endspiels 2006 eine Tagung in Rom, kam dort am Tag nach dem verlorenen Halbfinale müde und frustriert an und las als erstes die Schlagzeile „Due Pizze a casa!“ Oder so ähnlich. Als Entschädigung hatte ich die einmalige Gelegenheit, das WM-Endspiel auf dem „Public Viewing“-Gelände des Circus Maximus zu erleben. Und die Party danach. Bella. Buona. Aber, Materazzi: Wohl nicht ganz giusta...

So, jetzt wird erst mal gefrühstückt. Vor mir liegt ein schweres Spiel gegen Portugal. Vamos!

JoBo

ElsaLaska - 29. Jun, 10:37

Lieber Josef, vielen Dank! Die kuriosen Einsprengsel sind eine gute Mischung, um die philosophischen Passagen überraschend zu durchbrechen. Das Stilmittel hat einen Namen, aber ich habe ihn vergessen ...
Jedenfalls, was die Italiener betrifft: Kein einziger Italiener würde es wagen, mir gegenüber zu behaupten, dass Deutschland einen Scheiß gespielt hat, wenn Rasul neben mir steht.
Johannes (Gast) - 29. Jun, 12:59

yea

Udo Lindenberg meinte, alle Tage seien gleich lang, jedoch verschieden breit. Etwas seriöser geworden, wandel ich das gern ab. Lieben Dank, werter Josef. So gings gleich heute früh schon mal in die Tiefen und Höhen der Metaphysik. Liebe das!

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cantare

noch einen Hölderlin,...
An die Unerkannte (gekürzt) Kennst du sie, die...
Johannes (Gast) - 16. Mai, 17:37
Auf dem Film aus N-R....
Auf dem Film aus N-R. wimmelt es geradezu von BloggerkollegInnen.
johannes (Gast) - 16. Mai, 07:48
Hw. Jolie rockt!
Und das sage ich gern jedem, der es hören will....
Gertie (Gast) - 15. Mai, 22:43
Schade, dass sie den...
Schade, dass sie den hochwürdigsten Herrn Prälat...
sophophilo (Gast) - 15. Mai, 22:23
Hölderlin Nachtisch???...
Hölderlin Nachtisch??? Aber dennoch, gern ;-)...
L. A. (Gast) - 15. Mai, 21:14
Traurig schön. Oder...
Traurig schön. Oder schön traurig.
Il capitano (Gast) - 15. Mai, 20:15
schnief!
und zum Nachtisch bitte einen Hölderlin.
Johannes (Gast) - 15. Mai, 19:43
@ Gast es stimmt!
Ich habe hier neben mir eine Printausgabe des Programms...
Ester (Gast) - 15. Mai, 19:26
Schade
Oh schade. Wäre sehr gern bei der heiligen Messe...
Johannes (Gast) - 15. Mai, 18:37
Tja, so isses.
Eine heilige Messe als "geistliches Angebot" (stimmt...
@Ester (Gast) - 15. Mai, 18:37
@all
Ja wirklich herzlichen Dank allen für die schöne...
ElsaLaska - 15. Mai, 17:20
Beuys versucht auf durchsichtige...
Beuys versucht auf durchsichtige Weise, die Rede vom...
Damian (Gast) - 15. Mai, 17:06

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