Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Elsas Nacht(b)revier gratuliert von ganzem Herzen Navid Kermani,

dem Träger des diesjährigen "Friedenspreises des deutschen Buchhandels".
Ich bin ein klein wenig stolz darauf, dass er auch hin und wieder in unserem "Vatican-Magazin" veröffentlicht.

Kermanis geistige Weite und Unabhängigkeit, seine schriftstellerische Brillanz hat mich schon damals beeindruckt, als es noch einen - ziemlich überflüssigen - Streit um einen sehr gelungenen Text von ihm ging, die "Bildmeditation über die Kreuzigung von Guido Reni", wonach ein deutscher Kardinal und ein evangelischer Kirchenpräsident (von Hessen-Nassau) das Zicken bekamen: Beide wollten den Hessischen Kulturpreis gemeinsam mit Kermani deshalb nicht annehmen.

Aus seiner Rede zur Verleihung des Friedenspreises:
>>Tränen in der Frankfurter Paulskirche: So ein bewegendes Finale hat wohl noch keine Friedenspreisverleihung gefunden. Auf den Applaus möge man verzichten, bat Preisträger Navid Kermani, und statt dessen gemeinsam beten oder wünschen, dass die Geiseln des Islamischen Staates befreit werden und der Krieg in Syrien und im Irak ein Ende finde. „Gerne können Sie sich dafür auch erheben, damit wir den Snuffvideos der Terroristen“ – also den Videos von Ermordungen – „ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten.“

Da erhob sich die Festversammlung im stillen Gedenken. Nicht wenige wischten sich die Tränen aus den Augen. Auch Kermani selbst war gezeichnet von der bewegenden Geschichte, die er vorgetragen hatte. Diese handelte von Pater Jacques Mourad, der als Christ in Syrien den Muslimen beisteht, von den Terroristen des Islamischen Staates mitsamt seiner kleinen christlichen Gemeinde entführt wird und der schließlich von Muslimen in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus seinem Martyrium befreit wird – und der sich nun sorgt um den Rest der Gemeinde.
Kermani rief in seiner Ansprache eindringlich dazu auf, dem Islamischen Staat endlich entschlossen entgegenzutreten.<<

Friedenspreis Rede in der Frankfurter Paulskirche: Navid Kermani mahnt eindringlich, gegen den Terror des IS vorzugehen | Kultur - Berliner Zeitung - Lesen Sie mehr auf:
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/friedenspreis-rede-in-der-frankfurter-paulskirche-navid-kermani-mahnt-eindringlich--gegen-den-terror-des-is-vorzugehen,10809150,32188434.html#plx366485849

Grazie, Navid Kermani, für Ihren Einsatz und die Schönheit, mit der Sie - gerade uns Christen - in Ihren Texten beschenken, die uns helfen, einen neuen Blick, den Blick des "Anderen", auf unsere Kunst und Tradition zu werfen.

[Edit: Hier also der Link zur gesamten Rede im Wortlaut, veröffentlicht in der FAZ. Vielleicht mag und muss man auch in manchen Dingen im Detail nicht mit Kermani übereinstimmen - doch seine Rede ist eine der gewaltigsten und profundesten Äußerungen zu aktuellen Themen und schlicht ein Zeugnis von Menschlichkeit. Es lohnt sich, sie ganz zu lesen.]
cassian (Gast) - 19. Okt, 07:13

habe mich auch sehr gefreut über Kermani`s Ehrung,

kenne ihn eben auch aus dem Vatican-Magazin.
und: es paßt zu unserer verrückten Gegenwart, daß so ein Mann zum Einenüber vertriebene Urchristen öffentlich trauert
(hat das schon mal ein nordeurop. Christ getan?) und zum Andern anmahnt, endlich zielführender gegen das Höllen-
Kalifat vorzugehen incl. militärischer Option.
bleibt zu hoffen, daß durch die Tränen im Publikum wenigstens EINER der verfolgten Christen vor der Kreuzigung bewahrt wird,
ansonsten wäre es vorweihnachtliches Selbstmitleid gewesen.

Christoph (Gast) - 19. Okt, 13:59

Grazie auch Ihnen, Elsa, für den schönen Kommentar zur Preisverleihung an Navid Kermani, den ich auf seine Weise auch bewegend finde.
Ich habe die Preisverleihung mir in Gänze gestern angesehen und war hinterher tief beeindruckt und, das ging wohl jedem denkenden Menschen so, von dem Ende der Rede sehr bewegt. So kann das viel beschworene "interreligiöse Miteinander" also doch auch mal gelingen, jedenfalls ansatzweise und symbolisch.

Kermanis Rede ist m.E. das Beste, was seit sehr langer Zeit auf diesem Minenfeld gesagt worden ist. Man sollte sie zur Pflichtlektüre machen, in den Schulen angefangen. Auch rhetorisch in dem Ineinander von sachlicher Reflexion und persönlicher Betroffenheit und Erfahrungen einfach glänzend. Die FAZ hat den Redetext heute zu mener Freude in Gänze abgedruckt.
Besonders beeindruckend und zu Recht auch im medialen Echo hervorgehoben ein zentraler Gedanke von ihm: "Der Islam" führt nicht einfach nur einen Krieg gegen "den Westen", sondern auf einer tieferen Ebene einen Krieg gegen sich selbst. Was Kermani dazu gesagt hat, ist allen Nachdenkens wert. Und es befreit endlich einmal aus dieser sinnlosen Scheinalternative "Das hat alles gar nichts mit dem wahren Islam zu tun" (auf "links") versus "Der wahre Islam ist eine Gewaltreligion und damit rundweg abzulehnen" (auf "rechts"). Beide Sichtweisen sind intellektuell ebenso öde wie destruktiv.

(Nur in Klammern: die damalige Reaktion von Kardinal Lehmann und Kirchenpräsident Steinacker auf die gemeinsame Preisverleihung war m.E. doch etwas mehr als bloß ein "Zicken". Kermani hatte, darauf rekurrierten sie, die christliche Kreuzestheologie in einer Publikation als "Idolatrie" bezeichnet. Da muss man als Christ und Kirchenführer schon sehr kritische Rückfragen stellen dürfen. Hätte z.B. ein Kardinal Meisner sicherlich auch getan. Ich denke auch, dass Kermani solch ein Wort heute nicht mehr im Blick auf das Christentum benutzen würde.)

ElsaLaska - 19. Okt, 15:24

@Christoph

Danke für die Ergänzung. Wenn Sie zufällig den Redetext online finden sollten, wäre ich dankbar für den Link.
Christoph (Gast) - 19. Okt, 15:54

@Elsa:

Hier der Link zum kompletten Redetext bei der FAZ:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kermanis-friedenspreis-rede-jacques-mourad-und-die-liebe-in-syrien-13863150.html

(Da die Rede nicht kurz ist, muss man etliche Male zur nächsten Seite weiterklicken...)

ElsaLaska - 19. Okt, 15:56

@Christoph

Herzlichen Dank für Ihre Mühe. Ich füge es dann noch oben ein!
ElsaLaska - 19. Okt, 17:15

Und schon hört man die Ersten maulen,

die sich mit dem "öffentlichen Gebet", das von Kermani ausdrücklich auch als "Gutes wünschen" für Nichtgläubige erklärt wurde, nun defizient bis unwohl fühlen und auch EXTRA NICHT aufgestanden sind.
Echte Helden des deutschen Feuilletons halt...

https://www.perlentaucher.de/blog/495_loest_religion_das_problem_mit_der_religion%3F.html?sh
cassian (Gast) - 19. Okt, 20:46

ja leid könnse einem tun

"Perlentaucher": Kulturmagazin steht gleich daneben. da kann man frei assoziieren, was so einfällt: arte, SZ Zeit FAZ Magazine, gaanz viel Kultur, zwangslinks, können 1) nicht begreifen daß nach hundert Jahren Trennung Kirche & Staat in einer säkularen Veranstaltung sich religiöse Gefühle regen und 2) würden sich dafür schämen wenn sich ein Gefühl geregt hätte und wenn ja es nicht zugeben.

ich hätte 1978 auch niemals zugegeben, daß mir ein paar Lieder von Abba gefallen.
ElsaLaska - 19. Okt, 21:49

@cassian

*smile* für den letzten Satz :-)

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Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
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Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
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