Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Lange Zeit habe ich über Johanna von Orléans nachgegrübelt

Ich habe tatsächlich nie verstanden, wie eine Schafhirtin zu einer militärischen Größe und Heerführerin empor wachsen konnte. Ich dachte immer, militärischer Sachverstand müsse auch irgendetwas mit Bildung und Intelligenz zu tun haben. Also nicht mit akademischer Bildung, sondern mit praktischer Intelligenz.
Das ist natürlich Quatsch von vorneherein gewesen, aber ich malte es mir halt so aus, weil militärische Intelligenz sich auf ein Gebiet erstreckt, zu dem ich keinerlei Zugang habe gehirnmäßig, das ist so ähnlich wie ich es nicht fertig bringe, irgendwas mathematisch zu erfassen, einen Plan auf Papier zu lesen und zu erfassen, oder dreidimensional zu denken oder eine physikalische Aufgabe zu lösen - einfach nicht meine Spezialität.
Man sollte davon ausgehen, dass irgendwelche Leute, die in irgendwelchen Staaten mit militärischen Aufgaben betreut sind und hochdotiert dazu bezahlt werden, Bescheid wissen würden. Ich bin ja immer so ein Mädchen, dass davon jederzeit ausgeht, doch:
Man habe nicht gewusst, dass der SU-24 zur russischen Luftwaffe gehöre (sagt die Türkei) ... Liebe Leute. Ich habe vorhin sogar "Raketenkreuzer" nachgegoogelt, weil ich ein Mädchen bin. Wäre ich ein Junge geworden, hätte ich mit sieben Jahren schon gewusst, was das genau ist, weil ich meine Freizeit damit verbracht hätte, sie als Modell nachzubauen. Es ist von türkischen Abfangjägern sicherlich nicht zu viel verlangt, ein Flugzeug zunächst einmal zu identifizieren, bevor sie es niederbomben. Kyrillische Aufschriften, so mein Mädchentipp, helfen dabei - das sind die eckigen unleserlichen Buchstaben - die arabischen sind genau so unleserlich, aber dabei rund.
Vieles macht mich wütend in diesen Tagen, aber ganz gewiss machen mich so genannte Spezialisten und Experten wütend, bei denen ich mich fragen muss, was sie in ihrer Zeit bislang angefangen hatten.
Und man bekommt eine Ahnung, was für einen Ingrimm die heilige Johanna eigentlich befallen haben muss, als es um die Verteidigung ihres Vaterlandes ging und sie mal kurz um sich, zu den Spezialisten, schaute.
Märilu (Gast) - 25. Nov, 23:09

Da hat bestimmt

Der liebe Gott ganz viel für sie gedacht, geplant und getan in ihr.

ksu (Gast) - 26. Nov, 09:28

Alles Lügen.
Oder der amateurhafte Versuch, die Lage irgendwie zu retten, wo das Kinde längst im Brunnen (bzw. das Flugzeug ausgebrannt am Boden) lieg.
Natürlich haben die gewusst, wen sie abschießen.
Und sie haben diese Entscheidung ganz bewusst getroffen.
Warum auch immer.

Christoph (Gast) - 26. Nov, 14:27

Eben - "warum auch immer". Wir wissen reichlich wenig über den Hergang und das "warum": Zu wenig (finde zumindest ich), um hier schon eindeutige Schuldzuweisungen vorzunehmen. Das fällt umso schwerer, als die Potentaten der beiden Streithähne, Erdogan wie Putin, nicht gerade Lichtgestalten sind, um es zurückhaltend zu sagen.
Taras Sirko - 26. Nov, 14:51

Der STERN vermag mittlerweile selbst die BILD zu toppen :-D

Ehrlich gesagt, manche Journalisten erinnern mich immer wieder an eine Episode aus dem Bauernkrieg im Deutschland des frühen 16. Jahrhunderts. Kurz geschildert: Es gab da einen Bauernführer, der seinen Grafen gefangennahm und ihn vor seiner Schar herlaufen ließ. "Ei, Bruder, ich versteh's, den Krieg zu führen", rief der Bauernführer dem Grafen immer wieder höhnisch zu, "und was kannst du?"

Das Ende der Geschichte: Der Bauernführer ging mitsamt seiner Schar zugrunde. Weil er eben dann doch nicht verstand, den Krieg zu führen. Putin - Lichtgestalt hin oder her, in seinem Land erfreut er sich großer Beliebtheit, hier muss er das nicht - versteht es hingegen sehr wohl.
ElsaLaska - 26. Nov, 15:07

@Christoph

Nun, ich habe die blitzschnell aufeinanderfolgenden Behauptungen der Türkei intensiv mitgelesen. Erst hieß es, man habe den russischen Jet 10 Minuten lang fünfmal gewarnt oder umgekehrt, fünf Minuten lang zehn Mal gewarnt, spielt ja keine Rolle. Dann hieß es irgendwas ganz anderes, weil jeder normale Mensch, der über wenig militärischen Sachverstand verfügt, sich ausrechnen kann, dass der Jet dann bereits schon längst auf türkischem Hoheitsgebiet gewesen wäre und auch dort hätte niedergegangen sein müssen. Ist er aber nicht. Dann wurde vom russischen Verteidigungsministerium und von den syrischen Behörden ziemlich klar nachgewiesen, dass das Flugzeug, wenn überhaupt, nur knapp über die türkische Grenze, die übrigens seit kurzem ein Eigenleben führt und sich mal hier, mal dort befindet, je nachdem, wie es gerade passt, geflogen sein kann und das jedenfalls auch nicht fünf oder zehn Minuten lang.
Irgendwann kam dann, man habe nicht gewusst, dass der SU24 zu Russland gehöre, und schließlich dann, die Türkei verstehe sich als Schutzmacht der syrischen Turkmenen, die gegen Assad kämpfen - und die Russen hätten turkmenische Stellungen bombardiert. Oder den Nachschub-Konvoi für IS-Öl nach Türkei unterbunden?

Glücklicherweise bombardiert ja Putin gar keine IS-Stellungen, wie mir wiederholt von informierten Menschen versichert wird, die tatsächlich glauben, dass das russische Verteidigungsministerium - dem man auf Twitter folgen kann- wochenlang Flugziele, Videos, Treffermeldungen etc. veröffentlicht, ohne dass die Weltöffentlichkeit bemerkt, dass das alles pure Märchenerzählungen sind.
Immerhin, ich habe jetzt gelernt, dass es Turkmenen in Syrien gibt. Die aber nichts mit den zentralasiatischen Turkmenen zu tun haben, sondern einfach Nachfahren von Türken in Syrien sind. Und dass es das Phänomen "moving borders" gibt.
Taras Sirko - 26. Nov, 15:11

@Elsa

N-TV strahlte eben die mutmaßliche türkische Warnung aus. Der Wortlaut ist dann doch ein wenig irritierend. Er lautete:
"Sie nähern sich dem türkischen Luftraum. Drehen Sie sofort nach Süden ab."
Sie nähern sich? Aha.

Zumindest einer der Anführer der syrischen Turkmenen, namentlich Alpaslan Celik, ist ein waschechter Türke, der sich aber gern unter waschechten Turkmenen aufhält, um es nett zu formulieren ;-)
Ex oriente lux! (Gast) - 27. Nov, 14:54

@Christoph:

Für mich - ich bekenne mich dazu, wissend, dass ich mich damit nicht im linksgrünen Mainstream bewege - IST Präsident Wladimir Putin eine wirkliche Lichtgestalt. "Licht, dass selbst der Sonne trotzt", hat ihn der bekannte Moskauer Erzpriester Tschaplin kürzlich in einer Predigt genannt. Die russische Kirche ist eine Kirche, die noch weiß, das Christentum immer patriotisch war! Auch das gehört zur Verkommenheit des "Westens", zu dem wir nicht gehören wollen, dass die "westlichen" Kirche das längst vergessen haben.
ElsaLaska - 27. Nov, 22:12

@ex oriente lux

So ein Quark.
Taras Sirko - 26. Nov, 11:35

Jeanne d'Arc

hat ihre Befehle quasi von ganz oben bekommen und sie lediglich weitergeleitet. Außerdem standen ihr einige zwar müde und anfangs desinteressierte, aber dennoch begabte Hauptleute zur Seite. An eine persönliche Begabung der Heiligen Johanna in militärischen Belangen glaube ich hingegen nicht. Tapfer war sie, gewiss, auch konsequent und unbeirrt. Sie ist eine Heilige, die mich sehr anspricht. Aber ein militärisches Genie? Nein.

Soldaten, liebe Elsa, sind nicht anders als andere Menschen. Ich für meinen Teil bin eher der kühle Logiker, der ‹pragmatisch Intelligente›, nicht aber der ‹akademisch Gebildete› - wobei letztere Gruppe wohl fälschlicherweise nur Geisteswissenschaftler benennt?

Vielleicht überrascht es, dass einer meiner früheren Bataillonskommandeure ein hochgelehrter Historiker war? Möglicherweise ist der türkische Pilot ein hochstudierter Philosoph? Oder ein Mann, der auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg Offizier geworden ist? Keine Ahnung. Aber schließlich ist der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel ein Hauptmann der Reserve der türkischen Armee. Ist er deswegen eher ein pragmatisch Intelligenter oder ein akademisch Gebildeter? ;-)

Nun ja, auf manchem Campus schauen die Studierenden der Geisteswissenschaften nach wie vor auf die Studierenden der schnöden Natur-, Struktur- und sonstigen Wissenschaften herab. Völlig zu Unrecht, wie ich finde. Aber mit dem Abschuss der russischen Su-24 hat das nichts zu tun. Es war eine politische Entscheidung. Der türkische Pilot war nur der Ausführende.

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Ich bin einfach hingerissen,
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