Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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ufficio

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Ich hab dann auch noch was anzumerken ...

>>Es gehe vielmehr darum, hier den weitgehend nichtchristlichen Lesern – das seien in der Region an die 80 Prozent der Bevölkerung – das Geheimnis „Fronleichnam“ in einer Weise nahezubringen, "wie sie es vielleicht in ihrem säkularen Kontext einigermaßen nachvollziehen können, ohne sich sofort kopfschüttelnd von uns katholischen Christen abzuwenden".<<

hieß es vom Sprecher des Bistums Magdeburg auf Anfrage, wie man denn dazu käme, zu schreiben, man trage an Fronleichnam "gesegnetes Brot" durch die Straßen.

Mit Verlaub, aber das ist hanebüchen. 8o Prozent Atheisten, sofern es keine militanten Atheisten, sondern gleichgültige Atheisten sind, was ich für das Bistum Magdeburg doch schwer hoffe, ist es schnurzpiepegal, ob Katholiken nun gesegnetes Brot, gesegnete Eier, einen gesegneten Parma-Schinken oder sonst was durch die Stadt tragen und für WAS sie das Teil jeweils halten - religiöser Schnickschnack halt: Ich war selbst mal Atheistin - das Ding mit dem Leib Christi und dem Allerheiligsten habe ich eh nicht geglaubt, dafür fand ich das Fest immer herausragend schön mit all den Blumen und dem Weihrauch und den Priestergewändern in den Straßen. Wenn man mir erklärt hat, das sei nun der Leib Christi, habe ich mit den Schultern gezuckt und mir gedacht: Isshaltbeidenenso. Und: wär ja auch komisch, wenn sie einem Stück Brot mit Weihrauch den Weg bereiteten und Blumenaltäre dafür bauten.

Die Veranstaltung in Magdeburg stand übrigens unter dem Motto "Jesus Christus - provozierend nah". Dafür zolle ich ausdrücklich Bewunderung. Es gehört zu den von mir besonders geschätzten stilistischen Werkzeugen innerkirchlicher Realsatire, dass ausgerechnet diejenigen, die am wenigsten Mut haben, ihre katholische Konfession mit Nachdruck zu bekennen - immerzu, unaufhörlich und unermüdlich "Mehr Mut!" einfordern. Das kannte ich auch schon. Mit seiner Konfession möglichst niemanden provozieren zu wollen und die ganze Veranstaltung dazu dann unter das Motto "Jesus Christus - provozierend nah" zu stellen, ist allerdings eine Leistung für sich.
Und weitere Bemerkungen dazu verkneife ich mir jetzt.
Es gibt Fakten, die lässt man besser unkommentiert wirken.
curioustraveller (Gast) - 1. Jul, 20:41

Also, ich muss gestehen, dass die Begründung des Bistums sogar mich als Protestant befremdet. Ich kann den Wunsch nach Kontextualisierung von Formen des Glaubens verstehen; aber wenn es so weit geht, dass man anfängt, Inhalte zu verändern oder weichzuspülen, geht mir das zu weit. Andere Kirchen haben das so lange mit Elan betrieben, bis sie schließlich gar nicht mehr wussten, wass sie nun eigentlich glauben ...

Leise Ahnung (Gast) - 1. Jul, 20:52

"Und: wär ja auch komisch, wenn sie einem Stück Brot mit Weihrauch den Weg bereiteten und Blumenaltäre dafür bauten."

Hm, manchmal sind manche Kunden im Bioladen aber ganz knapp davor,glaub ich. Vielleicht haben die in Magdeburg auch einen?

Tiberius (Gast) - 1. Jul, 21:49

Du hast vollkommen recht, Elsa. Danke, daß Du noch einmal auf das "Motto" der Veranstaltung eingegangen bist. Es ist wirklich schwer, keine Satiren zu schreiben. Niemand muß ja glauben, daß es sich bei der gewandelten Hostie um den Leib Christi handelt. Aber zumindest die, die daran glauben, sollten es doch auch genauso sagen können. Wir leben nicht im alten Rom. Keiner muß Angst haben, wegen seines Glaubens in den Gärten des Nero zu hängen oder in die Arena mit den Löwen zu gehen. Wenn man vor Hohn und Spott oder auch nur einem Kopfschütteln in die Knie geht - zur Prozession und zum sakramentalen Segen auf dem Berliner Gendarmenmarkt haben das im übrigen nur wenige geschafft - dann kann es ja mit dem Glauben eigentlich nicht so weit her sein.

ElsaLaska - 1. Jul, 22:05

Das Argument mit den Atheisten

habe ich sowieso keine Sekunde lang ernst genommen.
Sarah (Gast) - 2. Jul, 09:17

Wirklich ein weit verbreitetes Phänomen,

dass ich auch viel bei kfd's vor Ort beobachten konnte, mit der Eucharistie das kann ja jeder so glauben wie er will hiess es da immer (ohne wirkliches Bekenntnis was die Person denn selbst glaubte) aber jeder Slogan beinhaltete irgendwas mit "glauben", " Jesus Nähe" oder ähnliches...
Cuppa (Gast) - 1. Jul, 23:56

Auch wenn die Kirchensteuer

überhaupt nicht zum Thema passt, fällst sie mir jetzt, kurz vor Mitternacht, leider auch noch ein. Was denken sich Hauptamtliche, die dafür bezahlt werden, den Glauben unverkürzt weiterzugeben, eigentlich dabei, den Sinn von Fronleichnam zu verzerren, ungewollt ins Lächerliche zu ziehen, nur damit Atheisten sich nicht konsterniert abwenden.Die bezahlen in der Regel keine Kirchensteuer. Wohl aber Katholiken. Die das gute Recht haben, von Hauptamtlichen in ihrem Glauben eher gestärkt als verunsichert zu werden. Nicht nur an Fronleichnam.

Arminius (Gast) - 2. Jul, 07:58

Eine Provokation für Scheinchristen

Das Fronleichnamsfest erweist sich immer wieder als Stolperstein für kirchensteuerbezahlte Berufschristen. Gab es nicht vor ein paar Jahren einen vergleichbaren Vorfall in Linz, als statt des Allerheiligsten ein Dönerfladen auf einer Grillzange spazierengetragen wurde?

An der Eucharistie scheiden sich die Geister. Die Scheinchristen haben ein Problem mit ihr. Daran kann man sie erkennen.

Yon (Gast) - 2. Jul, 11:48

*Scheinkatholiken*, bitte. Man mag zwar in Versuchung sein, bei einigen unserer Geschwister im Kirchensteuerzahlen tatsächlich nur von Scheinchristentum zu reden, aber es gibt daneben auch genug echte Christen, die unseren Glauben in Bezug auf die Eucharistie nicht teilen.
nömix - 2. Jul, 08:14

Auch mein erster Gedanke: woher der Sprecher des Bistums auf die Idee kommt, dass 80 Prozent der Bevölkerung, weil sie keine deklarierten Katholiken sind, deswegen “weitgehend nichtchristlich“ wären?

Dybart Simpson (Gast) - 2. Jul, 09:20

3,5 Prozent der Einwohner Sachsen-Anhalts sind Katholiken, 14,4 Prozent Protestanten. Die restlichen Bewohner sind konfessionslos. Das kann man eigentlich recht problemlos als "weitgehend nichtchristlich" bezeichnen.
Leise Ahnung (Gast) - 2. Jul, 14:16

Tieftraurig

Im Prinzip ist alles dazu gesagt. Unsere Riten wirken doch durch ihre übernatürliche Kraft und Schönheit aus sich selbst heraus auch oft auf viele andere, aber nur, solange sie unverfälscht zelebriert werden. Diese Eindrücke haben schon bei vielen zu Bekehrungen geführt, wenn auch oft Jahre später. Verwässert werden sie zur wirkungslosen, auch seelisch unberührenden Folklore, dazu gehört auch die Magdeburger Sprachlüge, das geht kraß gegen das 8. Gebot, sogar gegen das 1.

Die Sprache des Mysteriums darf nicht verloren gehen, auch Fronleichnam ist eines und bleibt es lebenslang auch für jeden Katholiken, auch wenn er kognitiv weiß, um was es geht.
Hier dagegen stümperte wieder der Jargon einer Splitterpartei, die um die 5 % Marke zittert, erbärmlich!

Imrahil (Gast) - 3. Jul, 01:03

Ein Atheist in seinem säkularen Kontext kann nachvollziehen, was Anbetung ist. Das ist das, was er Gott darbieten täte, wenn er glauben würde, daß es ihn gäbe.

Aber man muß getaufter und praktizierender Christ von der für gewöhnlich ultrakonservativ genannten Sorte sein, um etwas mit gesegnetem Brot anfangen zu können.

Imrahil (Gast) - 3. Jul, 01:08

Fürs Protokoll: 1. Der Konjunktiv bei "gäbe" ist natürlich der sprachlichen Fabulierlust geschuldet.
2. "Gesegnetes Brot", das etwas Wunderbares ist, entsteht beim Tischgebet.

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Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
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Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
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ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

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