Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Der Fels. Vatileaks und der Angriff auf die Kirche

ist der Titel eines aktuellen Artikels von Armin Schwibach. Das Nuzzi-Buch "Sua Santità", das einen vorläufigen Höhepunkt der Affäre darstellte, wird in einigen Tagen auch auf Deutsch erscheinen, außerdem ist eine Verfilmung geplant.

"Die schwierigste Frage von allen ist: wer steht hinter diesen Angriffen auf das Herz der Kirche, auf die Römische Kurie, auf die engsten Mitarbeiter des Papstes und somit nicht zuletzt auf den Papst selbst?", schreibt Armin - in der Tat, die Frage aller Fragen seit Beginn von Vaticanleaks.

>>Für einen vatikanischen Blick dagegen ist klar: Ziel der Vatileaks-Affäre, verbunden mit der sprungbereiten Mitwirkung gewisser Medien, ist es, die wichtigsten und engsten Mitarbeiter des Papstes zu treffen, ins Zwielicht zu zerren, in einen absurden Kontext zu stellen, um den Papst selbst auf diese Weise (wenigstens in der veröffentlichen Meinung) zu isolieren, sein Reformwerk und seinen Regierungsstil zu stören oder zu zerstören und Zwietracht auf allen Ebenen der römischen Kirchenleitung zu säen. Dabei scheint Prinzip zu sein: so nahe wie möglich an den Papst ran, und sei es auch über die mediale Leiche seines Privatsekretärs.
Kurz: je „erfolgreicher“ der Papst bei den Menschen ist (man denke an die wöchentlichen liebevollen Umarmungen bei den Generalaudienzen und zum Angelus-Gebet oder an die großen italienischen und internationalen Ereignisse wie den jüngsten Weltfamilientag oder die großen Auslandsreisen), desto mehr müssen – vielleicht auch objektiv gegebene – Probleme vergrößert oder in einer aufgeblasenen Dimension dargestellt werden.<<

Dieses Phänomen gab es übrigens auch schon im Zuge des Missbrauchsskandals des Jahres 2o10 - so nahe wie möglich an den Papst ran. Der sich nun wirklich wie kein anderer um Aufklärung und Transparenz (zwei Worte, die ich seit Vaticanleaks allerdings langsam nicht mehr hören kann) bemüht hat. Es gab übrigens heute ein weiteren Schlag für den Heiligen Stuhl, nämlich die Hausdurchsuchung beim Ex-Vatikanbank-Chef Gotti-Tedeschi. Dabei soll ein Memorandum (auch dieses Wort zählt nicht mehr zu meinen beliebtesten), das von Gotti Tedeschi selbst verfasst worden sei und das die Aufmerksamkeit der Beamten erregte, weil es mit dem Vermerk versehen war: "Falls mir etwas zustößt, soll dieses Memorandum meinem Anwalt, dem Corriere-Journalisten Massimo Franco, und Papst-Sekretär Georg Gänswein übergeben werden." Diese Informationen gibt es beim Standard und dort weiß man auch Bescheid, um was es in diesem Memorandum so ungefähr gehe. Zum Standard-Artikel also hier entlang.
Der Hl. Stuhl hat bereits mit einer Pressemitteilung von heute Abend reagiert und seine Überraschung und Besorgnis über den Vorfall (der Durchsuchung und Beschlagnahme) ausgedrückt.

Weiter mit Erfreulicherem, nämlich Armins Artikel. Das Zitat kommt heute Abend gerade recht:

>>Der Fels jedoch steht fest in der Brandung des Meeres, das sich mit zerstörerischer Wucht auf ihn werfen will. Unbeirrt hält Benedikt XVI. das Steuer des Schiffs der Kirche in der Hand, im Bewusstsein, dass die Kirche immer „ecclesia militans“ ist, „streitende Kirche“, so in seiner Tischrede beim Mittagessen mit den Kardinälen am 21 Mai. Das Böse will die Welt beherrschen. Deshalb ist es für Benedikt XVI. notwendig, „in den Kampf gegen das Böse einzutreten“. Es ist für den Papst klar, dass man in diesem Kampf Freunde braucht. Und es sollte auch klar sein, dass dies wichtiger ist als der Versuch, die Feinde zu verstehen, die das Werk des Papstes verfinstern wollen.<< Ganzer Artikel hier.

Viel zu verstehen gibt es ja eigentlich nicht mehr. Der Heilige Vater soll durch die Beschädigung seines Kardinalstaatssekretärs und sogar noch seines Privatsekretärs, zweier wesentlicher Männer für die Aufgabe, die er zu erfüllen hat, endgültig bewegungsunfähig gemacht und zu einem Papst gemacht werden, der vor den Augen der Welt schlicht zu alt ist, um seinen Laden noch ordentlich zu führen. Das wäre jetzt so meine Privatthese dazu (und ansonsten schließe ich mich auch voll der zitierten Aussage von Armin deswegen an). Aber ich kann falsch liegen - ich bin schließlich nicht gerade für meine brillanten und nüchternen Analysen bekannt, eher für meine Fähigkeiten zur Satire. Und die Lust auf Satire ist mir für heute Abend angesichts der Nachrichtenlage doch vergangen.
Bellarmin (Gast) - 8. Jun, 22:19

Kein Titel

Wäre die Lage nicht so schlimm, und stünden nunmehr nicht auch Menschenleben auf dem Spiel, würde man sich nach Satire sehnen.

L. A. (Gast) - 9. Jun, 00:27

Lieber Bellarmin,

ich bin beunruhigt. Wie darf oder soll ich es verstehen, daß "nunmehr... auch Menschenleben auf dem Spiel" stünden?
ElsaLaska - 9. Jun, 00:42

L.A.

Gotti Tedeschi hat Leibwächter angeheuert - die Ermittler wollen ihn unter Polizeischutz stellen, offenbar wird er bedroht.
L. A. (Gast) - 9. Jun, 01:41

@Elsa

danke.

Hab nun ein paar Artikel dazu gelesen... also welche Kreise da so gerade in gemeinsamer Squaredance oder Tarantella -Laune sind... mag es lau klingen, ich hoffe dennoch, daß ihnen allen die Party noch in dieser Welt verdorben wird...
damasus (Gast) - 8. Jun, 23:12

in Treue fest- 18:45

Man fragt sich außerdem, welche Rolle die Medien spielen. Die des nützlichen Idioten der Verschwörer und Verräter? Die des Schmarotzers, der sich von den Erträgen der Intrige , von den gelüfteten "Geheimnissen" und auch vom materiellen Nutzen (Nuzzi) der Machenschaften ernährt ? Sind gar einige von ihnen Mittäter, die um einer saftigen Indiskretion willen die 30 Silberlinge locker machten?
Der Plot des geplanten Vatileaks-Films, in dem der Hl. Vater schon tot ist- spricht für sich bzw. gegen seine Urheber- über ihren moralischen Zustand schweigt des Sängers Höflichkeit besser.

Thie (Gast) - 8. Jun, 23:51

Die Vision Don Boscos ?

Vielleicht ist es etwas hoch gegriffen, aber mir kommt das Bild vom bedrängten Schiff Don Boscos nicht mehr aus dem Sinn.

lylan (Gast) - 9. Jun, 00:03

Doch, es gibt noch mehr zu verstehen.

Wer im privaten Bereich angegriffen wird, und deshalb -notgedrungen- damit beschäftigt ist, sein Haus zu ordnen,
hat keine oder nur wenig Zeit, Anderes genauer zu betrachten.
Die Frage wäre also, wovon der heilige Vater abgehalten werden soll, was er nicht sehen soll, was nicht wissen soll.

Man darf gespannt sein, leider.

Bellarmin (Gast) - 9. Jun, 12:55

Yes

Sie haben es erfasst. Das ist die Frage. Etwas sehr wichtiges muss es sein, das man von außen vielleicht (noch) nicht überblicken kann. Einzelne Steine des zu Verhindernden kann man sehen bzw. erahnen. Einige andere sind verdeckter. Dieser Pontifikat ist komplex und historisch, und deshalb ist es nicht leicht. Eines ist jedoch sicher: der Papst selbst hat nicht den Überblick verloren und hält - trotz allen Querfeuers - das Heft fest in der Hand. Wie Rocco Buttiglione meinte: die Kanonen, mit denen der Vatikan beschossen wird, stehen (zum Großteil) außerhalb seiner Mauern, während die Munition fleißig von Innen geliefert wird.

Kleine Anmerkung: kein einziges der bisher veröffentlichten Dokumente ist "anstößig" oder gibt Anlass zu Skandal. Es ist ein ungeordneter kriterienlos zusammengewürfelter Papierhaufen, nichts mehr. Daher ist auch der Erpressungsversuch vom letzten Wochenende eine Farce, selbst wenn es sich bei dem Dokument vom 19.2.2009 um eines jener handeln sollte, das sich auf den Williamson-Skandal bezieht. Es dürfte allen klar sein, dass vom Schreibtisch des Papstes und seines Privatsekretärs nichts Skandalöses kommen kann, was für einige umso ärgerlicher sein muss.

Wovon soll der Heilige Vater abgehalten werden? Sein Reform- und Erneuerungswerk, das auf vielen Ebene angesetzt hat, fortzusetzen, um dem Schiff der Kirche eine eine eindeutige und klare Route zu geben, in den Fahrwassern der Tradition, der Kontinuität und des Auftrages ihres Gründers, dessen Wahrer und Beschützer sein Stellvertreter ist.

Eines ist nun geklungen (als kleines und marginales Beispiel genannt): die Formalisierung der Aussöhnung mit der FSSPX ist verschoben worden. Es wäre auch "politisch" sehr unklug gewesen, in dem Bereich gerade jetzt etwas zu unternehmen. Noch etwas ist gelungen: die Lehre und die Wortes des Papstes in Nebeln verschwinden zu lassen.

Was nicht gelingen wird (auch wenn sich der Teufel sehr anstrengen wird): das Jahr des Glaubens zu versenken. Diese Skandaljahr muss den unteren Gefilden unendlich zuwider sein. Daher können wir uns noch auf einiges gefasst machen. Aber der kleine Rest wird sich nicht beugen lassen, eng mit dem Papst verbunden in die Schlacht ziehen und das heiligste Antlitz unseres Herrn als Heerbanner vor sich tragen. Der Antichrist wird nicht siegen, selbst wenn er sich noch so sehr bemüht, diesen Anschein entstehen zu lassen.
Mahakala - 9. Jun, 21:38

Kein Fussball mehr hier? :-(

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cantare

Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

attenzione

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