Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Erstklassiger Artikel zum sogenannten "selbstbestimmten Sterben"

von Christian Geyer-Hindemith auf den Seiten der FAZ.

Ein Auszug:

>>Er möchte „nicht als Pflegefall enden, der von anderen Leuten gefüttert und abgeputzt werden muss“, erklärte Udo Reiter mit geschlossenen Augen auf Plakaten, die Werbung für den Suizid machen. Welch ein Affront, nicht nur gegen die Pflegedienste und die Angehörigen, die sich kümmern, sondern auch gegen die conditio humana, die in ihrer Schwäche aufs Füttern und Abputzen schlicht angewiesen ist. Natürlich kann man sich über seine Bedingtheiten hinwegsetzen, indem man sich rechtzeitig wegspritzt oder über den Haufen schießt. Aber eine Gesellschaft, für die Selbstbestimmung nur heißt, alles im Griff zu haben, hat als Kontrollgesellschaft schon verloren, im Leben wie im Sterben.

Die Diagnose der Schwäche ist eben nicht nur eine Tatsache. Sie geht mit einer Bedeutungszuschreibung einher. Gefüttert und abgeputzt zu werden, depressiv und dement zu sein - alles kommt darauf an, in solchen Labilitäten menschliche Existenzformen zu sehen und nicht deren Degeneration. Man kann sich der beunruhigenden Frage nicht entziehen: Was bedeutet es für den Lebensimpuls einer Gesellschaft, wenn sich Selbstbestimmung in der Vernichtung des Selbst erfüllt? Hat sich da ein Autonomie-Ideal nicht ad absurdum geführt?<<

Ganzen Artikel unbedingt lesen - > hier.
gerd (Gast) - 23. Mär, 10:19

Wenn Udo Reiter nicht gefüttert und abgeputzt werden will, dann ist das ein Schlag ins Gesicht seiner Mutter und aller Mütter auf diesem Planeten. Nach seiner Logik sind das eben nur "andere Leute". Man kann gar nicht soviel essen.........

Martin (Gast) - 23. Mär, 17:14

In der Sache haben Se ja Recht. Aber da Udo Reiter bekanntlich tot ist, finde ich den Ton unangemessen. de mortuis... - zumindest in Form einer gewissen respektvollen Tonlage.
Dieter (Gast) - 23. Mär, 22:45

Wenn Du, lieber Gerd, dich gerne füttern und abputzen lassen möchtest, wird weder Herr Reiter noch sonst jemand Dir diesen Wunsch verwehren wollen.

Aber wieso hast Du ein Problem damit, wenn Herr Reiter für sich selbst eine andere Entscheidung getroffen hat und seinen Weg durchgezogen hat?
Imrahil (Gast) - 24. Mär, 12:37

Unter anderem, würde ich sagen, weil die Menschen weniger "für sich selbst Entscheidungen treffen" als es sich mancher so träumen läßt.

Das sagen sie, natürlich. Aber wie oft steckt nicht doch eine Auffassung dahinter, die der sie Habende für allgemeingültig hält?

(Nota bene: Ob jemand für die Durchsetzung dieser Allgemeingültigkeit auch zu Polizeigewalt greifen würde, gäbe man ihm die Möglichkeit, ist hier *vollkommen irrelevant*. Das moralisch Gebotene ist gleichzubehandeln mit dem naturmäßig Notwendigen; daher steht "eigentlich müßtest du wirklich" bei der Grundsatzdiskussion auf der exakt gleichen Ebene wie "du mußt, und ich zwinge dich dazu"; erst in der Praxis wird letzteres ungemütlicher.)
Dieter (Gast) - 25. Mär, 22:40

Vielleicht bin ich nicht intelligant genug um deinen Beitrag zu verstehen. Aber man könnte es doch auf die einfache Formel bringen "Jeder soll für sich und sein Leben selbst entscheiden." und "Jeder sollte dem anderen die Freiheit lassen für sich selbst zu entscheiden."

Ich respektiere es, wenn jemand gerne Jahre lang gepflegt, gefüttert, gewindelt usw. werden will. Möchte aber auch, dass anderes es respektieren, wenn ich mich zu gegebenem Zeitpunkt für mich anders entscheide und das mit dem Arzt meines Vertrauens unter 4 Augen kläre.
ElsaLaska - 25. Mär, 22:51

@Dieter

Wo ist denn bitte genau die Freiheit, wenn man keinen Ausweg mehr sieht als sich selbst umbringen möchte? Und dabei auch noch andere in Anspruch nimmt - also einen Arzt oder Dienstleister
Kannst du mir das erklären?
Imrahil (Gast) - 26. Mär, 00:29

Dieter, mein Punkt ist, daß die Leute das eben nicht tun.

Sie entscheiden nicht für sich selbst, und ganz ohne irgendwie zur Sache was auszusagen. Das mögen sie behaupten, aber so funktioniert im allgemeinen der Mensch nicht. Und man kann ihn auch nicht mit einem "du sollst" zu etwas zwingen, was er nicht kann.

Heißt konkret: Ein Mensch, der sagt "ich möchte nicht wie ein Kleinkind gepflegt werden etc. etc.", der vielleicht tatsächlich auch dazusagt "das entspricht nicht meiner Würde als Mensch", der kann noch so oft dazusagen "das ist meine private Entscheidung und ich möchte niemandem", etc., etc. - tatsächlich trifft er das ganz allgemeine (und falsche) Werturteil: "ein solches Leben ist unwürdig und sollte künstlich beendet werden". Also auch bei anderen.

[Es mag vereinzelte Ausnahmen geben. Aber wohlgemerkt: bloß daß einer zu diesem - allgemeinen - Ergebnis seiner Gewissensentscheidung andere nicht mit Gewalt zwingen will, ist *keine* solche Ausnahme - allgemein ist sie dennoch.]
Dieter (Gast) - 26. Mär, 01:46

Das finde ich eine ungeheure Unterstellung. Nur weil ich für mich entscheide, dass ich so nicht leben möchte und deshalb mein Leben (mit Hilfe eines Freundes oder Arztes) selbst beende, heisst das keinesfalls, dass ich der Meinung wäre, alle anderen Menschen in derselben Lebenssituation (Pflegebedürftigkeit) seien unwürdig und sollten getötet werden. Wie kommt man nur auf so eine Unterstellung?

Es gibt keinen Menschen, den ich für unwürdig halte oder dessen Tötung ich befürworte. Ich bin nur für individuelle Selbstbestimmung des einzelnen Menschen über sein eigenes Leben.


@Elsalaska

Es gibt leider Situationen, aus denen es keinen Ausweg mehr gibt. Die Freiheit besteht eben darin, dass man sein Leben nicht zwingend weiterleben muss, wenn die Lebensumstände unerträglich sind.

Ich bin der Meinung, dass es sich dabei um eine absolut persönliche, intime Entscheidung handelt, die man mit sich selbst und mit den engsten Angehörigen ausmachen muss.
gerd (Gast) - 26. Mär, 08:14

@Dieter

"Wenn Du, lieber Gerd, dich gerne füttern und abputzen lassen möchtest,"

Wo lieber Dieter, wird aus meinem Post deutlich, dass ich mich gerne füttern und abputzen lassen möchte?

"Aber wieso hast Du ein Problem damit, wenn Herr Reiter für sich selbst eine andere Entscheidung getroffen hat und seinen Weg durchgezogen hat?"

Ich habe ein Problem damit, dass Herr Reiter, Gott hab in selig, seine Mutter als "anderer Leute" bezeichnet. Das haben unsere Mütter nicht verdient, die ja aus Liebe putzten und fütterten, als wir unsere Windeln noch unkontrolliert gefüllt haben.
Dieter (Gast) - 26. Mär, 13:53

@Gerd

Wo bezeichnet Reiter denn seine Mutter als "anderer Leute"?

Was Reiter spricht doch davon, dass er als erwachsener, selbstbestimmter Mensch durch Alter oder Krankheit in eine Situation versetzt wird, in der er seine Autonomie weitgehend verloren hat und nicht mehr selbst essen, sich nicht mehr waschen, seine Ausscheidungen nicht mehr kontrollieren kann etc.. Er müsste sich dann von anderen Leuten (Pflegerinnen) füttern, waschen, windeln und den Hintern abwischen lassen. Und das wäre das für ihn so unerträglich, dass er dieses Leben in dieser Form nicht mehr weiterleben möchte, sondern es vorzieht sein eigenes Leben vorher zu beenden.

Ich kann das verstehen und respektiere die Entscheidung, die Herr Reiter für sich selbst persönlich getroffen hat, wahrscheinlich auch in Absprache mit seinen engsten Angehörigen.

Das ist halt etwas ganz persönliches und geht meiner Meinung nach auch sonst niemanden was an, weder den Staat noch sonst wen.
gerd (Gast) - 26. Mär, 14:48

@Dieter

Sowie ich Herrn Reiter verstehe mochte er nicht als Pflegefall enden, obwohl er als Pflegefall angefangen hat. Das ist ziemlich schräg, oder finden sie das nicht? Die Frage nach einem eigenen Leben und was daran wirklich eigen ist, könnte man ja in einem gesonderten Thread erörtern. So wie ich das sehe, hat weder Herr Reiter noch sie oder ich das Leben selbst gewollt oder sich zu eigen gemacht.
Imrahil (Gast) - 26. Mär, 17:20

Dieter, was ich meine ist nicht

>>nur weil ich für mich entscheide, dass ich so nicht leben möchte und deshalb mein Leben selbst beende, bin ich auch der Meinung, alle anderen Menschen in derselben Lebenssituation (Pflegebedürftigkeit) seien [recte: in einer] unwürdig[en Situation] und sollten [*gegen ihren Willen*] getötet werden,

sondern

* weil ich für mich entscheide [etc.], denke ich gleichzeitig (was ich nicht unbedingt auch wahrhaben will), daß dann natürlich logischerweise alle anderen Menschen in derselben Lebenssituation für sich dieselbe Entscheidung treffen müßten.

Dazu mag es Ausnahmen geben, aber im allgemeinen ist der Mensch viel logischer, als man sich das gemeinhin so träumen läßt.

/ Trennung. /

Da ja wie gesagt meine Überzeugung ist, daß die Menschen viel logischer sind, als man sich so träumen läßt, wäre doch, wenn man einmal annähme, es gäbe Situationen, die ein Mensch für so unerträglich hält, daß er lieber stirbt (Schachtelsatz bitte entschuldigen, aber ich habe nicht viel Zeit und kann nicht groß vereinfachen)...

wenn man dies als Hypothese annehmen würde...

mit welcher logisch stringenten Berechtigung sagt man dann dem Menschen, der gerade einen existenziellen Liebeskummer durchmacht, daß *er* sich *nicht* umbringen darf?
iGing (Gast) - 23. Mär, 16:42

Das Groteske an der mit dem selbst verfügten Tod in Anspruch genommenen "Selbstbestimmung" ist doch, dass genau am entscheidenden Punkt eine Mittelsperson oder -instanz eingeschaltet wird, die Hilfestellung leistet, z.B. ein Arzt: Man praktiziert also genau das, was man doch gerade vermeiden wollte! Die "Selbstbestimmung bis zum Schluss" bleibt eine Fiktion, wenn ich mich umbringen lasse [bitte um Entschuldigung für die krasse Formulierung, aber etwas Anderes ist es ja nicht].

Imrahil (Gast) - 24. Mär, 12:50

>>Wer kann wissen, was einen Menschen in den Tod treibt, was hinter dem erklärten Beweggrund steckt? Sich dieses Wissen anzumaßen und das Geschehen dann kurzerhand mit der Autonomiefloskel abzufertigen ist ein leichtfertiges Sprechen, egal, was der Tote selbst zu Lebzeiten über sein Sterben gesagt haben mag.

Nun, ich denke schon, daß die Aussagen des Betreffenden selbst einen Anspruch auf die Vermutung haben, daß sie auch stimmen. Nicht das, sondern das Gegenteil müßte man beweisen. Die Herumpsychologisiererei à la "eigentlich meint er etwas ganz etwas anderes" hat mir noch nie so behagt.

Es gibt kein Recht auf Selbsttötung; und zwar deswegen nicht, weil Selbsttötung unmoralisch ist. Sic. Aber wenn man, um sie doch unterbinden zu können, mit einigen geschickten Schachzügen deuteln muß, daß der Selbstmörder sie eigentlich gar nicht will... bitte, das mag angesichts einer (vom Grundgesetz übrigens nicht geforderten) Unbeliebtheit des sittlichen Verpflichtungsgedankens geschuldet notwendig sein, aber es sind eben nicht mehr als Schachzüge.

Tatsache ist, daß es Menschen gibt, die nicht mehr leben wollen und denen die Entfüllung dieses Wunsches aber versagt ist*; ziemlich ähnlich den Soldaten, die nicht mehr kämpfen wollen und, wenn sie dementsprechend handeln, eine Straftat - Fahnenflucht - begehen.

[* Es gibt "Sterbehilfe" im christlich erlaubten Sinn, so wie es ja auch, auch bei Katholiken, Familienplanung im christlich erlaubten Sinn gibt. Wer das als "Gesetzeslückensucherei" bezeichnen will, bitte, solange er sich vor Augen hält, daß es legitim ist (!), das Gesetz einzuhalten, aber nach echt existierenden Lücken zu suchen, um doch das zu bekommen, was man haben will.]

Miles Christi (Gast) - 25. Mär, 18:17

Mich wundert doch sehr, dass gerade hier aus der "FAZ", dem Zentralorgan der Lügen- und Systempresse zustimmend rezitiert wird.
Man denke nur an die Hetze der FAZ-Schmierfinken gegen Bischof Tebartz van Elst und jetzt gegen Putin.
Ich glaube diesem Schmierblatt kein Wort mehr.

ElsaLaska - 25. Mär, 22:22

@Miles Christi

Zu Ihrer Kenntnisnahme: Ich zitiere wann und wie es mir beliebt und mir interessant erscheint. Ich zitiere, zu Ihrer Kenntnisnahme, auch nicht immer zustimmend. In diesem Falle aber ausdrücklich.
Nötigenfalls zitiere ich auch aus der taz oder aus der Emma oder aus der Pravda.
Wenn Sie ein Problem mit dem INHALT der Aussagen des von mir verlinkten Artikels haben, werden Sie also konkreter.
Miles Christi (Gast) - 26. Mär, 12:31

Mit dem Inhalt des verlinkten Artikels habe ich, im Großen und Ganzen, kein Problem. Aber es kommt immer auf den Kontext an, alles andere ist abstrakt und lebensfern. Das Leitorgan der Systempresse, das seit Jahrzehnten sich durch ausgeprägte Kirchenfeindlichkeit auszeichnet und mehrere glaubenstreue Bischöfe zur Strecke gebracht hat, sollte man als guter Katholik jedenfalls meiner Meinung nach mit Nichtbeachtung bedenken.
Es gibt andere Blätter (Tagespost, Junge Freiheit u.a.), die ein Katholik noch halbwegs guten Gewissens lesen kann. Aber das ist meine Meinung, selbstverständlich können Sie in Ihrem Blog verlinken, wohin Sie wollen.
ElsaLaska - 26. Mär, 12:58

@miles christi

Das ist jetzt sehr großzügig von Ihnen! VIELEN HERZLICHEN DANK!
Marie (Gast) - 26. Mär, 10:26

Eigene Entscheidung?

Vor einiger Zeit fänden sich in polnischen Zeitungen Artikel über einen jungen Mann, seit geraumer Zeit verurteilt, im Bett liegend von seiner Mutter versorgt zu werden. Seine Lage schien trostlos. Er bat um Hilfe beim Sterben.
Sofort wurde das Thema aufgegriffen und in der Theorie von allen Seiten beleuchtet, erwägt und diskutiert. Jeder hatte etwas dazu zu sagen.
In der Zwischenzeit besuchte ihn eine der beliebtesten polnischen Schauspielerinnen. Sie schlug ihm vor, er könne sich um die Buchhaltung der von ihr ins Leben gerufenen Stiftung für geistig Behinderte Menschen kümmern. Sie organisierte ihm seinen Arbeitsplatz. Seit Jahren nunhilft er ihr. Es ist einfacher jemandem beim Sterben zu helfen, als beim Leben. Aber wollte er wirklich sterben???

Das ist das eine. Das andere ist die Frage der Demut. Ohne diese, ist es sicher schwer Gott zu begreifen. Und Krankheit und Alter sind vielleicht der Moment, gegeben um Demut zu üben. Hilfe anzunehmen, das ist schwer. Und der, der gibt muss sich in Behutsamkeit üben. Das sind die wahrhaft schwierigen Dinge im Leben. Würde bewahren....

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Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
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Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

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