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Dr House ist kein Atheist. Klärung des Begriffes Atheist.

Zum Phänomen Atheismus gibt es eine Fülle von mehr oder weniger ausdifferenzierten Begriffsbestimmungen, die weit gefasst oder auch eng gesteckt sein können. Wikipedia ist ja bei einer wissenschaftlichen Arbeit nicht zitierwürdig, gibt aber einen guten Überblick über das weite Feld des Atheismus. Einige Ansätze gehen wirklich dahin, religiöse Anschauungen, die ohne Gott auskommen, wie etwa den Buddhismus, als atheistisch zu bezeichnen. Das würde für unsere Untersuchung also bedeuten, wir müssten belegen, dass Dr. House ein Buddhist bzw. keiner sei. Dann hätte aber überall gestanden: Dr. House ist ein Buddhist und nicht, Dr. House ist ein Atheist, wenn man sich über den Charakter der Serienfigur informieren wollte.

Dybart schlägt hier folgende Definition vor: "Meiner Ansicht nach ist ein Atheist jemand, der die Existenz eines irgen[d]wie persönlich gedachten Gottes und die Idee einer irgendwie gearteten "jenseitigen Welt" ablehnt."

"Atheismus heißt die Leugnung der Existenz oder jeder (nicht nur rationalen) Erkenntnis Gottes." Stichwort Atheismus in Rahner, Vorgrimler: Kleines Theologisches Wörterbuch. Freiburg, 1976.

Ablehnung, Leugnung finde ich sehr passend für unsere Zwecke, es handelt sich also nicht um jene Sorte Unentschiedener, die man Agnostiker nennen könnte. Dr. House ist nicht unentschieden in dieser Frage, er ist nicht von religiösen Zweifeln befallen, dies wäre ebenfalls Teil seines offiziellen Charakterbildes als Serienfigur: Wäre Dr. House ein Suchender, dann wüssten wir es bereits durch den Willen der Autoren. Ein nächster Einwand könnte sein: Wenn dieses Argument gelten soll, dann könnte auch das Argument gelten, der Charakterzug "Atheist" sei im plot durch den oder die Autoren wortwörtlich angelegt, wir müssen ihnen das einfach glauben, genau wie wir ihnen glauben würden, wenn sie ihn als praktizierenden Katholiken angelegt hätten - nach den Spielregeln der Belletristik und generell des Fiktionalen in der Kunst. Nun habe ich die Originalaussagen der oder des Schöpfers der Figur Dr. House nicht bei der Hand und scheue die erneute Recherche. Es spielt aber auch keine wirkliche Rolle für mein Unterfangen, aus zwei Gründen a) haben Autoren häufig eine Intention mit ihrer Figur und diese verselbständigt sich plötzlich, sie entwickeln sich, vielleicht war Dr. House als Atheist konzipiert worden und fehlerhaft weiterentwickelt worden, wenn dies schlüssig und stringent der Fall wäre, könnte es mir ja sowieso auf keinen Fall gelingen, den Beweis zu bringen, dass er KEIN Atheist sei. b) Es gäbe einen weiteren simplen Grund, warum Dr. House von Autorenseite her als "Atheist" angelegt sein könnte, aber keiner aus ihm geworden ist: Dr. House wurde eventuell mit einem Programm für Drehbuchschreiber geschrieben, dort finden sich Schablonen für die Schaffung von Charakteren, für die Stereotypen hinterlegt sind. Bei Religion also etwa so: katholisch, evangelisch, Muslim, Jude, Atheist. Dies funktionierte dann nach dem Ausschlussprinzip, also wurde Dr. House offiziell "Atheist" - falls er es tatsächlich offiziell von Autorenseite her ist, was ich, wie gesagt, jetzt nicht auch noch nachprüfe.

Aus allen möglichen Erwägungen, die ich hier nur angerissen habe, erscheint es mir am sinnvollsten, aber auch am elegantesten, die Definition von Dybart zu benutzen

ein Atheist [ist] jemand, der die Existenz eines irgen[d]wie persönlich gedachten Gottes [...] ablehnt bzw. verneint oder leugnet.

dies vor allem, damit hinterher nicht gesagt werden kann, ich hätte ja bereits meine Definition von Atheist so gezimmert, dass es dann zu meiner These bestens passt. Falls er einverstanden ist, würde ich aber den zweiten Teil der Definition weglassen, a) weil es zu einer Vermischung und Verwirrung führen würde anstatt zur Klärung und b) weil es ja nicht um das Jenseitsverständnis oder die Housesche Eschatologie geht, sondern um sein Verhältnis zu Gott.

Die Aussagen Dr. House ist ein Atheist und Dr. House ist kein Atheist bezeichnen sein Verhältnis zu Gott (der der christliche sein kann, aber nicht sein muss, es kann auch der jüdische Gott sein, das spielt für unsere Untersuchung keine Rolle).

Besteht hierüber Konsens?

Sind die Wörter "ablehnt, verneint, leugnet" Synonym oder soll hier nochmals deutlicher eingegrenzt werden?
Ablehnen kann ich auch jemanden, von dem ich gewiss bin, dass er existiert? Jemandem die Existenz absprechen kann ich nur, in dem ich verneine und verleugne. Besteht hier noch Fokussierungsbedarf?

[Zurück zu Teil I: Einführung in das Thema]
[Zurück zu Teil II: Zur Vorgehensweise]
Dybart Simpson (Gast) - 19. Mai, 15:12

Konsens

Ja, darüber besteht soweit Konsens.
Zwei Anmerkungen allerdings noch:
1. Ich halte es für sinnvoll, den Aspekt des Jenseits aus der Definition herauszulassen, um eine Fokussierung zu ermöglichen. Schließlich ist zumindest theoretisch eine atheisitische Jenseitsvorstellung und ein eschatologiefreies Gottesbild denkbar. Allerdings möchte ich den Komplex "Leben nach dem Tod" nicht völlig ausklammern, allerdings auf eine Indizienfunktion für ein Gesamtbild beschränken. So wäre etwa eine von House geäußerte Überzeugung, es gebe ein Weiterleben nach dem irdischen Tod zwar kein vollkommen wasserdichter Beweis gegen die Atheismusthese, aber schon ein wichtiger Hinweis.
2. Natürlich sind Agnostizismus und Atheismus nicht identisch. Allerdings sind gewisse eventuell auftretende Zweifel am eigenen Weltbild auch noch keine Aufgabe desselben. Wer also etwa plötzlich zweifelt, ob Jesus Christus Gottes Sohn war, hört ja nicht sofort auf, Christ zu sein. Umgekehrt gilt das genauso.

ElsaLaska - 19. Mai, 20:08

zu 1. Natürlich, das ist absolut sinnvoll, du hast noch zwei wichtige Stichpunkte dafür explizit genannt. Damit ich hier aber nicht die ganze Arbeit habe, können solche Zitate, die sich auf eine wie auch immer geartete Jenseitsvorstellung beziehen, ja im Kommentarbereich in die Diskussion eingefädelt werden, es soll aber nicht das Hauptaugenmerk drauf ruhen.
Meine Arbeits-These lautet also, mit Rücksicht auf unsere Definition:
Dr. House ist kein Atheist, da er die Existenz Gottes weder ablehnt, noch verneint, noch leugnet.
Mit dem Bedeutungsunterschied von "ablehnen, verneinen, leugnen" bin ich noch nicht ganz so glücklich. Ich will mich nachher ja auch nicht geschlagen geben, nur weil ich herausgearbeitet habe, dass er ihn zwar verneint, aber nicht leugnet. Damit wäre mein Beweis ja nach der Ausgangsdefinition nur teilweise erbracht.
Wie steht es damit? Wie können wir das klarstellen? Any idea?
Dybart Simpson (Gast) - 19. Mai, 21:09

Ehrlich gesagt: hä?

Ich fürchte, jetzt wird es mir doch zu kompliziert. Eigentlich sehe ich "ablehnen, verneinen, leugnen" hier tatsächlich syonym und verstehe daher nicht, wie er die Existenz eines irgendwie persönlich gedachten Gottes zwar verneinen, aber nicht leugnenen könnte.
Es geht ja nicht darum, dass House die Existenz Gott ablehnt, in dem Sinne, dass er der Meinung wäre, Gott würde besser nicht existieren, sondern, dass er der Meinung ist, dass Gott nicht existiert.
Aus meiner Sicht müssen wir es nicht zu kompliziert machen. Atheist ist aus meiner Sicht, wer davon überzeugt ist, dass es keinen Gott gibt.
ElsaLaska - 19. Mai, 21:23

>>Es geht ja nicht darum, dass House die Existenz Gott ablehnt, in dem Sinne, dass er der Meinung wäre, Gott würde besser nicht existieren>>
*gg*, hervorragendes Bild.

Ja okay, machen wir uns nicht so viel Arbeit. Lassen wir einfach die drei Verben stehen, wenn ich nachher noch beweisen kann, dass er ihn also vollumfänglich in jeder Hinsicht weder ablehnt, noch verleugnet, noch verneint, ist der Erfolg ja um so schlagender *gg*
fbtde - 19. Mai, 22:24

Ich reite immer wieder drauf rum, springe mit Anlauf, beiden Beinen direkt hinein: Müsste es nicht richtiger Nontheist heißen? Das Wort Atheist hat etwas, sagen wir saulinisches an sich, finde ich: Ist doch der Atheist jemand, der zumindest die Möglichkeit der Existenz eines Gottes in Betracht gezogen - und dann für sich abgelehnt hat. Oder was?!

ElsaLaska - 19. Mai, 22:41

WIE es zu der Überzeugung kam, dass es keinen Gott gebe, ob vorher etwas akzeptiert, dann aber verworfen wurde, das kann ich ja hier gar nicht untersuchen. Deshalb nehmen wir den geläufigen Sprachgebrauch und stellen fest: Ein Atheist ist davon überzeugt, es gibt keinen Gott. Er kann nie ein irgendwie geartetes Verhältnis zu ihm haben, da es/solange es Gott für ihn nicht gibt. Er kann ihn also strikt auch nicht hassen, da er die Existenz Gottes ja verneint. Alles andere ist mir einfach zu psychologisch und irgendwann nicht mehr handhabbar. Jedenfalls innerhalb meiner kleinen Untersuchung.
Alipius (Gast) - 22. Mai, 01:54

Boah!

Machst Du Dir 'ne Mühe!
Respekt!
Bin gespannt, wie's weitergeht!

Alipius (Gast) - 22. Mai, 01:58

Meep!

Ich habe beim ersten Kommentar meine eMail-Adresse statt meiner URL eingetippt (Schlafentzug...), sorry!

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cantare

noch einen Hölderlin,...
An die Unerkannte (gekürzt) Kennst du sie, die...
Johannes (Gast) - 16. Mai, 17:37
Auf dem Film aus N-R....
Auf dem Film aus N-R. wimmelt es geradezu von BloggerkollegInnen.
johannes (Gast) - 16. Mai, 07:48
Hw. Jolie rockt!
Und das sage ich gern jedem, der es hören will....
Gertie (Gast) - 15. Mai, 22:43
Schade, dass sie den...
Schade, dass sie den hochwürdigsten Herrn Prälat...
sophophilo (Gast) - 15. Mai, 22:23
Hölderlin Nachtisch???...
Hölderlin Nachtisch??? Aber dennoch, gern ;-)...
L. A. (Gast) - 15. Mai, 21:14
Traurig schön. Oder...
Traurig schön. Oder schön traurig.
Il capitano (Gast) - 15. Mai, 20:15
schnief!
und zum Nachtisch bitte einen Hölderlin.
Johannes (Gast) - 15. Mai, 19:43
@ Gast es stimmt!
Ich habe hier neben mir eine Printausgabe des Programms...
Ester (Gast) - 15. Mai, 19:26
Schade
Oh schade. Wäre sehr gern bei der heiligen Messe...
Johannes (Gast) - 15. Mai, 18:37
Tja, so isses.
Eine heilige Messe als "geistliches Angebot" (stimmt...
@Ester (Gast) - 15. Mai, 18:37
@all
Ja wirklich herzlichen Dank allen für die schöne...
ElsaLaska - 15. Mai, 17:20
Beuys versucht auf durchsichtige...
Beuys versucht auf durchsichtige Weise, die Rede vom...
Damian (Gast) - 15. Mai, 17:06

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