Falsche Interpretation der Autorität.
Aus "Der verwüstete Weinberg" von Dietrich von Hildebrand:
>>Wir weisen auf diese Dinge hin, weil Karl Rahner in einem Vortrag in der Katholischen Akademie in München über eine Uminterpretation der Autorität sprach. In dieser Rede wurden elementare philosophische Irrtümer vorgebracht, die auch eine überraschende Blindheit für den Unterschied von sakraler und profaner Autorität verraten.
Schon die Behauptung, daß die bisherige Auffassung der Autorität in der Kirche eine "feudalistische" gewesen sei bzw. nur für die feudalistische Gesellschaft passe und nicht für die "moderne" Menschheit - ist mehr wie bedauerlich. Derselbe Mann, der noch vor 20 Jahren bedeutende theologische Werke schrieb, fällt hier der spezifisch mediokren Soziologisierung zum Opfer, einer unseligen Modeströmung. Die Redensarten sind bekannt: Wir müssen uns von dem platonischen Irrtum frei machen, von der griechischen Mentalität, die behauptet, daß es eine objektive Wahrheit gebe. Letzte grundlegende Tatsachen - , die man im Moment, wo man sie zu leugnen sucht, wieder voraussetzt - für einen Ausdruck einer Nation, einer Zeit, einer soziologischen Struktur zu halten, ist ein kindischer Irrtum. Denn was man erarbeitet in einer wissenschaftlichen Soziologie, setzt ja all diese Grundwahrheiten voraus. Analog ist die Behauptung, ein solches Urphänomen wie die echte Autorität sei eine Frucht besonderer soziologischer Strukturen - wie des Feudalismus - ein unseliger, in sich widerspruchsvoller Irrtum. Und aus dem Munde eines Theologen ist sie umso unbegreiflicher, da sie eine Blindheit für das Urphänomen der Autorität Gottes, die "causa exemplaris" aller Autorität, verrät.
Wenn dieser Vortrag Rahners zunächst durch das Hineingleiten in die mediokre Sozialisierungsmode auffälllt, so überrascht uns als zweites die philosophische Konfusion in Bezug auf das Wesen der Autorität. Das Wesen eines so zentralen und fundamentalen Datums wie der Autorität wird in krassester Weise verkannt. Die wahre Autorität soll nach Rahner "abgeschafft" werden und durch eine rein funktionale ersetzt werden. Aber das Schlimmste ist noch ein Drittes: Die Nichtunterscheidung der sakralen und profanen Autorität. Indem er das "Paternale" aus aller kirchlichen Autorität entfernen will, will er die kirchliche Autorität entsakralisieren und gerade den wesentlichen Unterschied von sakraler und profaner Autorität eliminieren. Ja, er will damit die sakrale Autorität auf eine profane reduzieren und zwar nicht einmal auf die wahre profane Autorität, sondern auf die neutrale - ihrer Kraft und Würde entkleidete - rein technische funktionale Autorität. Macht er sich klar, welche Konsequenzen dies auch für die Art des Gehorsams hat, die wir der sakralen Autorität schuldig sind?
Was soll diese Furcht vor der Paternalität, die doch ihren Ursprung in der Beziehung zu Gott hat, der im Evangelium immer wieder als unser himmlischer Vater bezeichnet wird.
[...]
Diese Uminterpretation der Autorität in der hl. Kirche ist nicht eine neue Interpretation der Autorität, sondern ein einfaches Mißverständnis dieses Urphänomens der sakralen Autorität. Sie steht auf derselben Stufe, wie wenn jemand den Unterschied zwischen einem Universitätsprofessor und einem "Doctor Ecclesiae", einem heiligen Kirchenlehrer, nicht sehen würde. Die ganze Größe und Würde, das Durchsetztsein von heiliger väterlicher Liebe, das der Autorität eines Bischofs und Oberen anhaftet, wird eliminiert, der ganze Glanz der einzigartigen direkten Verbindung mit Gott durch Christus soll ersetzt werden durch eine öde, glanzlose, rein irdische Beziehung, der die echte übernatürliche Liebe fehlt. Alle verschiedenen Typen von Autorität werden nicht unterschieden, alle kategorialen Unterschiede in der Liebe [...] werden ignoriert.
[...]
Und all diese zeitlosen Grundphänomene, Grundtatsachen, sollen wegen des mythischen "modernen" Menschen - der nur in der Phantasie der Soziologen lebt - geopfert werden. Bald wird man hören, daß es für den "modernen" Menschen nicht mehr zumutbar ist, daß er von Eltern abstammt. <<
[Wie gesagt, aus dem Jahre 1972.]
>>Wir weisen auf diese Dinge hin, weil Karl Rahner in einem Vortrag in der Katholischen Akademie in München über eine Uminterpretation der Autorität sprach. In dieser Rede wurden elementare philosophische Irrtümer vorgebracht, die auch eine überraschende Blindheit für den Unterschied von sakraler und profaner Autorität verraten.
Schon die Behauptung, daß die bisherige Auffassung der Autorität in der Kirche eine "feudalistische" gewesen sei bzw. nur für die feudalistische Gesellschaft passe und nicht für die "moderne" Menschheit - ist mehr wie bedauerlich. Derselbe Mann, der noch vor 20 Jahren bedeutende theologische Werke schrieb, fällt hier der spezifisch mediokren Soziologisierung zum Opfer, einer unseligen Modeströmung. Die Redensarten sind bekannt: Wir müssen uns von dem platonischen Irrtum frei machen, von der griechischen Mentalität, die behauptet, daß es eine objektive Wahrheit gebe. Letzte grundlegende Tatsachen - , die man im Moment, wo man sie zu leugnen sucht, wieder voraussetzt - für einen Ausdruck einer Nation, einer Zeit, einer soziologischen Struktur zu halten, ist ein kindischer Irrtum. Denn was man erarbeitet in einer wissenschaftlichen Soziologie, setzt ja all diese Grundwahrheiten voraus. Analog ist die Behauptung, ein solches Urphänomen wie die echte Autorität sei eine Frucht besonderer soziologischer Strukturen - wie des Feudalismus - ein unseliger, in sich widerspruchsvoller Irrtum. Und aus dem Munde eines Theologen ist sie umso unbegreiflicher, da sie eine Blindheit für das Urphänomen der Autorität Gottes, die "causa exemplaris" aller Autorität, verrät.
Wenn dieser Vortrag Rahners zunächst durch das Hineingleiten in die mediokre Sozialisierungsmode auffälllt, so überrascht uns als zweites die philosophische Konfusion in Bezug auf das Wesen der Autorität. Das Wesen eines so zentralen und fundamentalen Datums wie der Autorität wird in krassester Weise verkannt. Die wahre Autorität soll nach Rahner "abgeschafft" werden und durch eine rein funktionale ersetzt werden. Aber das Schlimmste ist noch ein Drittes: Die Nichtunterscheidung der sakralen und profanen Autorität. Indem er das "Paternale" aus aller kirchlichen Autorität entfernen will, will er die kirchliche Autorität entsakralisieren und gerade den wesentlichen Unterschied von sakraler und profaner Autorität eliminieren. Ja, er will damit die sakrale Autorität auf eine profane reduzieren und zwar nicht einmal auf die wahre profane Autorität, sondern auf die neutrale - ihrer Kraft und Würde entkleidete - rein technische funktionale Autorität. Macht er sich klar, welche Konsequenzen dies auch für die Art des Gehorsams hat, die wir der sakralen Autorität schuldig sind?
Was soll diese Furcht vor der Paternalität, die doch ihren Ursprung in der Beziehung zu Gott hat, der im Evangelium immer wieder als unser himmlischer Vater bezeichnet wird.
[...]
Diese Uminterpretation der Autorität in der hl. Kirche ist nicht eine neue Interpretation der Autorität, sondern ein einfaches Mißverständnis dieses Urphänomens der sakralen Autorität. Sie steht auf derselben Stufe, wie wenn jemand den Unterschied zwischen einem Universitätsprofessor und einem "Doctor Ecclesiae", einem heiligen Kirchenlehrer, nicht sehen würde. Die ganze Größe und Würde, das Durchsetztsein von heiliger väterlicher Liebe, das der Autorität eines Bischofs und Oberen anhaftet, wird eliminiert, der ganze Glanz der einzigartigen direkten Verbindung mit Gott durch Christus soll ersetzt werden durch eine öde, glanzlose, rein irdische Beziehung, der die echte übernatürliche Liebe fehlt. Alle verschiedenen Typen von Autorität werden nicht unterschieden, alle kategorialen Unterschiede in der Liebe [...] werden ignoriert.
[...]
Und all diese zeitlosen Grundphänomene, Grundtatsachen, sollen wegen des mythischen "modernen" Menschen - der nur in der Phantasie der Soziologen lebt - geopfert werden. Bald wird man hören, daß es für den "modernen" Menschen nicht mehr zumutbar ist, daß er von Eltern abstammt. <<
[Wie gesagt, aus dem Jahre 1972.]
ElsaLaska - 26. Jul, 20:10