Hôtel-Dieu in Beaune (F)





Der Besuch der gemütlichen, sehr französischen kleinen Altstadt von Beaune mitsamt des bezaubernden Spitals Hôtel-Dieu aus dem 15. Jahrhundert hat mich überaus beeindruckt und sehr nachdenklich gemacht. (Stammleser wissen, dass ich eigentlich eher italophil bin, an meinem Wohnsitz in Deutschland nur 10 km von der französischen Grenze bin). (Lieber hätte ich Tschechien nebenan, aber das wäre dann ein komplett anderer Lebenslauf geworden. Ich glaube, es ist alles gut, so wie es ist. Jedenfalls habe ich per Flusskreuzfahrt nicht nur die Saone (ja, circonflex-Akzent, ist aber mühselig rauszusuchen), sondern auch die Rhone befahren, das unfassbar außerirdisch schöne Avignon samt Papstpalast besichtigt, den einen oder anderen Ricard getrunken - nein, das ist keine Werbung, sondern eine persönliche Präferenz. Pernod kann kein Mensch trinken, am Anwesen des Herrn Ricard in der Camargue vorbeigefahren, in dem schnuckeligsten kleinen Wallfahrtsort aller Zeiten, nämlich St. Maries-de-la-Mer ein gekühltes Getränk auf Anisbasis genossen und so weiter. Also alles, was die KI nicht kann.)
Zurück zu Beaune. Es handelt sich hier um ein Gebäude und einen Stift aus dem 15. Jahrhundert, gegründet und erbaut von einem äußerst wohlhabenden katholischen Ehepaar, in dem ein fantastisches Gemälde mit brillanter Farbgebung vom Jüngsten Gericht hängt und hing, ganz vorne am Altar, damit es die - übrigens aufopferungsvoll gepflegten Sterbenskranken, die man von der Straße aufsammelte - stets vor Augen hatten (Ja, das Mittelalter war so schlecht nicht, vielleicht sogar humaner als wir heute. Von aktiver Sterbehilfe war da noch nicht die Rede, jedenfalls, wenn man nicht gerade Waldenser oder Muselmane war und die heiligen Stätten okkupiert und die dortig ansässigen Christen malträtiert hatte.
Die Babyklappe haben die Christen auch erfunden (RICOLA!), ich glaube, die erste wurde in Santo Spirito in Rom installiert, denn, die Christen zeichneten sich nicht nur den Auferstehungsglauben auf, sondern auch dadurch, dass sie ihre Kinder nicht umbrachten wie es die Heiden zu tun pflegten, wie man heute noch in der Didache, auch Zwölf-Apostel-Lehre genannt, einer grundlegenden Schrift der Urchristen nachlesen kann: "Das zweite Gebot der Lehre aber (heißt): 2. „Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen“, du sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht Unzucht treiben, „du sollst nicht stehlen“, du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen, du sollst nicht das Kind durch Abtreiben umbringen und das Neugeborene nicht töten (this one goes out to Möchtegern-Verfassungsrichtern in der Neuzeit, „du sollst nicht begehren nach deines Nächsten Gut“. )
Zurück zu Beaune. Man ist ja geneigt zu denken, dass im Hohen Mittelalter irgendwie alles nur ein einziges shithole war. Mitnichten. Wenn eine Zeit wirklich finster war, dann die heutige. Und wenn ich einen Ort nennen sollte: Karachi). Na gut, natürlich auch Nordkorea.
Das Ehepaar, dass dieses Armenhospiz in Beaune errichtete und betrieb für Gotteslohn, war nicht nur christlich, sie liebten sich über alles. Und das haben sie auch verewigt mit einem gigantischen Wandteppich, in dem das Wort "SEUL(L)E" (altfrz. für: einzig), ein Stern und eine Taube dabei, das von dieser großartigen Liebe zwischen Nicolas Rolin und Guigone des Salins noch heute zeigt.
Ich habe die Bilder aus dem großen Saal gepostet, in diesem lagen praktisch wie in Schlafwagenkabinen mit diskreten Vorhängen davor, die sterbenskranken Armen. Es war freilich intendiert, dass sie stets vor sich vorne am Altar das wunderschöne farbenprächtige Polyptychon von Rogier van der Weyden vor Augen hatten. Zur Rechten (links im Bild) Jesu die Barmherzigen, zu seiner Linken die Sünder und die Hölle.
Ich weiß, dass will natürlich heute so niemand mehr, aber es könnte mir Schlechteres passieren, als dieses wundervolle Altarbild in meinen letzten Stunden vor Augen zu haben (als da wären Bärbel Bas, Strack-Zimmermann, Angela Merkel, Robert Habeck, Annalena Baerbock, Friedrich Merz, Olaf Scholz, Ursula v.d. Leyen, Margot Käßmann... - Aufzählung nicht abschließend.)
Dabei fällt mir gerade eine Episode ein aus Mamas letzten Tagen. Sie lag ja mitnichten in einem kuscheligen Privatabteil mit purpurroten Samtvorhängen, sondern in einem ordinären Kreiskrankenhaus, bis ich befand, Schluss, Aus, Basta! Das war ein absolut uninspiriendes 6-Frauen-Zimmer, da aber gerade EM oder WM oder was war, waren zumindest die Stationsschwestern sehr inspiriert und hatten ihre Empfangstheke mit Fähnchen verziert. Am Fenster in einem Bett lag eine gar nicht mal so alte Frau, die nie Besuch bekam und unaufhörlich greinte, jammerte und vor sich brabbelte. Meine Mama hatte ihre Ecken und Kanten, aber sie wäre nicht meine geliebte Mama gewesen, wenn sie nicht irgendwann den Tussen mit den Deutschlandwimpeln mal gesagt hätte: Der Frau da am Fenster geht es sehr schlecht, können Sie nicht etwas unternehmen? Die sehr junge Angesprochene zuckte mit den Schultern und erwiderte: Ja, die Frau stirbt halt grad. Und ging wieder raus, rauchen oder Wimpel aufhängen, weiß ich nicht.
Was sind das für Menschen?
Was ist das für eine Gesellschaft, und was kommt als Nächstes? Kannibalismus? Sex mit Leichen auf Umzügen?
Man weiß es nicht.
ElsaLaska - 11. Aug, 16:57

















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