Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

elsalaska[at]tiscali[punkt]it

ufficio

Du bist nicht angemeldet.

Aus den Konzilsprotokollen.

>>Ich bin der Letzte [der spricht], aber ich bin alt, der Älteste in eurer Mitte, und vielleicht habe ich wenig begriffen; daher seht es mir nach, wenn euch einige meiner Ausführungen nicht gefallen dürften. Ich habe viele Bemerkungen und Vorschläge gegen die erhaltenswerte heilige Tradition des Gebrauchs der lateinischen Sprache in der heiligen Liturgie gehört und viele Worte sind für mich Anlass von Furcht und Sorge gewesen. Das möchte ich hier kurz darlegen, wobei meine Rede nicht auf theologischer, sondern auf historischer Basis fußt. Die antiliturgische Bewegung sagt mir aufgrund ihrer Ursprünge nicht zu. Es ist immer von großer Bedeutung, die Aufmerksamkeit auf die Ursprünge von Familien, Institutionen, Gegebenheiten, Lehren zu lenken: wer der Vater ist, wer die Mutter, wer der Führer. Wenn die Quelle [der Ursprung] zu Beginn gesund gewesen ist, so wird sie auch im Verlauf der Zeit problemlos gesund bleiben. Wenn die Quelle verunreinigt war, so wird sie nur schwer rein werden. Indem ich mich auf diese Prinzipien stütze, möchte ich den Ursprung der antiliturgischen Bewegung ins Auge fassen: ihre Väter, ihre Führer.
Diese Bewegung hat am Ende des 15. Jh. und zu Beginn des 16. Jh ihren Anfang genommen. Die ersten Antiliturgiker waren die Humanisten, wahr und echte Heiden in Italien, besser gesinnte in Frankreich und in den nördlichen Ländern unter Führung von Erasmus, aber doch alle im Glauben schwankend. Ihnen sind viele unserer Brüder im Wettstreit gefolgt, die sich später von der Katholischen Kirche getrennt haben. Aus ihnen sind die Jansenisten hervorgegangen, in Italien die Anhänger der Synode von Pistoia und zuletzt die Modernisten: dies ist die Gesellschaft, an die viele ihre Art zu reden angleichen.
Auf der Gegenseite findet sich kein heiliger Bischof, der diese Bewegung gefördert hätte. Vom hl. Carlo Borromeo bis zum hl. Antonio Maria Claret, vom hl. Franz von Sales bis zum hl. Alfons, alte wie neue, alle haben an der lateinischen Tradition festgehalten. Dieser Sachverhalt muss uns bei der Vorstellung von Neuerungen zur Vorsicht mahnen. Schnell verlässt man den "alten Weg", der sicher ist; aber die neuen Gedanken, was für Abgründe können sie uns bereiten und auftun!
Erasmus schrieb im Vorwort zu seinem Evangelium des hl. Matthäus wie folgt: "Es erscheint unpassend und lächerlich, wenn die einfachen Leute und die Frauen die Psalmen und die Sonntagsgebete wie Papageien in ständiger Wiederholung dahermurmeln, während sie ihre Bedeutung nicht verstehen."
Die Universität von Paris verurteilte dieses Urteil, das einfach und berechtigt erscheint, als gottlos, irrig und neue Irrtümer begünstigend; man lese Duplessy.
Diese Verurteilung erscheint uns übertrieben, doch war sie prophetisch. Alle diejenigen, die eine wie auch immer geartete Reduzierung der lateinischen Sprache in der Liturgie gefordert haben, bringen, in der Vergangenheit wie heute, dieselben Gründe vor: so könne man das Volk besser unterweisen und zu einem stärkeren Glauben und einer größeren Gottesliebe anregen.
In der Confessio Augustana wurde nichts weiter verlangt als der Gesang des Volkes in der Volkssprache während der Feier der Messe. Aber was geschah? Die generelle Einführung der Volkssprache in der Messe war der erste Akt der Trennung von der Heiligen Mutter Kirche. Diese harte Feststellung stammt nicht von mir, sondern von Abt Dom Guéranger, der wahrhaft der Vater der liturgischen Erneuerung ist. Hier also seine Worte:
"Die Trennung von der liturgischen Sprache aus einem unerklärlichen Motiv, welches wir nicht kennen, hat fast immer, auch bei Erhalt eines Dispenses vom Hl. Vater, zum Schisma und zur völligen Trennung von der katholischen Kirche geführt." Er beweist diese Feststelunng auch, wie man im 3. Band seiner "Institutions liturgiques" nachlesen kann. Diese Worte, diese Tatsachen müssen uns in dieser so wichtigen Angelegenheit extrem vorsichtig machen.
Ich werde kurz einen evidenten dritten Grund anführen: die Treue, die die Bischöfe, mehr als alle anderen, dem Heiligen Vater stets zu erweisen haben. Seite nahezu fünf Jahrhunderten haben die Päpste den Bitten, Mahnungen und Drohungen fest widerstanden und die lateinische Sprache in der heiligen Liturgie verteidigt. In jüngerer Zeit, von Leo XIII. bis zum regierenden Heiligen Vater, haben sie sich in verschiedenen Apostolischen Schreiben für die Notwendigkeit der lateinischen Sprache in der heiligen Liturgie ausgesprochen.
Liebe Brüder, sind diese Anweisungen nur Ratschläge oder beinhalten sie einen Auftrag? Gegensätzliche Diskussionsbeiträge sind erlaubt; doch erscheint es mir richtig, wenn sie leise und in gehorsamer Unterordnung unter den Heiligen Vater geschehen. Wir alle wünschen, dass die heutigen Menschen bessere Christen werden. Setzen wir uns alle dafür ein, dieses Ziel zu erreichen? Die Geschichte lehrt uns in der Tat, dass die Heiligung der Seelen mit der Liturgie verbunden sein kann, doch dass sie vor allem unsere Heiligkeit, unserer Glaubenskraft, den Heroismus des Apostolates, Gebetsgeist, Reue und auch jene große äußere Hingabe erfordert, die das Volk zu Gott führt. Seht mir meine Kühnheit nach und betet auch für mich!<<

Stellungnahme von Mons. Giovanni Battista Peruzzo, Bischof von Agrigent, a 29. Oktober 1962, zitiert aus Acta Synodalia sacrosancti Concilii Oecumenici Vaticani II in:
Roberto de Mattei: Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine bislang ungeschriebene Geschichte. Edition Kirchliche Umschau, S. 278 ff.

[De Mattei hält dazu fest, dass Peruzzo für diese Rede von den "Progressisten" in der Aula verlacht worden sei.]
Puntualizzazione (Gast) - 15. Jan, 16:42

Hermeneutik des Bruchs

Roberto de Mattei ist und bleibt eben ein knallharter Vertreter der - von Armin Schwibach als häreitsch qualifizierten - "Hermeneutik des Bruchs". Diesen Weg lehnt Benedikt XVI. zurecht ab. Ich empfehle als Einstieg eher die Lektüre von Tromps Konzilstagebuch, dessen 2. Band mir mittlerweile vorliegt. Sehr lesenswert schon das von Teuffenbach vorangestellte Interview mit Tromp vom August '63, besonders seine kluge Antwort auf die Frage: "Muss man nicht sagen, dass im Konzil verschiedene Richtungen und Strömungen in der Kirche zu Tage getreten sind und sich verschiedene Flügel gebildet haben?" Gerade zur Geschichte von LG unentbehrlich auch immer noch die große Diss. von Stefano Alberto. Das Buch von Mattei ist dagegen noch wertloser als die bekannte Darstellung von Pesch. Also: Obacht!

Imrahil (Gast) - 15. Jan, 16:49

Ich weiß nicht, was Armin Schwibach so genau sagt, aber das weiß ich schon: Daß die Aussage "die Konzilsväter haben sich in unklug großem Ausmaß mit Neuerungen in der Disziplin und der Lehrfokussierung beschäftigt bzw. das geduldet", ob nun richtig oder falsch, keine Häresie ist. Mit Wörtern wie Häresie ist vorsichtig umzugehen.
Puntualizzazione (Gast) - 15. Jan, 17:04

Ich stimme A. S. in diesem Punkt auch nicht zu. :-) Ebensowenig der von dir in Anführungszeichen gesetzten Aussage. ;-)
L. A. (Gast) - 15. Jan, 18:40

Obacht??

Ich würde voraussetzen, daß de Mattei sein Buch mit wissenschaftlicher Akribie und Redlichkeit verfaßt hat.
Sollte jemand Zweifel - in toto oder Einzelpunkten- daran haben, wäre sachlicher Widerspruch vorzutragen.
Warnungen vor dem Buch, die letztlich dem Autor eine falsche Gesinnung unterstellen, werden auch dadurch nicht glaubwürdiger, daß man behauptet, der Heilige Vater sähe das wohl genau so. Ich bin mir ganz sicher, er würde sich selbst äußern, wenn er dieses Buch als "nicht hilfreich" betrachtete.
Solange man also de Mattei keine handwerklichen Fehler nachweisen kann, traue ich Lesern durchaus eine eigenständige Einordnung zu.

(Mir war gerade so, als hätte ich oben im Post nur die Dokumentation einer - aufschlußreichen- Stellungnahme Mons. Peruzzis gelesen)

ElsaLaska - 15. Jan, 19:04

@L.A.

Eigentlich hast Du in der Tat einfach einen Auszug aus der betreffenden Acta Synodalia sacrosancti Concilii Oecumenici Vaticani II gelesen.
Inwiefern jetzt die deutsche Übersetzung passt, kann ich natürlich nicht beurteilen.
str - 15. Jan, 22:31

Die Rede ist ja auch voller Irrtümer und außerdem nicht wirklich passend.

1. Wurde das Lateinische in die Liturgie eingeführt, damit die Gläubigen verstünden, was gebetet wurde. Es kann also nicht als Argument gegen einer weiteren Öffnung gegenüber Volkssprachen dienen. (Und nebenbei, beschränkt der Bischof seinen Blick - mal wieder- nur auf den Römischen Ritus!)

2. Die Confessio Augustana ist von zweifelhafter historischer Relevanz, denn sie war ein (nicht erfolgreicher) Versuch Melanchthons, durch Leisetreterei die Gegenseite zu gewinnen. Zu sagen, darin sei "nur die Volkssprache gefordert worden, ist absurd! Die Protestanten waren - auch liturgisch - schon längst von der Kirche getrennt!

3. Warum ist "Öffnung gegenüber Volkssprachen" gleich "antiliturgisch"? Und wen meint er mit "Antiliturgische Bewegung" - soll das ein Angriff auf die Liturgische Bewegung sein?

Im übrigen, hat nicht das Konzil die Pflege des Lateinischen und gleichzeitig eine behutsame Öffnung gelehrt? Die Rede ist also heutzutage nur relevant, wenn man absolut jedes nichtlateinische Wort (außer Kyrie eileison, Amen und Hallelujah) ablehnt.

ElsaLaska - 15. Jan, 22:48

@str

>>Im übrigen, hat nicht das Konzil die Pflege des Lateinischen und gleichzeitig eine behutsame Öffnung gelehrt? Die Rede ist also heutzutage nur relevant, wenn man absolut jedes nichtlateinische Wort (außer Kyrie eileison, Amen und Hallelujah) ablehnt.<<

Das war die letzte Intervention vor der Abstimmung dazu. Am Ende kam ein Kompromissdokument dabei raus, wie Du ihn beschreibst. De facto kam dann wieder etwas ganz anderes raus, als das Konzil gewollt hat. Und zwar eine verbreitete Praxis mit bestimmten Konsequenzen, die der Bischof, in welchen Teilen er auch sonst geirrt haben mag, durchaus angekündigt und vorhergesehen hatte.
str - 16. Jan, 09:33

"Konsequenzen, die der Bischof, in welchen Teilen er auch sonst geirrt haben mag, durchaus angekündigt und vorhergesehen hatte."

Mag sein, aber ich finde, daß er entweder durch falsche Argumentation "zufällig" bei diesem Ergebnis herauskam oder aber, daß er sich völlig verdreht ausgedrückt hat.

Nicht Volkssprache führt zu Liturgieverfall oder Nationalkirchentum.

Nationalkirchentum ist immer mit Volkssprache verbunden, aber es gibt auch Volkssprache in der Katholischen Kirche.

Liturgieverfall kann so gut auf Latein wie in der Volkssprache erfolgen (nur auf Lateiun merkt es fast niemand) und ebenso gut die Forderung nach Volkssprache laut werden lassen. Aber deren Einführung hebt nicht ja nicht vorher vorhandene Tendenzen auf.
Simona-Theresa (Gast) - 16. Jan, 13:59

Obacht!

Also wenn es noch eines letzten Anstoßes gebraucht hat, um das Buch zu bestellen, dann war es das Wort: Obacht!

L. A. (Gast) - 16. Jan, 14:16

@Simona-Theresa

Ja! :-)
Puntualizzazione (Gast) - 17. Jan, 11:14

Bei dem "Obacht" hab ich halt das (den?) Smiley vergessen. :-) Übrigens enthält mein Kommentar mehr als nur dieses "Obacht"... ;-)
Giovanni (Gast) - 17. Jan, 17:00

Konzilsgeschichte(n)

ich kenne bis jetzt nur Auszüge aus dem hier diskutierten Werk; habe aber den Eindruck gewonnen, dass de Matteis aiuch sehr stark mit Hintergrundgeschichten und Geschichten arbeitet, wie welches Dokument durch wessen einfluss usw. zustande gekommen ist...........
Auf diese Art, die sehr unterhaltsam ist, kommt man gar nicht weiter. Das ist genau jene, mit der manche Herren, die ich nicht gerne erwähne, um nicht gleich wieder beichten gehen zu müssen, das I. Vatikanum und v.a. das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes als grundsätzlich reversibel erachten, weil bekannt ist, dass zahlreiche Konzilsdväter vor der Abstimmung das Konzil verlassen haben, um sich vor der Abstimmung zu drücken (u.a. der Wiener Erzbischof)......
Vielleicht tue ich de Matteis auch Unreht. Aber solche Hinweise (wurde ausgelacht; ach wie furchtbar; ich bin schockiert....))..- was sagen sie uns? ja, da saßen Bischöfe und Prälaten zusammen....und das sind bekanntlich ihrem Wesen nach Menschen, unsere feminist. Theologinnen würden vielleicht sagen: noch dazu Männer--- igitt

Puntualizzazione (Gast) - 17. Jan, 17:32

Ich glaube, du bist ihm auf der Spur... ;-) Und ja, die Parallelen zur Kritik an der - sit venia verbo - "Konzilsmafia" des I. Vatikanums in bestimmten anderen Kreisen läuft parallel, ich verwies ja schon auf Haslers Buch.

Als Ergänzung: Mattei befindet sich hier in Gesellschaft von Bischof Fellay, siehe http://www.youtube.com/watch?v=MgOEgLoX3q8
Kommentar dazu von P. Prosinger FSSP:
"Die Aussage Bischof Galaretas, man wünsche für die nächsten 10 Jahre kein Übereinkommen mit Rom, wird durch den Vortrag Fellays bestätigt. Man sieht in der „Kirche“ seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht mehr die wahre Kirche Christi und hält die Päpste seit Paul VI. für Gefangene modernistischer Ideen. Wenn man bei youtube die Stichworte „Fellay“ und „Freimaurer“ eingibt, dann kann man eine Aufnahme sehen, in der Bischof Fellay in zwar ruhiger und sympathischer Weise, aber doch auf dem Niveau alter Betschwestern über die Besetzung des Vatikans durch die Freimaurer spekuliert: „Man kann es zwar nicht beweisen, aber ich glaube schon...“" (http://www.kath-info.de/fellay.html)

Und ja: Unsympathisch finde ich die Weise, wie Fellay da auftritt, auch nicht... :-)

Trackback URL:
https://elsalaska.twoday.net/stories/64035932/modTrackback

cantare

Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

attenzione

la bocca

 

About Elsa
All time favourites
Best of Benedict XVI
Blogozesanes
Breviarium Romanum
Christenverfolgung
Cooperatores veritatis
Deutschland pro Papa
Deutschland-Blog
Die Blognovela
Disclaimer
Dossier UR-FRÖDS
Eat Love Pray
Elsa fragt-Leser antworten
Gastbeiträge
Gebetszettel
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren